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Donald Trump gibt sich kampfeslustig - auch wenn er sich nicht direkt mit seinen Kontrahenten messen konnte.
Donald Trump gibt sich kampfeslustig - auch wenn er sich nicht direkt mit seinen Kontrahenten messen konnte.(Foto: dpa)

TV-Debatte der US-Republikaner: Auch ohne Trump dreht sich alles um Trump

Bei der letzten TV-Debatte der US-Republikaner vor der ersten Vorwahl in Iowa fehlt Donald Trump. Der Milliardär hat sich seine eigene Bühne geschaffen. Von dort aus schießt er gegen die Konkurrenz und den Sender Fox News.

Donald Trump fehlte bei der letzten TV-Debatte der Republikaner vor der ersten Vorwahl in Iowa. Und doch ging es wieder hauptsächlich um ihn. Sein Kontrahent Jeb Bush erklärte gleich zu Beginn in der von Sender Fox News produzierten Sendung: "Ich vermisse ihn irgendwie. Ich wünschte, er wäre hier. Er war wie ein Teddybär für mich."

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Und Ted Cruz imitierte Trump ironisch: "Ich bin der Wahnsinnige, und jeder auf dieser Bühne ist dumm, fett und hässlich", scherzte der Senator mit Blick auf die oftmals persönlichen Attacken des Milliardärs. "Nun haben wir die Donald-Trump-Einlage hinter uns", fuhr Cruz fort und mahnte, im Zentrum des Wahlkampfes sollten "Politik und Visionen" stehen.

Trump selbst schuf sich dagegen parallel zu der TV-Debatte seine eigene Bühne. Nur fünf Kilometer entfernt vom Veranstaltungsort der Debatte in Des Moines, der Hauptstadt Iowas, trat er zeitgleich bei einer von ihm organisierten Veranstaltung zur Unterstützung von Armeeveteranen auf. "Das ist wie die Oscar-Verleihung", freute sich Trump. Kurz darauf versicherte er, dass natürlich alles "zu Ehren unserer Veteranen" stattfinde.

Wollte Trump fünf Millionen für Teilnahme?

Bei der Gegenveranstaltung erklärte er noch einmal seinen Boykott: Der Sender habe ihn unfair behandelt und ihm keine andere Wahl gelassen. "Wenn man schlecht behandelt wird, muss man für seine Rechte eintreten", sagte Trump und schlug umgehend einen Bogen zum "schlechten" Atomabkommen mit dem Iran. "Wir müssen für uns als Volk eintreten, und wir müssen für unser Land eintreten, wenn wir schlecht behandelt werden."

Fox News konterte: Trump habe noch bis zuletzt gefordert, dass der konservative Sender fünf Millionen US-Dollar bezahle, als Spende an eine Wohltätigkeitsorganisation von Trump, heißt es in einer Pressemitteilung. Dies sei Bedingung dafür, dass Trump doch an der Debatte teilnehme. Es widerspreche jedoch den Fox-Standards, Geld "aus irgendwelchen Gründen" zu bezahlen.

Der Milliardär selbst berichtete dem Publikum bei seiner Gegenveranstaltung, wie Fox News sich angeblich noch in den Stunden vor der Debatte um seine Teilnahme bemüht habe. "Sie wollten mich da haben und haben gefragt: Wie sieht es jetzt aus?" Dann brüstete er sich damit, dass er bei seinem Auftritt mehr Fernsehkameras habe als Fox News. Von Geldforderungen an Fox News erzählte er nichts.

Trump: Konkurrenten "sind alle korrupt"

Der Geschäftsmann verkündete an der Drake Universität, dass durch seinen Spendenaufruf zu Gunsten von Veteranen bereits sechs Millionen Dollar zusammengekommen seien. Eine Million davon habe er aus seinem Privatvermögen gespendet. In den Vereinigten Staaten würden illegale Einwanderer in vielen Fällen besser behandelt als frühere Militärangehörige, polterte Trump.

Hinter dem Boykott steht eine Fehde des politischen Seiteneinsteigers mit der Fox-News-Starmoderatorin Megyn Kelly. Der Immobilientycoon beklagt, dass Kelly gegen ihn voreingenommen sei. Die Journalistin hatte ihm bei der ersten Debatte im August mit scharfen Fragen zugesetzt. Anschließend hatte der für seine verbalen Entgleisungen bekannte Milliardär angedeutet, dass Kelly Menstruationsbeschwerden gehabt haben müsse. "Man kann sehen, dass Blut aus ihren Augen herauskam, dass Blut wo auch immer bei ihr herauskam."

Während seine Konkurrenten über ihn witzelten, ließ auch Trump die Gelegenheit nicht aus, über das Feld der Republikaner herzuziehen. Sie ließen sich von Lobbyisten leiten und seien korrupt. Ausdrücklich schloss er Rick Santorum und Mike Huckabee aus. "Das sind nicht solche", rief er ins Publikum. Beide sind chancenlos im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Sie ließen sich von Trump einladen und lobten ihren Gastgeber über den grünen Klee.

Ohne Trump hatte die eigentliche TV-Debatte aber mehr Substanz. Es war weniger laut, es ging weniger um Nebensächliches. Die dominierenden Themen waren wie auch bei früheren Debatten der Kampf gegen den Terrorismus und Außenpolitik. Aber einen klaren Gewinner gab es nicht. Keiner der Männer auf der Bühne konnte das Vakuum ausfüllen, das Trump hinterlassen hat.

Am Ende geht es dann doch wieder um Trump

Ted Cruz bekam seinen Moment. Er stand im Zentrum der Bewerber, da wo sonst Trump steht. Und er gab dort vor allem eine schöne Zielscheibe für die anderen ab, die ihm etwa eine zu lasche Haltung beim Thema Immigration vorhielten.

Marco Rubio, Senator von Florida, wählte auffällig oft die Formulierung "Wenn ich Präsident bin" und machte vor allem mit einer Äußerung von sich reden: Wenn er Präsident sei, würden Terroristen wieder in das berüchtigte Gefangenenlager Guantánamo geschickt. Das will Präsident Barack Obama eigentlich noch in seinen verbliebenen Monaten im Amt schließen.

Jeb Bush machte keinen Fehler, glänzte aber auch nicht. John Kasich bot sich als moderate Alternative an. Und Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, attackierte Hillary Clinton, Bewerberin der Demokraten, für die Geschichte mit den Emails. Clinton hatte als Außenministerin einst dienstliche Mails über ihr privates Emailkonto laufen lassen.

Ben Carson, Neurochirurg und äußerst konservativ, war zwar noch dabei, aber schon so weit im Abseits, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte, bis er aufgibt. Rand Paul, der dank Trumps Abwesenheit eine Chance auf der Hauptbühne bekam, fiel zumindest mit ein paar scharfen Attacken gegen die anderen auf. Und am Ende kamen sie dann doch wieder auf den zurück, der nicht da war. Beiläufig sagte Jeb Bush: "Donald Trump - ich habe seinen Namen erwähnt, falls ihn jemand vermisst."

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Quelle: n-tv.de

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