Der Al-Kuds-Tag wird im Iran traditionell zu Solidaritätsbekundungen für die Palästinenser und für Proteste gegen Israel und seine Verbündeten genutzt.
(Foto: dpa)
Freitag, 18. September 2009
Al-Kuds-Tag im Iran: Ahmadinedschad provoziert
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat den Holocaust erneut bestritten. Es sei "eine falsche Behauptung, ein Märchen, das als Vorwand für Verbrechen gegen die Menschheit benutzt wird", sagte Ahmadinedschad bei einer anti-israelischen Kundgebung zum sogenannten Al-Kuds-Tag in Teheran. Al Kuds ist der arabische Name für Jerusalem. In der iranischen Hauptstadt und anderen Städten des Landes demonstrierten nach Angaben der staatlichen Medien Hunderttausende Menschen gegen Israel. Zum ersten Mal seit Mitte Juli nahmen Anhänger der Opposition die Demonstrationen zum Anlass, gegen die umstrittene Regierung zu protestieren.
Die Oppositionsanhänger geben sich durch grüne Bänder zu erkennen.
(Foto: REUTERS)
Augenzeugen sprachen von vielen tausend Menschen, die sich durch grüne Armbänder oder Kleidung als Anhänger von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi zu erkennen gaben. Sie protestierten gegen den umstrittenen Wahlsieg von Präsident Ahmadinedschad, dem sie Wahlbetrug vorwerfen, und riefen "Freiheit, Freiheit" sowie "Tod dem Diktator".
Nach Berichten von Oppositionsanhängern kam es dabei zu Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und der Polizei. Im Internet wurden Fotos von verletzten Protestlern veröffentlicht. Zudem kursierten Gerüchte über Verhaftungen und angebliche Übergriffe auf den ehemaligen Präsidenten, Mohammed Chatami. Die Polizei hatte die Opposition im Vorfeld scharf davor gewarnt, die Veranstaltung für Proteste gegen die Regierung zu nutzen.
Gebet an Universität
Der Al-Kuds-Tag ist im Iran ein gesetzlicher Feiertag und wird traditionell am letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan begangen. Hintergrund ist die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967.
Der Höhepunkt der traditionellen Veranstaltung war ein Gebet in der Teheraner Universität mit der anti-israelischen Rede Ahmadinedschads. Er sagte, falls die Europäer Millionen von Juden getötet haben sollten, dann sollten sie den Juden auch "in Europa, Amerika oder Kanada" Land schaffen. "Warum sollen die Palästinenser wegen eines Vorfalls leiden, an dem sie nicht beteiligt waren?", fragte Ahmadinedschad. "Es ist unsere nationale, religiöse und islamische Pflicht, dem zionistischen Regime weiterhin entgegenzutreten." Israel bedrohe die nationale Sicherheit aller Staaten im Mittleren Osten.
Ahmadinedschad nutzt den Tag für seinen alten Kurs.
(Foto: AP)
In einem Interview des Nachrichtensenders NBC hatte Ahmadinedschad zuvor den Anspruch seines Landes auf die friedlichen Nutzung der Atomenergie bekräftigt. "Wir brauchen solche Waffen nicht." Explizit ausschließen wollte er die Entwicklung solcher Waffen im Iran für alle Zeit allerdings nicht.
dpa
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