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"Sie hatten eine offene rechte Gesinnung, die sie ausgelebt haben", sagt der Verteidiger über die Angeklagten.
"Sie hatten eine offene rechte Gesinnung, die sie ausgelebt haben", sagt der Verteidiger über die Angeklagten.(Foto: dpa)

Flüchtling in Klinik geprügelt: "Alleine hätte er das nicht gemacht"

Fünf junge Männer stehen im nordrhein-westfälischen Heinsberg vor Gericht: Sie sollen mit Schlagstöcken auf einen Flüchtling eingeschlagen haben. Einer von ihnen legt ein Teilgeständnis ab - doch die Frage nach dem Warum kann er nicht beantworten.

Wann sein Schlagstock zerbrochen sei? Woher solle er das wissen, fragt einer der Angeklagten vor dem Jugendschöffengericht in Heinsberg. Vielleicht schon, als er mit voller Wucht gegen das Wartehäuschen drosch, in dem die drei Flüchtlinge saßen. Vielleicht ging er auch erst kaputt, als einer damit auf die Flüchtlinge einschlug, antwortet der 18-jährige sichtlich genervt.

Vor Gericht legt einer der Angeklagten ein Teilgeständnis ab.
Vor Gericht legt einer der Angeklagten ein Teilgeständnis ab.(Foto: dpa)

Es war der 27. Januar 2015: Drei Flüchtlinge saßen in einem Bushäuschen im Heinsberger Land bei Aachen, als die fünf mutmaßlichen Schläger kamen - ausgestattet mit Quarzhandschuhen und Teleskopstöcken, Springerstiefeln und stahlverstärkten Arbeitsschuhen, wie die Staatsanwaltschaft in der Anklage beschreibt. Normales Outfit damals, wie der 18-Jährige sagt.

Zwei Flüchtlinge konnten sich offensichtlich retten, der dritte wurde laut Anklage selbst noch ins Gesicht getreten, als er verletzt am Boden lag. Er wurde bewusstlos und kam mit einer Schädelprellung ins Krankenhaus. Vielleicht hat der Mann nur überlebt, weil eine Frau laut schreiend aus einem Getränkemarkt auf die Gruppe zulief, die dann von dem Verletzten abließ und flüchtete. "Ich wollte ja nicht ins Gefängnis", sagt der 18-Jährige vor Gericht.

In der Gruppe fühlen sie sich stark

An diesem ersten Verhandlungstag bleibt offen, wie weit die Angeklagten in der rechten Szene verankert sind: Bei dem Überfall sollen sie rechte Parolen gebrüllt und eine Hitler-Fahne geschwenkt haben. Zwei der Angeklagten sind nach eigenen Angaben im Aussteiger-Programm des Verfassungsschutzes. "Sie hatten eine offene rechte Gesinnung, die sie ausgelebt haben", meint Verteidiger Stefan Krings. Zusammen in der Gruppe habe man sich stark gefühlt. "Alleine hätte er das nicht gemacht", sagt er über seinen Mandanten.

Anwalt Gerhard Zipfel sagt am Rande des Prozesses, dass sein Mandant, der an dem Morgen ein Teilgeständnis ablegt, aus einem recht guten Elternhaus komme. Die Mutter sei nicht mehr an ihren Sohn herangekommen. Jetzt habe er aber eingesehen, dass es so mit seinem Leben nicht mehr weitergehen könne. Security-Mann möchte er mal werden, sagt er der Richterin.

Vater brachte Schläger zum Tatort

Die Eskalation hatte ein Vorspiel: Die Kumpel kennen sich seit vielen Jahren, lungerten in Wassenberg herum. Laut Anklage sind sie zunächst herüber gegangen zu dem Wartehäuschen und spuckten die drei Flüchtlinge an. Dann habe sich die Gruppe aber zurückgezogen. Mit den Flüchtigen gab es über die Distanz noch "Palaver", sagt der geständige Angeklagte. Einer aus der Gruppe sei nach dann Hause gegangen. "Die Mutter hatte angerufen. Das Mittagessen war fertig."

Einer von ihnen habe daraufhin einen anderen Kumpel über WhatsApp aufgefordert zu kommen. Der sei dann schnell zur Stelle gewesen. Der Vater hatte ihn mit dem Auto gebracht und steht dafür wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung vor Gericht. Zu Unrecht, wie der geständige Mann meint: "Wenn der Vater gewusst hätte, worum es ging, hätte er ihn bestimmt nicht gefahren."

Quelle: n-tv.de

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