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Es ist ein hartes Rennen für Peer Steinbrück - aber er kann es schaffen, sagen zwei, die schon mal Kanzler waren.
Es ist ein hartes Rennen für Peer Steinbrück - aber er kann es schaffen, sagen zwei, die schon mal Kanzler waren.(Foto: dpa)

Einigkeit bei Schmidt und Schröder: Alt-Kanzler adeln Steinbrück

Tapfer kämpft Peer Steinbrück darum, Angela Merkel zu entzaubern - und sie am 22. September im Kanzleramt abzulösen. Bei einem Gipfeltreffen der Ex-Kanzler bekommt er Tipps für den Wahlkampf-Schlussspurt: Niemals aufgeben und die Zunge zügeln.

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Nur noch wenige Tage bis zur Wahl: Kann Steinbrück noch aufholen?

Kann Steinbrück noch aufholen?

Wenige Tage vor der Bundestagswahl haben die beiden SPD-Altkanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder Kanzlerkandidat Peer Steinbrück demonstrativ den Rücken gestärkt. "Seine Stärke ist die ökonomische Urteilskraft, die fehlt Frau Merkel", sagte Schmidt der "Bild"-Zeitung" in einem gemeinsamen Interview der drei SPD-Politiker. Steinbrücks Schwäche sei hingegen, dass er zu schnell rede. "Wenn er langsamer reden würde, käme er noch besser an." Schröder betonte, im TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe der Ex-Finanzminister gezeigt, "dass er überzeugender ist als sie".

Mit Blick auf die ironisch gemeinte Mittelfinger-Geste Steinbrücks sagte Schröder: "Bei der Beurteilung würde ich all den Kritikern ein wenig mehr Humor empfehlen." Er riet der SPD, für Rot-Grün zu kämpfen: "Was in den letzten Tagen noch möglich ist, haben wir bewiesen, als wir 2002 gegen Edmund Stoiber trotz schlechter Prognosen doch noch gewonnen haben." Schröder, der von 1998 bis 2005 regierte, betonte: "Wenn man nicht aufgibt, geht immer was."

Steinbrück mahnte seine Partei, die Leistung der beiden Altkanzler stärker anzuerkennen. Es sei ein Fehler, Schröders Agenda 2010 auf Hartz IV zu reduzieren. Die SPD hätte die Agenda 2010 viel selbstbewusster als enormes Reformwerk nach außen tragen müssen. Ähnliches gelte auch für Schmidt und sein Festhalten am Nato-Doppelbeschluss zu Beginn der 80er Jahre. Ohne die Bereitschaft zur Nachrüstung wäre es nicht zur Abrüstung sämtlicher atomarer Mittelstreckenraketen in Europa gekommen, so Steinbrück.

Schmidt: Merkel verschweigt Wahrheit

Schmidt rechnet damit, dass Deutschland nach der Bundestagswahl für die Bewältigung der europäischen Schuldenkrise viel Geld zahlen muss. Kanzlerin Merkel verschweige den Deutschen, dass das Land "spätestens im Laufe des Jahres 2014" wegen der Wirtschaftskrise in Griechenland, Portugal und anderen Ländern Südeuropas von allen Seiten zur Kasse gebeten werde, kritisierte Schmidt in dem Interview. Die Kanzlerin habe das Volk darauf eingestimmt, das man nicht zahlen müsse. "Das ist eine sehr unerfreuliche Situation und viele werden das nicht gerne hören. Aber es wird sich schon in wenigen Monaten herausstellen, dass es die Wahrheit ist", betonte Schmidt.

Er kündigte zudem an, nie mehr Wahlkampf für die SPD machen zu wollen. "Ich werde nun bald 95 Jahre und hätte eigentlich längst meinen Schnabel halten sollen." Bis zur Bundestagswahl am 22. September werde er keine Auftritte mehr machen, sagte Schmidt. "2017 erst recht nicht. Das heißt: Das war heute der letzte Wahlkampftermin meines Lebens."

Quelle: n-tv.de

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