Politik
(Foto: REUTERS)

Flüchtlinge in Kälte und Matsch : An Mazedoniens Grenze fehlt es an allem

Stundenlang stehen die Menschen an der griechisch-mazedonischen Grenze an, um an etwas Dosenessen und H-Milch zu kommen. Doch für alle reicht es nicht. Auch die Zelte gehen langsam zur Neige. Unter den Flüchtlingen wächst die Verzweiflung.

Durchgefroren drängeln sich die Menschen vor dem Lieferwagen, recken verzweifelt die Hände hoch, um etwas von den Lebensmitteln abzubekommen, die Helfer von der Ladefläche werfen. Binnen weniger Minuten ist nichts mehr übrig von der Ladung - Dosenessen und H-Milch. "Es gibt nicht genug Essen, wir sind verzweifelt", klagt Farah aus dem Irak, die wie etwa 7000 andere Flüchtlinge an der griechischen Grenze zu Mazedonien gestrandet ist.

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Die 32-Jährige aus Bagdad weiß nicht mehr weiter: "Seit sechs Tagen warten wir hier." Im Laufe des Tages hat sich die Lage für die Flüchtlinge, darunter viele Kinder, noch einmal verschärft, denn in der Nacht hat es stark geregnet. In den durchnässten Zelten auf den matschigen Feldern in der Nähe des Grenzübergangs Idomeni kann man Kinder in der feuchten Kälte husten hören.

Die Syrerin Sineb Hosseini erzählt, sie und ihre Kinder seien völlig durchgefroren. "Und jetzt müssen wir wieder warten." Fajes, ein 27-jähriger Computerfachmann aus Syrien, stimmt ihr zu: "Wir müssen über drei Stunden anstehen, für nicht genug Essen für alle." Seit vier Tagen sei er an der Grenze. "Wir wollen nach Schweden, aber nun geht uns das Geld aus."

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die eines der beiden Zeltlager an der Grenze zu Mazedonien mitorganisiert, warnt nicht nur vor der Ausbreitung von Erkältungen und Magen-Darm-Viren. Auch Zelte und Nahrungsmittel gehen nach ihren Angaben zur Neige. "Die Lage ist ziemlich chaotisch. Die Leute kommen in Taxis, zu Fuß, auf welche Art auch immer", berichtet Vicky Markolefa von der Organisation.

Demnächst bis zu 70.000 Gestrandete

Seitdem mehrere Balkanländer und Österreich ihre Grenzen für die Flüchtlinge weitgehend dicht gemacht haben, drängen sich die Menschen auf der griechischen Seite. Athen hat bereits gewarnt, dass demnächst bis zu 70.000 Flüchtlinge in Griechenland festsitzen könnten. Derzeit sind es etwa 25.000 im ganzen Land und täglich kommen 1000 neu hinzu, wie Regierungssprecherin Olga Gerovassili sagte.

Wütende Flüchtlinge hatten am Montag bereits versucht, den Grenzzaun zu Mazedonien niederzureißen. Doch die Polizei feuerte am Montag mit Tränengas auf die Männer, Frauen und Kinder, und drängte sie zurück. Die Flüchtlinge sind geschockt.

"Wir sind Syrer und Iraker, wir sind vor dem Krieg geflohen, nur um uns in einem anderen Krieg wiederzufinden", sagt Jusef Karajakes an der schlammigen Grenze. Er ist aus dem umkämpften Aleppo in Nordsyrien geflohen, wo seine Frau und seine Tochter im Bombenhagel getötet wurden. Der 30-jährige Apotheker ist am Ende, in Erinnerung an seine getötete Familie schnürt es ihm die Kehle zu: "Sie haben uns gesagt, kommt, kommt, kommt hierher, kommt hierher, und nun sind wir gekommen und finden wieder einen Krieg vor."

Quelle: n-tv.de

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