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Diese Flüchtlingsfamilie sitzt im Hafen von Piräus, wohin die Menschen von den Inseln in der Ägäis gebracht werden.
Diese Flüchtlingsfamilie sitzt im Hafen von Piräus, wohin die Menschen von den Inseln in der Ägäis gebracht werden.(Foto: AP)

Absage für Besuch aus Österreich: Athen bringt weniger Migranten aufs Festland

Durch die teilweise Schließung der Balkanroute sitzen Zehntausende Flüchtlinge in Griechenland fest. Nun sollen weniger von ihnen von den Ägäisinseln auf das Festland gebracht werden. Die griechische Regierung revanchiert sich derweil bei Österreich.

Griechenland versucht, den Flüchtlingszustrom aufs Festland zu drosseln: Griechische Fähren sollen in den kommenden Tagen weniger Migranten als bisher von den Inseln der Ostägäis abholen. "Wir müssen den Zustrom wegen des Rückstaus auf dem Festland verlangsamen", sagte der für die Küstenwache zuständige griechische Minister Thodoris Dritsas dem Nachrichtensender Skai. Dazu sollen weniger Fahrkarten ausgegeben werden. Zugleich werden weniger Fähren für die Überfahrt zum Festland eingesetzt.

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Die Migranten sollten nach ihrer Registrierung "etwas länger" auf den Inseln bleiben, hieß es. Um die Inseln nicht zu überlasten, sollten die registrierten Migranten auf drei großen Fähren untergebracht werden, die in den Häfen der Inseln Lesbos, Chios und Samos angelegt haben, teilte der Minister weiter mit.

Besuch aus Österreich abgelehnt

Nachdem der nördliche Nachbar Mazedonien seine Grenze teilweise geschlossen hat, hat sich in Griechenland ein Rückstau von Tausenden Flüchtlingen gebildet. Jedoch waren mehrere Tausend Menschen auf dem Weg nach Norden - in der Hoffnung, doch noch nach Mitteleuropa reisen zu dürfen. Mazedonien lässt aber nur wenige Syrer und Iraker passieren. Die griechischen Aufnahmelager sind überfüllt. Deshalb sollen an der Grenze fünf neue Aufnahmelager gebaut werden.

Athen lehnte derweil einen Wunsch der österreichischen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner ab, Griechenland zu besuchen, um sich dort in der Flüchtlingskrise selbst ein Bild von der Lage zu machen. Das sagte ein Sprecher des griechischen Außenministeriums. Nach Darstellung des österreichischen Innenministeriums hatte Mikl-Leitner angeboten, "für ein offenes Gespräch nach Griechenland zu kommen." Es wäre darum gegangen, die bekannte österreichische Position auch direkt in Athen umfangreich zu erläutern, teilte das Ministerium mit. Falls Athen einen solchen Kontakt zu einem späteren Zeitpunkt bevorzuge, sei das "völlig legitim".

Aus Kreisen des Athener Außenministeriums hieß es, an einen Besuch Mikl-Leitners sei erst dann zu denken, wenn Österreich dafür sorge, dass alle Folgen des jüngsten Treffens der Westbalkanstaaten in Wien rückgängig gemacht würden. Das Treffen in Wien am Mittwoch hatte zur Teilschließung der Grenze Griechenlands zu Mazedonien geführt. Die österreichische Regierung hatte Griechenland am Donnerstag zudem vor einem möglichen Ausschluss aus dem Schengenraum gewarnt. "Wenn Griechenland nicht in der Lage oder bereit ist, seine Außengrenzen zu schützen, müssen andere das Heft des Handelns in die Hand nehmen", sagte Mikl-Leitner.

Am Vortag hatte Athen bereits seine Botschafterin in Österreich zu Konsultationen nach Griechenland zurückbeordert. Griechenland macht Österreich für die Schließung der mazedonischen Grenze mitverantwortlich und kritisiert, dass kein Vertreter Athens zu dem Treffen der Westbalkanstaaten nach Wien eingeladen war. Selbst der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer hatte sich am Donnerstag im österreichischen Fernsehen ORF "überrascht" darüber geäußert, dass Griechenlands zu dem Treffen nicht eingeladen war.

Schlägereien und Messerstechereien

Nach Schätzungen der Behörden stecken inzwischen rund 20.000 Menschen in Griechenland fest. Zudem warten an der Grenze zu Mazedonien bei Idomeni mehr als 4000 Migranten auf eine Gelegenheit, Richtung Norden weiterzureisen. Dort sei es in der Nacht zu Schlägereien und Messerstechereien zwischen Flüchtlingen gekommen, berichtete das Staatsradio unter Berufung auf die Kommunalbehörde. In der Hafenstadt Piräus trafen am Morgen knapp 1500 Migranten ein.

Die griechische Presse reagierte mit Zorn und Angst auf die Teilschließung der Balkanroute. "Europa, der dunkle Kontinent", titelt das linke Athener Blatt "Efimerida ton Syntakton". Das "geteilte" Europa könne sich nicht einigen. Stattdessen machten manche Staaten Griechenland für den Flüchtlingszustrom verantwortlich. Einige "verantwortungslose Europäer drohen weiterhin Griechenland mit einem Rauswurf aus der Schengen-Zone", meint das Blatt.

"Der Krieg der Grenzen", titelt das dem regierenden Linksbündnis Syriza nahestehende Blatt "I Avgi". Griechenland sei nicht bereit, ein riesiges Migrantenlager zu werden. Von entscheidender Bedeutung sei der für den 7. März geplante EU-Türkei-Gipfel. Dramatischer stellt das konservative Blatt "Eleftheros Typos" die Lage dar: "Griechenland sendet SOS - Flüchtlingstrecks werden immer größer". Die EU-Innenminister seien "zerstritten und verwirrt", während Tausende Menschen in Griechenland gestrandet seien. "Flüchtlings-Odyssee auf den griechischen Straßen", titelt das Boulevardblatt "Ethnos".

Die Blockade auf der Balkanroute machte sich auch an der österreichisch-slowenischen Grenze deutlich bemerkbar. Die in Österreich seit einer Woche geltenden Tageskontingente von höchstens 80 Asylbewerbern und 3200 weiterreisenden Flüchtlingen wurden nach Auskunft der Behörden bisher nicht erreicht. In den vergangenen sieben Tagen seien insgesamt nur rund 3000 Flüchtlinge am Grenzübergang Spielfeld angekommen, sagte ein Polizeisprecher. Serbien will derweil nur noch 500 Flüchtlinge und Migranten pro Tag über die Route nach Österreich und Deutschland reisen lassen. Man habe diese Zahl zuvor von der kroatischen und slowenischen Polizei erhalten, sagte der serbische Innenminister Nebojsa Stefanovic in Belgrad.

Quelle: n-tv.de

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