21 Tote, 120 VerletzteAnschlagsserie im Irak
Erstmals seit dem Abzug der US-Truppen aus irakischen Städten kommen am Mittwoch die politischen Führungen beider Staaten zu Gesprächen in Washington zusammen. Überschattet werden die Treffen von neun verheerenden Attentaten.
Bei einer ganzen Serie von Sprengstoffanschlägen sind im Irak mindestens 21 Menschen getötet und rund 120 verletzt worden. Allein in der Hauptstadt Bagdad kamen 15 Menschen durch mehrere Bombenattentate ums Leben, wie die Regierung und die Sicherheitskräfte mitteilten. Unter den Toten sind mindestens drei Kinder.
Bei zwei Bombenanschlägen im hauptsächlich von Schiiten bewohnten Stadtteil Sadr City von Bagdad wurden insgesamt acht Menschen getötet, mindestens 65 wurden verletzt, wie die Ministerien für Verteidigung und Inneres sowie die Sicherheitskräfte mitteilten. Einer der Sprengsätze detonierte demnach um 11.30 Uhr (Ortszeit) auf dem Guajara-Markt und riss vier Menschen in den Tod, darunter eine Achtjährige und ein einjähriges Kleinkind. Wie die Sicherheitskräfte mitteilten, wurden zwei weitere Sprengsätze rechtzeitig entschärft. Zuvor war in derselben Gegend von Sadr City bereits eine Bombe hochgegangen, durch die vier Tagelöhner umkamen. Sie hatten am Anschlagsort auf Arbeit gewartet.
Bei einem Bombenanschlag auf einen Markt im Husseinija-Viertel im Norden Bagdads wurden nach Angaben von Sicherheitskräften am Abend mindestens fünf Menschen getötet, 21 wurden verletzt. In ebenfalls in Nord-Bagdad gelegenen Bab el Muasam wurden zwölf Angehörige ein und derselben Familie durch einen Sprengsatz verletzt, wie die Ministerien für Verteidigung und Inneres mitteilten. Die Familie sei auf dem Rückweg vom örtlichen Leichenschauhaus gewesen, wo sie den Leichnam eines kürzlich bei einem Attentat getöteten Verwandten abgeholt hätten. In Dora im Süden Bagdads starben derweil zwei Menschen bei der Explosion einer Autobombe, sechs Menschen wurden verletzt.
Ebenfalls in Bagdad ging im Innenstadtviertel Karrada eine Bombe hoch, als der Konvoi des Ministers für Wasserkraft, Abdel Latif Dschamal Raschid, vorbeifuhr, wie aus Ministeriumskreisen verlautete. Der an einer Brücke versteckte Sprengstoff verletzte sechs Passanten.
In Ramadi, 110 Kilometer westlich von Bagdad, kamen drei Menschen bei einem Doppelanschlag mit Autobomben ums Leben, wie die Polizei mitteilte. Zehn Menschen wurden demnach verletzt. In Tadschi nördlich der Hauptstadt wurde ein Geschäftsmann getötet, als eine unter seinem Auto befestigte Bombe detonierte. Ebenfalls nördlich von Bagdad auf der Straße nach Baakuba detonierte ein Sprengsatz, als gerade eine Frau mit ihrem Kind einen Gemüsekarren vorbeischob. Beide starben.
Ende Juni hatten sich die US-Streitkräfte aus den Städten des Irak zurückgezogen, einer der Schritte hin zum bis Ende 2011 geplanten vollständigen Abzug der US-Armee aus dem Zweistromland. In Zusammenhang mit dem US-Rückzug aus den Städten hat sich die Zahl der Anschläge im Irak wieder deutlich erhöht.
Maliki bei Obama
Erstmals seit dem Abzug kommen die politischen Führungen der USA und Iraks zu Gesprächen zusammen. Bei einem Treffen am Mittwoch im Weißen Haus wollen US-Präsident Barack Obama und der irakische Ministerpräsident Nuri el Maliki über die künftigen Beziehungen sprechen.
Die USA wollen insbesondere die Sicherheitslage im Irak und den Stand bei der politischen Aussöhnung der Volks- und Religionsgruppen erörtern. Die irakische Seite legt besonderen Wert auf den Ausbau der Handelsbeziehungen und auf Wirtschaftshilfe zur Modernisierung des Ölsektors. Derzeit sind noch etwa 130.000 US-Soldaten im Irak stationiert.