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Eins der 50 zerstörten Krankenhäuser in Nordsyrien.
Eins der 50 zerstörten Krankenhäuser in Nordsyrien.(Foto: dpa)

Angriffe in Syrien: Assad-Regime soll Hospitäler zerstört haben

Die offenbar gezielten Luftangriffe auf Krankenhäuser in Nordsyrien lösten einen Sturm der Kritik an Russland aus. Nun identifizierte ein Waffenexperte eine Rakete, die bislang nur von einer Seite im Bürgerkrieg eingesetzt wurde.

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Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) sieht nach den tödlichen Luftangriffen auf Krankenhäuser in Nordsyrien Hinweise auf eine Beteiligung des Assad-Regimes. Ein HRW-Waffenexperte habe einen Blindgänger nahe einer Klinik in der Grenzstadt Azaz als ballistische Rakete identifiziert, teilte die Organisation mit.

Diese Art von Flugkörpern sei in dem Bürgerkrieg bisher nur von Regierungstruppen eingesetzt worden. Zudem sei aus früheren Berichten bekannt, dass die Kurzstreckenrakete des Typs Totschka (SS-21, Nato-Bezeichnung Scarab) in einer anderen Variante Teil des Arsenals des Regimes sei.

Insgesamt seien bei den Angriffen auf zwei Krankenhäuser und eine Schule im Grenzgebiet zur Türkei am Montag mindestens 20 Zivilisten getötet und 38 verletzt worden. Zusammen mit Angriffen in einem anderen Ort Nordsyriens waren nach UN-Angaben fast 50 Menschen ums Leben gekommen.

HRW forderte das Assad-Regime und seinen Verbündeten Russland auf, die Attacken auf Schulen und Krankenhäuser einzustellen. Ihre Militäroffensive nördlich der Großstadt Aleppo habe in den vergangenen Wochen zur Flucht von mindestens 70.000 Menschen Richtung türkischer Grenze geführt.

MSF: Mehr als hundert Krankenhäuser angegriffen

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) teilte mit, dass mit dem Angriff vom Montag 101 Krankenhäuser und Behandlungszentren seit Anfang 2015 angegriffen worden seien. "Attacken auf Zivilisten und Krankenhäuser müssen aufhören. Die Normalisierung solcher Angriffe ist unerträglich", sagte MSF-Chefin Joanne Liu. "Wir sagen klar und deutlich: Der Arzt deines Feindes ist nicht dein Feind."

In einem Bericht schreibt die Organisation, von Januar bis Dezember vergangenen Jahres seien Krankenhäuser und provisorische Behandlungszentren 94 Mal bombardiert oder beschossen worden, 23 Mitarbeiter starben. In zwölf Fällen seien die Behandlungsräume komplett zerstört worden.

Im Falle der Angriffe vom Montag waren Russland und das Assad-Regime unter anderem von den USA beschuldigt worden, daran beteiligt gewesen zu sein. Moskau hatte alle Anschuldigungen zurückgewiesen. Die syrische Führung hatte dagegen die US-geführte Militärkoalition für den verheerenden Angriff auf ein von MSF unterstütztes Krankenhaus verantwortlich gemacht.

Quelle: n-tv.de

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