Dienstag, 05. Januar 2010
Anschlag auf CIA-Stützpunkt: Attentäter war Doppelagent
Der Selbstmordattentäter, der vor einer Woche in Afghanistan mehrere US-Geheimdienstagenten tötete, war offenbar ein jordanischer Doppelagent mit Kontakten zu Al-Kaida. Er hatte sich in dem Lager in die Luft gesprengt und sieben CIA-Agenten mit in den Tod gerissen. Das Attentat gilt als das blutigste gegen die CIA seit vielen Jahren.
Der jordanische Geheimdienst habe den Mann vor über einem Jahr wegen Al-Kaida-Kontakten festgenommen. Die Jordanier seien später davon ausgegangen, sie hätten den Mann auf ihre Seite gezogen. Darauf hätten sie ihn als Undercover-Agent nach Pakistan und Afghanistan geschickt, wo er Al-Kaida-Zellen unterwandern sollte, berichtet der US-Fernsehsender NBC unter Berufung auf Geheimdienstkreise.
Sieben tote Agenten
Der Mann namens Humam Kalil Abu-Mulal el Balawi sei mit dem Auftrag nach Afghanistan gereist, die Nummer zwei des islamistischen Terrornetzwerks Al-Kaida, den Ägypter Aiman el Sawahiri, zu finden und zu treffen, berichtete NBC weiter. Balawi habe vergangene Woche seinen Mittelsmann, einen jordanischen Geheimdienstmitarbeiter, kontaktiert und ihm gesagt, er wolle einer Gruppe CIA-Agenten in der ostafghanischen Provinz Chost persönlich Informationen über Sawahiri liefern.
Nach seiner Ankunft auf dem US-Stützpunkt Chapman am Mittwoch habe Balawi sich in die Luft gesprengt und dabei sieben CIA-Agenten sowie seinen jordanischen Mittelsmann mit in den Tod gerissen. Bei dem Mittelsmann habe es sich um ein Mitglied der jordanischen Königsfamilie gehandelt, sagte der frühere CIA-Agent und Präsidentenberater Bruce Riedel.
Der jordanische Informationsminister Nabil Scharif wies die Berichte zurück. Der jordanische Geheimdienst sei "überhaupt nicht an solchen Einsätzen beteiligt", sagte er. Westliche Diplomaten vermuten, Jordanien sei es unangenehm, dass die Zusammenarbeit mit der CIA durch den Anschlag herausgekommen sei, weil die Bevölkerung mehrheitlich US-feindlich eingestellt sei.
Wichtiger Stützpunkt
"Der Selbstmordattentäter scheint von Aiman el Sawahiri persönlich geschickt worden zu sein, um den Anschlag zu verüben", sagte Riedel. Dafür gebe es aber keine Bestätigung. In früheren Medienberichten war vermutet worden, dass es sich bei dem Selbstmordattentäter um einen Informanten gehandelt habe, der nicht ausreichend kontrolliert worden sei.
Zu dem Anschlag hatten sich die radikalislamischen Taliban bekannt. Es war der schwerste Verlust für die CIA seit dem Anschlag auf einen Militärstützpunkt in der libanesischen Hauptstadt Beirut 1983, bei dem acht Agenten ums Leben kamen. Der Stützpunkt Forward Operation Base Chapman soll eine Schlüsselrolle bei der Steuerung unbemannter Drohnen spielen, mit denen die US-Streitkräfte Stellungen und Verstecke der Taliban in dem unwegsamen Grenzgebiet unter Feuer nehmen.
AFP/dpa
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