Politik
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Freitag, 26. August 2016

Nach Anschlag im Südosten: Ankara erklärt den "Totalen Krieg"

Der türkische Ministerpräsident sieht seine Nation im "Totalen Krieg". Das klingt nach Goebbels und Hitler-Deutschland. Ist aber nicht so gemeint – obwohl Nazi-Vergleiche in der Türkei alles andere als tabu sind.

In der türkischen Politik gibt es einen gewissen Hang zum sprachlich Brachialen. Das gilt offensichtlich auch für den Ministerpräsidenten des Landes. Binali Yildirim erklärte jetzt den "Totalen Krieg".

Auch die Opposition bedient sich gern Nazi-Vergleichen.
Auch die Opposition bedient sich gern Nazi-Vergleichen.(Foto: REUTERS)

Anlass ist der Terroranschlag in Cizre im Südosten der Türkei, bei dem mindestens elf Polizisten starben. Ankara macht dafür die verbotene kurdische Arbeiterpartei (PKK) verantwortlich.

"Keine Terrorgruppe kann die Türkei zu ihrer Geisel machen", sagte Yildirim nach Angaben von Hurriyet Daily News. "Lasst unsere Nation wissen, dass wir den Terrorgruppen den totalen Krieg erklärt haben."

Yildirim nimmt mit der Äußerung keinen Bezug zum Propagandaminister der Nazis, Joseph Goebbels ("Wollt ihr den totalen Krieg?"). Er verweist vielmehr auf Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk. Der sprach zwar nicht vom "Totalen Krieg", aber er ist bekannt für seinen Ausruf: "Entweder Unabhängigkeit oder Tod."

Es ist aber auch nicht so, dass türkische Spitzenpolitiker Nazi-Vergleiche grundsätzlich scheuten. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan persönlich schlug erst Anfang des Jahres derartige Töne an. Erdogan warb gerade wieder einmal für die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei. Zentralstaat und Präsidialsystem schlössen sich nicht aus, sagte er und fügte Medienberichten zufolge hinzu: "Es gibt aktuell Beispiele in der Welt und auch Beispiele in der Vergangenheit. Wenn Sie an Hitler-Deutschland denken, haben Sie eines. In anderen Staaten werden Sie ähnliche Beispiele finden."

Nazi-Vergleiche sind in der Türkei auch keineswegs eine Eigenheit der regierenden AKP und ihres Gründers Erdogan. Auch die türkische Opposition nutzt sie. Beliebtes Motiv bei Protesten: Präsident Erdogan mit einem markanten Hitler-Bärtchen.

Quelle: n-tv.de

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