Politik
Eine Waffenruhe wird immer unwahrscheinlicher.
Eine Waffenruhe wird immer unwahrscheinlicher.(Foto: dpa)

Mindestens zehn Verletzte: Anschlag auf Bus in Tel Aviv

Bei einem Terroranschlag auf einen Bus in Tel Aviv werden mehrere Menschen verletzt, drei von ihnen schwer. Noch ist unklar, wer hinter der Tat steckt. Bei der Nachricht von der Explosion bricht in Gaza Jubel aus. US-Außenministerin Clinton und UN-Generalsekretär Ban setzen indes ihre Vermittlungsbemühungen fort.

Bei einem Bombenanschlag auf einen Autobus in Tel Aviv sind nach Medienberichten mindestens zehn Menschen verletzt worden. Drei Menschen erlitten den Berichten zufolge schwere Verletzungen. Sanitäter kümmerten sich vor Ort um Verletzte, Krankenwagen brachten Opfer ins Krankenhaus. Der Anschlag ereignete sich auf dem Schaul-Hamelech-Boulevard im Zentrum Tel Avivs. In der Nähe befindet sich das Verteidigungsministerium.

Bilderserie

Der Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Ofir Gendelman, teilte über Twitter mit: "Eine Bombe ist in einem Bus im Zentrum von Tel Aviv explodiert. Das war ein terroristischer Angriff. Die meisten Opfer erlitten nur leichte Verletzungen."

Aus Gaza berichteten Journalisten, dort habe es nach der Nachricht über die Explosion Jubelkundgebungen gegeben. Israel hatte vor einer Woche seine Militäroffensive gegen Ziele im Gazastreifen begonnen, um damit den Raketenbeschuss von palästinensischer Seite zu stoppen. Auch der Großraum Tel Aviv war beschossen worden. Bei dem Konflikt wurden bislang fünf Israelis und mehr als 140 Palästinenser getötet. Unter der Vermittlung Ägyptens wurde in Kairo über eine Waffenruhe verhandelt, zunächst aber noch keine Einigung erzielt.

US-Außenministerin Hillary Clinton und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon setzten unterdessen ihre Vermittlungsbemühungen in der Region fort. Clinton traf im Rahmen ihrer Bemühungen um ein Ende der Gewalt Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Von Jerusalem aus reiste sie nach Ramallah im Westjordanland, wo sie von Abbas empfangen wurde. Vor dem Präsidentensitz demonstrierten etwa 50 Menschen gegen den Besuch. Starke Polizeikräfte riegelten das Gelände ab.

Die Explosion fand in der Nähe des Verteidigungsministeriums statt.
Die Explosion fand in der Nähe des Verteidigungsministeriums statt.(Foto: REUTERS)

Abbas fordert ein sofortiges Ende der israelischen Angriffe im Gazastreifen. Ein Sprecher der israelischen Regierung wollte Berichte nicht kommentieren, Clinton werde sich danach erneut mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu treffen. Später wurde Clinton zu Gesprächen in Kairo mit Ägyptens Präsident Mohammed Mursi erwartet.

Kritik an Westerwelle

Neben Clinton bemühten sich am Dienstag auch Außenminister Guido Westerwelle und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Nahost um Deeskalation. Zu Westerwelles Haltung sagte der palästinensische Gesandte, diese sei in dem Konflikt nicht hilfreich. Wenn Deutschland eine Rolle bei der Vermittlung spielen wolle, müsse es eine "ausgeglichene Position einnehmen". Es würden nur die Angriffe aus dem Gazastreifen auf Israel kritisiert, nicht aber die von Israel auf das Palästinensergebiet, sagte Shafi. "Natürlich hat Israel das Recht auf Selbstverteidigung - genau, wie jedes andere Land", sagte er. Die Palästinenser hätten dieses Recht aber auch.

Westerwelle hatte nach seinen Gesprächen mit Israels Präsident Schimon Peres, Regierungschef Benjamin Netanjahu und Abbas die Solidarität mit Israel bekräftigt. In der ARD forderte Westerwelle auch, dass Gaza "eine Perspektive bekommt". Zugleich müsse der Waffenschmuggel an die Hamas unterbunden werden. Gespräche mit der radikalen Organisation lehnte Westerwelle ab: Solange die Hamas das Existenzrecht Israels in Frage stelle, "stellt sich diese Frage aus europäischer Sicht ja nicht".

Angriffe und Explosionen

Zuvor hatten beide Seiten ihre Angriffe verstärkt. Die israelische Armee bestätigte weit mehr als 20 Einsätze in den letzten Stunden des Tages. Unter anderem sei eine Einsatzzentrale der Hamas in einem Mediengebäude angegriffen worden, hieß es. Außerdem hätten Kampfflugzeuge am Dienstagabend Raketenabschussanlagen, Waffenlager und -fabriken sowie Schmugglertunnel bombardiert.

Der US-Sender CNN berichtete von einer Serie von Explosionen an einem Regierungsgebäude in Gaza-Stadt. Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan meldete den Beschuss einer Polizeistation in Chan Junis im Süden des Palästinensergebiets.

Laut dem israelischen Nachrichtenportal Ynet schlugen am späten Abend erneut Raketen aus dem Gazastreifen auf israelischem Gebiet ein. Meldungen über Schäden oder Verletzte gab es nicht. Wie die Armee mitteilte, wurden zwei weitere Geschosse, die auf dicht besiedeltes Gebiet abgefeuert worden seien, in der Nacht abgefangen und zerstört.

Die israelische Armee forderte Journalisten im Gazastreifen auf, sich von Vertretern der Hamas oder deren Einrichtungen fernzuhalten. "Hamas, eine Terrorgruppe, wird sie als menschliche Schutzschilde benutzen", heißt es in einer über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreiteten Warnung. Die Kassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, wies die Anschuldigungen ebenfalls über Twitter zurück: "Wir haben nur israelische Soldaten, Kampfflugzeuge, Panzer und Stützpunkte im Visier."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen