Donnerstag, 07. Mai 2009
Pakistan am Abgrund: Armee greift Taliban an
Nach dem Gipfel zwischen den USA, Afghanistan und Pakistan hat die Armee im nordpakistanischen Swat-Tal ein Ausbildungslager der Taliban und des Terrornetzes El Kaida bombardiert. Ein Geheimdienstmitarbeiter, der anonym bleiben wollte, sagte, Kampfflugzeuge und Hubschrauber hätten das Peuchar-Camp angegriffen. Zuvor habe ein Taliban-Kommandeur namens Ibn Aqeel mit rund 25 Kämpfern von Peuchar aus eine Polizeistation angegriffen. Der Angriff sei zurückgeschlagen worden. Mindestens sieben Aufständische, darunter Ibn Aqeel, seien dabei getötet worden.
Auch in anderen Teilen Swats verschärfte die Armee ihre Operationen gegen die Taliban. Kampfflugzeuge hätten Bombenangriffe auf Stellungen der Taliban geflogen, hieß es aus den Streitkräften. Anschließend hätten Hubschrauber die Aufständischen mit Raketen beschossen. Bodentruppen rückten gegen die Stellungen der Taliban in den Bergen vor. Angaben zur Zahl der Toten lägen nicht vor, es seien aber zahlreiche Aufständische getötet worden. US-Präsident Barack Obama hatte Pakistan und Afghanistan am Mittwoch bei dem Gipfel in Washington Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zugesagt.
Es droht die Scharia
Der Nachrichtensender Dawn meldete, die Regierung werde demnächst die Aufkündigung des Friedensvertrages mit den Taliban im Norden Pakistans verkünden. Dem Abkommen zufolge sollte in der Region Malakand - zu der sowohl Swat als auch die umliegenden Distrikte gehören - das islamische Rechtssystem, die Scharia, eingeführt werden. Im Gegenzug sollten die Taliban ihre Gewalt in der Region einstellen. Der radikale Geistliche Sufi Mohammad hatte den Vertrag vermittelt. Der Nachrichtensender Geo TV berichtete, in Swats Nachbardistrikt Dir sei bei einem Gefecht ein Sohn Mohammads getötet worden. Bei den Gefechten im Norden Pakistans wurden seit dem 26. April nach Armeeangaben mehr als 350 Extremisten getötet.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) warnte, die humanitäre Krise im nordpakistanischen Kampfgebiet verschlimmere sich. "Wir können die am schwersten von den Gefechten betroffenen Gegenden wegen der unbeständigen Lage nicht mehr erreichen", sagte der Chef der IKRK-Operationen in der Nordwest-Grenzprovinz, Benno Kocher. Das IKRK rief die Konfliktparteien dazu auf, sich an die Menschenrechte zu halten und zivile Opfer zu vermeiden. Am Vormittag hoben die Behörden die Ausgangssperre in Swats wichtigster Stadt Mingora für fünf Stunden auf.
Zahlreiche Menschen versuchten, während der Unterbrechung der Ausgangssperre aus Mingora zu fliehen. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der anonym bleiben wollte, sagte, fehlende Fahrzeuge und Straßenblockaden erschwerten die Flucht. "Die Aufständischen haben die Bevölkerung davor gewarnt, aus Mingora zu fliehen, aber die Menschen versuchen ihr Glück." Viele hätten Angst, bei einem Verbleib in Mingora während des drohenden Angriffs des Militärs auf die Taliban-Hochburg ins Kreuzfeuer zu geraten.
Bundeswehr setzt Taliban-Führer fest
Deutsche Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) haben unterdessen in Afghanistan einen mutmaßlichen Drahtzieher mehrerer Anschläge gefasst. Abdul Razeq sei in unwegsamem gebirgigen Gelände rund 60 Kilometer vom nordafghanischen Faisabad entfernt von deutschen ISAF-Spezialkräften und afghanischen Sicherheitskräften gestellt und festgenommen worden, teilte das Bundesverteidigungsministerium mit. Bei dem Einsatz sei ein deutscher Soldat verletzt worden. Er werde im Regionalen Wiederaufbauteam (PRT) Faisabad behandelt, sein Zustand sei stabil.
Der Verdächtige ist laut Ministerium verantwortlich für einen Anschlag auf eine deutsche Patrouille am 26. Juni vergangenen Jahres, für Anschlagsplanungen mit Sprengfallen gegen die NATO-Truppe ISAF im Juli 2008 sowie für einen Anschlag auf den Konvoi des Provinzgouverneurs von Badakschan im November 2008. Razeq solle unverzüglich der Staatsanwaltschaft des afghanischen Inlandsgeheimdienstes in Kabul überstellt werden, teilte das Ministerium weiter mit.
dpa / rts
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