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US-Präsident Barack Obama muss allerhand Folklore über sich ergehen lassen.
US-Präsident Barack Obama muss allerhand Folklore über sich ergehen lassen.(Foto: REUTERS)

Von Klobürsten und Klimawandel: Auch das passierte auf dem G7-Gipfel

Von Issio Ehrich und Christoph Herwartz, Garmisch-Partenkirchen

Was bleibt hängen nach unzähligen Stunden auf einem G7-Gipfel? Es sind Momente der großen Weltpolitik, aber auch Kuriositäten, nützliches und vollkommen nutzloses Wissen.

Deutschland ist Bayern

Eine seltene Ehre, eine große Chance - nur alle sieben Jahre darf die Bundesrepublik den G7-Gipfel in der Heimat ausrichten. Das ist immer auch eine Gelegenheit, der Welt die eigene Kultur zu zeigen. Deutschland hat gewaltigen Einsatz gezeigt, alles gegeben – und es voll versemmelt. Dirndl und Janker, Alphornkonzerte, Bergpanorama – was Deutschland der Welt auf Schloss Elmau und in den nahen Gemeinden präsentiert hat, war nicht Deutschland, sondern Oberbayern. Und das so klischeehaft wie nur möglich. Leider dürfte das Spektakel selbst Zuschauer aus Japan oder Amerika auch noch gelangweilt haben. Die kennen diese Deutschen ja längst aus diversen Hollywood-Schmonzetten.

Obama hat fragwürdige Tischmanieren

Auch US-Präsident Barack Obama hat offensichtlich schon solche Filme gesehen. Bei seinem Treffen mit der Bundeskanzlerin in einem Biergarten in Krün begrüßte er die Gäste mit einem ziemlich akzentfreien "Grüß Gott!". Er gewinnt sie für sich, als er sagt, er habe gerade die beste "Alphorn-Performance" seines Lebens gehört. Da war es zu verzeihen, dass er seine Lederhosen vergessen hatte, wie er sagte. Der US-Präsident stimmt voll ein in das Klischee-Gedresche. Doch obwohl bestens vorbereitet, macht er einen Fehler. Biertrinken, Weißwurst essen und Kaugummi kauen – das geht einfach nicht zusammen. Obama versucht, das Kaugummi ganz unauffällig loszuwerden. Ohne Erfolg. Das feucht-klebrige Etwas landet unter dem Tisch und die Szene deutlich sichtbar in etlichen Filmaufnahmen.

Das Sicherheitskonzept stieß an unerwartete Grenzen

Wenn die bayerische Polizei ein Sicherheitskonzept aufstellt, dann fragt sie nicht: Was brauchen wir? Sie fragt: Was haben wir? Und alles, was man hat, wird dann aufgefahren. Plus zusätzlich angeschaffte Helikopter, neue Wagen, Reserven aus anderen Bundesländern. Die Polizei kontrollierte und regelte in Garmisch-Partenkirchen den Verkehr, der hauptsächlich aus Polizeifahrzeugen bestand. Noch mehr Polizisten in das Städtchen zu schicken, hätte kaum funktioniert – wo hätten die noch parken sollen?

Die Protestbewegung ist schwach, wenn sie sich spaltet

Eine Großdemonstration in München, ein Protestcamp in Garmisch-Partenkirchen: So funktioniert es nicht. Die Kombination aus beidem hätte viel mehr Aufmerksamkeit bekommen. Dass der abgespaltene, radikalere Teil der Protestbewegung dann so schwach war, hatte viele Gründe. Einige davon, wie die überzogenen Repressalien, hatte die Polizei bewusst geschaffen. Andere, wie das höchst ungünstige Wetter, waren Zufall. Mit großen Organisationen im Rücken hätten die G7-Gegner darauf besser reagieren können. Für die radikalen unter den G7-Gegnern war der Gipfel unerreichbar. Sie konnten ihn nicht merklich durch Krawalle stören.

Kapitalismuskritiker sind einfallsreich – und friedlich

Die meisten G7-Gegner waren allerdings auch gar nicht auf Krawall aus. Das zeigte sich auf ihren Kundgebungen, aber vor allem im Protest-Camp.  Die hiesigen Behörden befürchteten, dass von der Zeltstadt an der Loisach Gewalt ausgehen könne. Das passierte in all den Tagen aber nicht. Volksküche, Musik, Nackte, die im Fluss baden. Im Camp herrschte Festival-Stimmung. Und die Bewohner zeigten Einfallsreichtum. Das beste Werkzeug um Kartoffeln für 2000 hungrige Demonstranten zu waschen? Klobürste auf Akkuschrauber.

G7 sind ohne Russland effizienter

Die Frage kam immer wieder auf: Fehlt Russland in der elitären Runde? Die Antwort heißt: nein. Zumindest bei einem schieren Blick  auf Zahlen. Die G7/G8 Research Group hat untersucht, wie gut die großen Industriestaaten in den vergangenen Jahren ihre Gipfelversprechen eingehalten haben. Russland zählte zu den Nationen, die ihre Versprechen am häufigsten brachen. Voreilige Schlüsse daraus sollte man aber nicht ziehen. Der Club könnte einen integrativen Effekt haben. Gut möglich, dass der Kreml in seiner Isolation jetzt noch weniger Dinge tut, die im Sinne der G7 sind.

Merkel will wieder Klimakanzlerin werden

Vor dem Gipfel bremste die Bundesregierung alle Erwartungen, nun erscheinen ihre Errungenschaften umso größer: Merkel hat die anderen großen sechs auf die Klimarettung eingeschworen. So soll es zumindest wirken. Wenn sich die Klimakonferenz Ende des Jahres in Paris auf ein gutes Abkommen einigt, dann kann sich die deutsche Kanzlerin damit schmücken. Oder anders ausgedrückt: Wenn es kein solches Abkommen gibt, will Merkel nicht schuld gewesen sein.

Quelle: n-tv.de

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