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Das Wrack eines Geländewagens, in dem Rebellen Waffen und Sprengstoff transportiert haben sollen.
Das Wrack eines Geländewagens, in dem Rebellen Waffen und Sprengstoff transportiert haben sollen.(Foto: AP)
Dienstag, 04. Juli 2017

Explosion in Saudi-Arabien: Attentäter töten saudischen Polizisten

Im Osten der arabischen Halbinsel schlagen religiöse Spannungen um in blutige Gewalt. In einer mehrheitlich von Schiiten bewohnten Region geht eine Bombe hoch. Die Behörden sprechen von einem "terroristischen Angriff".

Bei einem Sprengstoffanschlag im Osten von Saudi-Arabien ist ein Polizist ums Leben gekommen. Drei weitere Beamte seien bei dem Vorfall in der Region Katif verletzt worden, teilte ein Sprecher des saudischen Innenministeriums in Riad mit. Er sprach von einem "terroristischen" Angriff.

Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten: Die Lage auf der arabischen Halbinsel droht zu eskalieren.
Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten: Die Lage auf der arabischen Halbinsel droht zu eskalieren.

In der von Schiiten bewohnten Region von Katif, einem Verwaltungsbezirk an der saudischen Golfküste, kommt es seit Wochen zu Gewaltausbrüchen, darunter auch mindestens einem Selbstmordanschlag. Saudi-Arabiens ist sunnitisch dominiert. Die Behörden hatten im Nachbarort Al-Awamiya begonnen, Teile der historischen Altstadt abzureißen. Das Viertel habe sich zum Rückzugsort für militante Aktivisten entwickelt, hieß es zur Begründung. Bei der Räumung soll es zu Schusswechseln zwischen saudischen Sicherheitskräften und schiitischen Kämpfern gekommen sein.

Schiitische Minderheit im Land

Das Innenministerium in Riad veröffentlichte am Wochenende Aufnahmen eines offenbar von einer Detonation zerstörten Geländewagens, in dessen Inneren zwei Personen ums Leben gekommen sein sollen. Die beiden Männer hätten Sprengstoff und Waffen bei sich geführt, teilte das Ministerium mit. Wie es zur Explosion kam, blieb unklar. Gut zwei Wochen zuvor wurde zudem ein Polizist durch Schüsse verletzt. Wer auf den Beamten feuerte, ist noch ungeklärt.

Bilderserie

Der Großteil der schiitischen Minderheit in Saudi-Arabien lebt im Osten des Landes. Sie sind nach eigenen Angaben Opfer von Diskriminierungen. Für die Gewalttaten in der Region machen die Behörden dagegen vor allem nicht näher genannte "terroristische Elemente" sowie Drogenhändler verantwortlich. Im südlichen Nachbarland Jemen führt ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis einen Krieg gegen schiitische Huthi-Rebellen.

Situation nah am Bürgerkrieg

Die Spannungen im Inneren Saudi-Arabiens werden überschattet von den übergeordneten Rivalitäten zwischen dem sunnitisch geprägten Königshaus Saudi-Arabiens und dem Iran, der sich als Schutzmacht der Schiiten versteht. Beide Staaten ringen um die politische und strategische Vorherrschaft in der Golf-Region.

Katif und Al-Awamiya liegen nahe der saudischen Hafenstadt Dammam rund 75 Kilometer nordwestlich von Bahrain. Doha, die Hauptstadt Katars, liegt rund 200 Kilometer Luftlinie im Südwesten. Die iranische Küste ist ebenfalls gut 200 Kilometer entfernt im Nordosten. Bis nach Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens, sind es von Katif aus gut 380 Kilometer, was mit dem Auto einer Fahrtzeit von rund viereinhalb Stunden entspricht.

Saudischer König sagt G20-Termin ab

Der saudische König Salman und sein Sohn, Kronprinz Mohammed bin Salman, hatten ihre Teilnahme am G20-Gipfel in Hamburg vor kurzem überraschend abgesagt. Wie die saudische Botschaft in Berlin zu Wochenbeginn bestätigte, wird Staatsminister Ibrahim al-Assaf die Delegation des Königreiches beim Treffen der wichtigsten Wirtschaftsmächte leiten. Al-Assaf war bis Oktober 2016 Finanzminister.

Zunächst hatte es aus diplomatischen Kreisen in Riad geheißen, der 81 Jahre alte König werde wegen der aktuellen Krise am Golf um Katar nicht an dem Gipfeltreffen teilnehmen. Er habe aus dem gleichen Grund auch Termine in Saudi-Arabien verschoben. Die Unruhen im Osten des Landes könnten womöglich zu der Absage beigetragen haben. Wegen des schlechten Gesundheitszustands von König Salman war allerdings schon zuvor darüber spekuliert worden, ob er die Reise nach Deutschland überhaupt antreten würde.

Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain hatten Katar ein Ultimatum gestellt. Sie fordern von dem Golfemirat unter anderen die Schließung seines Nachrichtensenders Al-Dschasira und die Schließung eines türkischen Militärstützpunktes. Das Ultimatum läuft in der Nacht aus. Der G20-Gipfel beginnt am Freitag.

Quelle: n-tv.de

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