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Rimsha Masih nach ihrer Entlassung am 8. September in einem pakistanischen Militärhubschrauber.
Rimsha Masih nach ihrer Entlassung am 8. September in einem pakistanischen Militärhubschrauber.(Foto: picture alliance / dpa)

Imam soll Beweise gefälscht haben: Anklage gegen Rimsha vom Tisch

Der Fall sorgte weltweit für Entsetzen: Vor drei Monaten wird ein geistig zurückgebliebenes Mädchen in Pakistan wegen Gotteslästerung ins Gefängnis gesperrt. Nun stellt ein Gericht das Verfahren ein - weil die fadenscheinigen Vorwürfe haltlos sind. Ermittelt wird stattdessen gegen den Imam, der sie vor Gericht zerren wollte.

Die pakistanische Justiz hat die Anklage der jungen Christin Rimsha Masih wegen Gotteslästerung fallengelassen. Eine Verhandlung gegen das Mädchen wäre ein "Missbrauch des juristischen Prozesses" gewesen, erklärte der zuständige Richter Iqbal Hameed ur Rahman am Hohen Gericht der Hauptstadt Islamabad. Ermittelt wird dagegen weiterhin gegen einen Imam wegen des Verdachts, Beweise gegen Rimsha gefälscht zu haben.

Rimshas Anwalt Akmal Bhatti sagte, die Verteidigung habe das Gericht darauf hingewiesen, dass es keinen Zeugen gebe, der sie beim Verbrennen von Koranversen gesehen habe. Zudem habe sie geltend gemacht, dass das Mädchen noch jung sei und nicht lesen könne. Der für den Dialog mit den religiösen Minderheiten zuständige Minister Paul Bhatti sagte, die Entscheidung der Justiz werde "ein positives Bild Pakistans an das Ausland senden".

Rimsha war Mitte August unter dem Vorwurf festgenommen worden, Seiten aus dem Koran verbrannt zu haben. Darauf steht nach dem umstrittenen Blasphemiegesetz bis zu lebenslange Haft. Bis zu ihrer Freilassung gegen Kaution Anfang September saß sie in einem Gefängnis für Erwachsene. Seit ihrer Entlassung wohnt Rimsha mit ihrer Familie an einem geheimen Ort unter dem Schutz der Polizei. Einer ihrer Anwälte sagte jedoch, sie lebe "immer noch in Angst".

Imam soll Rimsha Koranseiten untergeschoben haben

Weiterhin laufen Ermittlungen gegen einen Imam der Moschee nahe Rimshas Haus, der den von ihr verbrannten Papieren Seiten aus dem Koran hinzugefügt haben soll. Er soll damit Stimmung gegen Christen in dem Viertel haben machen wollen. Im August sagte er, er habe gedacht, dass Rimsha als Teil einer christlichen "Verschwörung" die Seiten verbrannt habe. Er wurde Anfang September in Gewahrsam genommen und im Oktober auf Kaution freigelassen.

Richter Rahman warnte Muslime, mit Anschuldigungen der Blasphemie "außerordentlich vorsichtig" zu sein. Der Rat Pakistanischer Geistlicher forderte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls und eine Bestrafung des Imams wegen der mutmaßlichen Falschbeschuldigung. Die Staatsanwaltschaft dagegen kündigte an, beim Obersten Gerichtshof Berufung gegen die Entscheidung des Richters einzulegen.

Mohammed-Beleidigung kann mit Tod bestraft werden

Neben den Vorwürfen sind auch das Alter Rimshas und ihr geistiger Zustand umstritten. Laut einem medizinischen Gutachten soll das Mädchen aus einem ärmlichen Vorort Islamabads 14 Jahre alt sein und einen niedrigen Intelligenzquotienten haben. Einigen Berichten zufolge soll Rimsha aber erst 11 Jahre alt sein und am Downsyndrom leiden.

In Pakistan steht auf Gotteslästerung lebenslange Haft, die Beleidigung des Propheten Mohammed kann sogar mit dem Tod bestraft werden. Auch unbewiesene Vorwürfe führen häufig zu Ausschreitungen. Dass die Affäre zu einer Reform des Blasphemiegesetzes führen könnte, gilt jedoch als unwahrscheinlich. 2011 wurden die pakistanischen Politiker Salman Taseer und Shahbaz Bhatti ermordet, nachdem sie eine Reform gefordert hatten.

Internationales Aufsehen erregte der Fall der Christin und fünffachen Mutter Asia Bibi, die im November 2010 wegen angeblich abfälliger Kommentare über den Propheten Mohammed zum Tode verurteilt wurde. Sie wartet derzeit auf einen Berufungsprozess.

Quelle: n-tv.de

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