Politik

Viele Tote und Verletzte in KabulAnschlag vor indischer Botschaft

08.10.2009, 09:18 Uhr

Bei einem Selbstmordanschlag vor der indischen Botschaft in Kabul werden mindestens 17 Menschen getötet. Zudem sind mehr als 60 Menschen verletzt. Die meisten Opfer sind afghanische Zivilisten.

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Sicherheitskräfte am Ort des Anschlags. (Foto: dpa)

Bei einem Selbstmordanschlag vor der indischen Botschaft in Kabul sind mindestens 17 Menschen getötet worden. Wie das afghanische Innenministerium mitteilte, wurden zudem mehr als 60 Menschen verletzt. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu der Tat. Das Attentat ist bereits das zweite auf die indische Botschaft in Kabul und wurde in Afghanistan und international scharf verurteilt.

Wie ein Ministeriumssprecher sagte, sind unter den Toten 15 Zivilisten und zwei Polizisten. Der Attentäter zündete seine Bombe an einer Straßenecke unweit der indischen Botschaft im stark gesicherten Botschafts- und Regierungsviertel nahe des Innenministeriums. Die gewaltige Explosion riss einen tiefen Krater in die Straße, eine schwarze Rauchwolke stieg auf. Am Anschlagsort waren Leichenteile, Trümmer und zerstörte Autos zu sehen, in den umliegenden Geschäften gingen Schaufenster zu Bruch.

Keine Inder getötet

Nach Angaben des indischen Außenministeriums wurden keine Inder getötet. Unter den Verletzten seien jedoch drei indische Sicherheitskräfte. Nach Angaben eines indischen Diplomaten wurden vor allem Passanten getötet. Der Anschlag ereignete sich eine Stunde vor Öffnung der Visa-Abteilung. Die Botschaft soll nun zwei Wochen für Reparaturarbeiten geschlossen werden.

In dem Bekennerschreiben, das die Taliban auf ihrer Internetseite veröffentlichten, hieß es, Ziel sei die indische Botschaft gewesen. Die Rebellen identifizierten den Attentäter als "Khalid", der aus dem Bezirk Paghman nahe Kabul stammen soll. Präsident Hamid Karsai verurteilte den Anschlag als "Angriff auf wehrlose afghanische Zivilisten", die Verantwortlichen seien "barbarisch".

Weltweite Verurteilung

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Der Anschlag sollte die indische Botschaft treffen. Die meisten Opfer sind aber afghanische Zivilisten. (Foto: AP)

Auch die NATO und die EU verurteilten das Attentat scharf. Es sei ein "neues Beispiel der Geringschätzung der Taliban gegenüber dem Leben der Afghanen", erklärte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Ian Kelly, erklärte, nichts könne diese "unsinnige Gewalt" rechtfertigen. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem "sinnlosen Angriff". Kanadas Außenminister Lawrence Cannon erklärte, das Attentat beweise die Absicht der Taliban, die Bestrebungen der Afghanen nach einer sicheren und friedlichen Gesellschaft zu behindern.

Keine indischen Soldaten in Afghanistan

Bereits im Juli 2008 waren bei einem Anschlag auf die indische Botschaft 60 Menschen ums Leben gekommen. Danach waren dort die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. Indien hat keine Truppen in Afghanistan, engagiert sich aber massiv beim zivilen Wiederaufbau.

Das Engagement sorgt beim indischen Erzrivalen Pakistan für Unmut. Für den Anschlag auf die indische Botschaft im vergangenen Jahr hatte Indien den pakistanischen Geheimdienst ISI mitverantwortlich gemacht. Pakistan hatte das zurückgewiesen.

Bis kurz vor der Präsidentschaftswahl in Afghanistan am 20. August war es den Sicherheitskräften in Kabul ein halbes Jahr lang gelungen, alle größeren Anschläge zu verhindern. In den vergangenen zwei Monaten kam es aber wieder zu mehreren verheerenden Selbstmordanschlägen in der afghanischen Hauptstadt.

Quelle: dpa/rts