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Politik

Dienstag, 25. Mai 2010

"Krieg" in Kingston: Armee belagert Stadtviertel

Der Häuserkampf in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston fordert viele Tote. Anhänger eines Drogenbarons verteidigen das von ihnen besetzte Viertel mit aller Kraft. Die Armee und die Polizei belagern das Gebiet. Der Vize-Polizeichef spricht von "Krieg".
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(Foto: Reuters)

Beim Versuch, das von Kriminellen abgeriegelte Stadtviertels Tivoli Gardens in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston zu stürmen, ist ein Soldat getötet worden. Nach Angaben von Rettungskräften wurden seit Beginn der Zusammenstöße mindestens 60 Menschen getötet. Die Polizei hatte zuvor von 27 Toten gesprochen. Mehr als 200 Verdächtige wurden festgenommen, darunter auch mehrere mutmaßliche Bandenmitglieder.

Starke Armee- und Polizeieinheiten versuchen noch immer, das Stadtviertel, in dem sich der mutmaßliche Gangsterboss Christopher "Dudus" Coke verschanzt hat, unter ihre Kontrolle zu bekommen Während des Einsatzes erschütterten Explosionen das Wohngebiet, Rauchwolken standen über den Dächern. Auch in der Nähe eines Krankenhauses, in das Verletzte der Auseinandersetzungen gebracht worden waren, wurde gekämpft. Die Polizeieinheiten traten in Kampfmontur auf, über der Stadt kreisten Hubschrauber.

"Krieg gegen die Banden"

Jamaikanische Polizisten in Kampfanzügen.

Jamaikanische Polizisten in Kampfanzügen.
(Foto: Reuters)

Vize-Polizeichef Glenmore Hinds sprach bereits von einem "Krieg" gegen die Banden. Die Polizei forderte die Einwohner der Hauptstadt auf, in ihren Häusern zu bleiben. Die US-Botschaft stellte bis auf weiteres alle nicht zwingend erforderlichen Dienste ein. Ausnahmezustand verhängt

Cokes Anhänger versperrten die Zufahrten zu Tivoli Gardens unweit des Stadtzentrums mit Barrikaden und verschanzten sich auch auf den Dächern der Häuser des Viertels, von wo aus sie die angreifenden Sicherheitskräfte beschossen.

Ausnahmezustand verhängt

Belagerte errichteten Barrikaden auf den Straßen.

Belagerte errichteten Barrikaden auf den Straßen.
(Foto: REUTERS)

Premierminister Bruce Golding sagte den Banden den Kampf an und verhängte in der Hauptstadt einen für einen Monat geltenden Ausnahmezustand. Inzwischen griffen die Unruhen auch auf die zur Metropolenregion zählenden Stadt Spanish Town über, wo am Morgen die Polizeiwache beschossen wurde. Auch aus anderen Stadtteilen wurden Schießereien gemeldet.

Die USA wollen Coke den Prozess machen und fordern seine Auslieferung. Das US-Justizministerium bezeichnete ihn als einen der "weltweit gefährlichsten" Drogenbarone. Coke soll seit 1990 einen international agierenden Drogenring namens The Shower Posse anführen, der laut US-Ermittlern Marihuana und Crack vor allem in den Großraum New York liefert. Im August wurde Coke in den USA formell angeklagt. Im Falle einer Auslieferung und Verurteilung  droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

dpa/AFP

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