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Die Krise zwischen der Ukraine und Russland hält an, das zeigt der frische Raketenkrater auf ukrainischem Gebiet.
Die Krise zwischen der Ukraine und Russland hält an, das zeigt der frische Raketenkrater auf ukrainischem Gebiet.(Foto: dpa)

Auftragsmord in der Ukraine?: Anwalt eines russischen Soldaten getötet

Auf einem verlassenem Bauernhof in der Ukraine wird die Leiche eines Rechtsanwalts entdeckt, der in einem brisanten Fall tätig war. Der Fall könnte die Beziehungen zwischen Kiew und Moskau weiter belasten.

In der Ukraine ist ein Rechtsanwalt tot aufgefunden worden, der in einem politisch brisanten Gerichtsverfahren einen von zwei angeklagten russischen Soldaten verteidigte. Die Leiche von Juri Grabowski sei auf einem verlassenen Bauernhof 125 Kilometer südlich der Hauptstadt Kiew gefunden worden, sagte der ukrainische Militärstaatsanwalt Anatoli Matjos vor Journalisten.

Nadeshda Sawtschenko soll 22 Jahre in Haft.
Nadeshda Sawtschenko soll 22 Jahre in Haft.(Foto: dpa)

Der 43-jährige Anwalt sei "brutal ermordet" worden, sagte Matjos. Die Leiche sei vergraben gewesen und am frühen Freitagmorgen nahe der Stadt Dschaschkiw gefunden worden. Grabowski war der Verteidiger des russischen Unteroffiziers Alexander Alexandrow, der zusammen mit dem Hauptmann Jewgeni Jerofejew Ukrainein Kiew vor Gericht steht. Die beiden Soldaten waren im Mai 2015 in der ostukrainischen Region Luhansk gefangen genommen worden.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko strebt an, die Soldaten gegen die am Dienstag in Russland schuldig gesprochene ukrainische Kampfpilotin Nadja Sawtschenko auszutauschen. Sawtschenko war wegen des Todes zweier russischer Journalisten in der Ostukraine zu 22 Jahren Haft durch ein russisches Gericht verurteilt worden. Die 34-Jährige soll im Sommer 2014 der ukrainischen Armee den Aufenthaltsort der beiden Journalisten verraten haben, woraufhin diese durch Granatbeschuss getötet wurden.

Kiew verhängte in dem Fall Sanktionen gegen Beteiligte des Mordprozesses. Das teilte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko mit. Die Sanktionsliste des Sicherheitsrats soll sich auch auf Personen erstrecken, die an der Verurteilung anderer in Russland gefangener Ukrainer beteiligt sind, etwa den inhaftierten Regisseur Oleg Senzow. Wer auf der Liste steht und welche Maßnahmen ergriffen werden, teilte Poroschenko zunächst nicht mit.

Konflikt verschärft sich

Noch am Dienstag hatte Poroschenko mitgeteilt, dass der Prozess gegen die Russen in der letzten Phase sei - unklar blieb jedoch bisher, ob sich der Prozess durch den Tod des Anwalts nun verzögern würde. Das Verfahren hatte den Konflikt zwischen Moskau und Kiew weiter verschärft.

Die Ukraine wirft den beiden Russen vor, als Soldaten des russischen Militärgeheimdienstes an der Seite der prorussischen Separatisten gegen die ukrainische Armee gekämpft zu haben. Moskau bestreitet dies und sagt, die Soldaten hätten nicht mehr der Armee angehört, als sie aus freien Stücken die Grenze zur Ukraine überquert hätten. Die Soldaten selbst sagten nach ihrer Gefangennahme, sie seien im Auftrag des russischen Militärgeheimdienstes in die Ukraine geschickt worden.

Ein Verdächtiger gesteht

Der Anwalt Grabowski war seit mehreren Wochen verschwunden, bevor seine Leiche gefunden wurde. Laut dem Militärstaatsanwalt Matjos wurden zwei Verdächtige festgenommen. Einer von ihnen habe die Tat gestanden und Hinweise auf den Fundort der Leiche gegeben. Bei den Verdächtigen handle es sich um ukrainische Bürger, von denen einer einen gefälschten Geheimdienstausweis habe. Die Verdächtigen hätten für die Tat "viel Geld" bekommen.

Das russische Außenministerium erklärte am Freitag, Grabowskis Tod sei eine Folge der "russlandfeindlichen Hysterie", die von der ukrainischen Führung geschürt werde. Diese habe nicht ausreichend für die Sicherheit des Anwalts gesorgt.

Quelle: n-tv.de

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