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Das Atomkraftwerk Tihange war nach Anschlägen teilevakuiert worden.
Das Atomkraftwerk Tihange war nach Anschlägen teilevakuiert worden.(Foto: dpa)

Belgische Atombehörde beunruhigt: Atomkraftwerke sind ein mögliches Ziel

Am Tag der Terroranschläge in Brüssel wird Personal aus Atomkraftwerken abgezogen. Können die Behörden noch sicher sein, dass sich unter den Mitarbeitern der Kraftwerke keine terroristischen Schläfer befinden? In Deutschland wächst die Sorge.

Nach den Anschlägen von Brüssel besteht nach Einschätzung der belgischen Atomaufsicht grundsätzlich auch eine Terrorgefahr für die heimischen Kernkraftwerke. In Belgien gelte aktuell die höchste Terrorwarnstufe 4, damit bestehe auch eine Gefahr für Atomkraftwerke, sagte ein Sprecher der Atomaufsichtsbehörde AFCN in Brüssel. Es gebe aber keine spezifischen Hinweise darauf, dass Terroristen Atomkraftwerke im Visier haben, sagte Lodewijk van Ladel. "Aber sie sind eines von möglichen Zielen terroristischer Anschläge."

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Unmittelbar nach den Explosionen am Dienstag mit mindestens 31 Toten und 270 Verletzten am Hauptstadt-Flughafen und in der U-Bahn war das Personal in den AKW auf ein Minimum reduziert worden. Van Ladel zufolge eine Maßnahme, um die Anlagen schneller evakuieren zu können, wäre dies nötig gewesen. Außerdem sollte laut Medienberichten das Risiko minimiert werden, dass gefährliche Personen auf das Gelände gelangen.

Nach Ansicht des Berliner Expertengremiums "Agora Energiewende" könnten die gefährlichen Personen aber schon längst drin sein – als terroristische Schläfer innerhalb der Belegschaft. Beweise dafür gibt es nicht. "Die Nachricht hat mich sehr überrascht. Denn ganz offenbar sind sich die Behörden nicht mehr sicher, ob sich in den Reihen der Mitarbeiter der beiden Atomkraftwerke nicht schon längst Schläfer befinden, die nur darauf warten, zuzuschlagen", sagte Gerd Rosenkranz dem "Focus". Er ist bei "Agora Energiewende" für Grundsatzfragen zuständig. Die Evakuierung der Atomkraftwerke habe gezeigt, wie dramatisch hoch die Bedrohung terroristischer Anschläge inzwischen sei. "Während terroristische Anschläge früher so vorbereitet wurden, dass die Attentäter auf jeden Fall entkommen sollten, ist die Lage bei Selbstmordattentätern heute völlig unkalkulierbar geworden", so Rosenkranz. "Das ändert alles."

Terroristen spähten Experten aus

Zwei Vorfälle sind noch immer Gegenstand von Ermittlungen in Belgien: Im Atomkraftwerk Doel 4 hatte sich 2014 unerwartet ein Meiler abgeschaltet, nachdem mehr als 60.000 Liter Öl aus noch ungeklärter Ursache ausgelaufen waren. Ob es sich tatsächlich um Sabotage handelte, ist noch immer unklar.

Außerdem hatten Ermittler bei einer Hausdurchsuchung in der belgischen Hauptstadt nach der Terrorserie in Paris im November 2015 ein verdächtiges Video gefunden. Darauf war der Direktor des Zentrums für Nuklearenergie im belgischen Mol zu sehen. Es umfasste zehn Stunden und dokumentierte den Tagesablauf des Mannes. Obwohl der Forscher nicht direkt mit einem Atomkraftwerk in Verbindung steht, hatte die Existenz dieses Videos die Sicherheitsbehörden aufgeschreckt.

Die Berichte über die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen in den Atomkraftwerken waren auch in Deutschland mit Sorge beobachtet worden: Tihange liegt nur 70 Kilometer von Aachen entfernt nahe der ostbelgischen Stadt Lüttich. Zuletzt waren dort 940 Mitarbeiter beschäftigt. Doel liegt bei Antwerpen. Dort waren zuletzt rund 880 Mitarbeiter beschäftigt.

Quelle: n-tv.de

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