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Donald Trump will die republikanische Partei einen, tatsächlich stellt er sie aber eher vor eine Zerreißprobe.
Donald Trump will die republikanische Partei einen, tatsächlich stellt er sie aber eher vor eine Zerreißprobe.(Foto: AP)

Erstaunliche Reichweite: Auch Muslima mit Hidschab wählte Trump

Von Issio Ehrich

Donald Trump erreicht mit seinem schrillen Wahlkampf nicht nur die verängstigten Weißen, die sich abgehängt fühlen. Der Super Tuesday zeigt: Sein Erfolg gründet sich auf eine mitunter kurios vielfältige Unterstützerschaft.

Die "New York Times" beschreibt sie als die wohl "unwahrscheinlichste" Unterstützerin von Donald Trump: Fadumo Yusuf. Die 34-Jährige Republikanerin, die ihre Stimme im Bundesstaat Minneapolis für Trump abgegeben hat, stammt aus Äthiopien. Und sie hat nicht nur einen Migrationshintergrund, sondern ist auch Muslima, die aus ihrer Religion kein Geheimnis macht. Bei einer Wahlkampfveranstaltung am vergangenen Sonntag ließ sie sich einen Trump-Sticker auf ihren Hidschab kleben. Verkehrte Welt?

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Der Super Tuesday hat viele Erkenntnisse zu Tage gefördert. Für die großen US-Medien zählt ganz klar auch die "überraschend tiefe und vielschichtige" Wählerbasis von Donald Trump dazu.

Die "New York Times"  führte etliche Interviews mit Republikanern, die Trump am Super Tuesday gewählt haben. Die Muslima Yusuf nannte es zwar "schmerzhaft", dass der Immobilien-Mogul Muslimen die Einreise in die USA verbieten will, und auch sonst mache ihr seine Zuwanderungspolitik Sorgen. Sie hofft aber auf Trump, wenn es um den Arbeitsmarkt geht. Die Buchhalterin hat sich laut dem Blatt mehr als 20 Mal erfolglos beworben und ist noch immer von ihrer Mutter abhängig.

Tiefsitzende, allgegenwärtige Angst

Auch Mark Harris zählt zu den Trump-Unterstützern. Er ist ein 48 Jahre alter Antiquitätenhändler aus Georgia. Er habe sich zwar Sorgen gemacht, dass Trump die USA auf internationaler Bühne in eine diplomatische Krise führen könnte, aber er habe nun mal das Gefühl, das Trump Dinge sage, die sich für ihn richtig anfühlten.

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Darin besteht eines der Hauptmotive für Trump-Wähler. In allen Staaten, die Trump bisher gewonnen hat, schätzen Wähler laut Umfragen vor allem, dass er "die Dinge beim Namen nennt". Gefolgt von der Aussage, dass sie einen Außenseiter bevorzugen.

In der "New York Times" heißt es dazu: "In den Interviews hat sich gezeigt, dass Trump-Unterstützer offenbar keine gemeinsame Ideologie haben. Aber sie haben eine gemeinsame Motivation - eine tiefsitzende, allgegenwärtige Angst um den Zustand der Nation und Ärger über all jene, die ihre Art zu Leben beeinträchtigen."

Trump ist der Kandidat der Menschen, die sich vernachlässigt fühlen, der Kandidat der Gegner des Establishments. Sie kommen dort zwar oft vor, aber sie finden sich eben bei weitem nicht nur unter weißen, armen und ungebildeten Leuten im Land.

Trump ist alles andere als fromm, er steht im Clinch mit dem Papst, distanziert sich nicht vom Ku-Klux-Klan und beleidigt Minderheiten wie die Latinos. Doch das spielt unter seinen Anhängern nur eine untergeordnete Rolle. Die Ablehnung der politischen Klasse ist bei vielen Amerikanern mittlerweile so groß, dass eigene Überzeugungen zusehends hintanstehen und laut "New York Times" selbst Evangelikale Trump unterstützen, gesetzte Ehepaare mit Doktortitel, Mittelständler, Moderate genauso wie Konservative, ja, sogar Männer und Frauen, die einst Anhänger der Demokraten waren.

Trump ist ein historisches Phänomen

In der "Washington Post" heißt es: "Die Breite von Trumps Erfolgen - er gewann in Massachusetts und Georgia, in Virginia und in Alabama - machen es schwer, ihn als Kandidaten abzutun, der nur in bestimmten Staaten und unter Menschen mit einer bestimmten Ideologie gewinnen kann."

In einem weiteren Artikel führt das Blatt einen bezeichnenden Beleg an: Seit den 1960-Jahren ist es keinem Republikaner gelungen, die geografischen Grenzen, die sich aufgrund des historischen Clashes zwischen Nord- und Südstaaten durch die Grand Old Party zog, so zu überwinden, wie es nun Trump gelungen ist.

Trotz ihrer Diversität und Tiefe darf man die Wählerbasis von Trump aber nicht überschätzen. Nach dem Super Tuesday sind nur noch drei ernsthafte Bewerber um die Kandidatur der Republikaner im Rennen - neben Trump der eher moderate Marco Rubio aus Florida und der radikal religiöse Ted Cruz aus Texas. Dass Rubio und Cruz sich gegenseitig blockieren, gilt als ein entscheidender Grund für die vielen Siege bei den Vorwahlen.

Sollte entweder Rubio oder Cruz bei den nächsten Vorwahlen aber klar zulegen und einer der beiden rechtzeitig aussteigen, besteht vielleicht noch eine Chance darauf, Trump bis zum Nominierungsparteitag im Juli einzuholen. Aber selbst wenn nicht, ist Trumps Wählerschaft wahrscheinlich nicht divers genug, um ihn zum 45. US-Präsidenten der USA zu machen. Das legen zumindest Umfragen von CNN von Ende Februar nahe. Sowohl der demokratische Sozialist Bernie Sanders als auch die Favoritin der Demokraten, Hillary Clinton, würden demnach gegen den schrillen Milliardär gewinnen.  

Quelle: n-tv.de

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