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Wird sich die AfD halten?: Auf den Sieg folgt die Bewährungsprobe

Nach ihrem Wahlerfolg sieht sich die AfD schon als neue Volkspartei. Aber: sie ist nicht die erste Partei, die einen fulminanten Sprung in die Landtage schafft. Einst setzten Wähler auch auf Schillpartei, Republikaner und Stattpartei. Nun kennt sie kaum noch jemand.

Viele Parteien sind in der bundesdeutschen Geschichte in Landtage eingezogen - und viele sind auch rasch wieder verschwunden. Oder erinnern Sie sich noch an die Stattpartei, Schillpartei und Republikaner? Und wofür standen die Kürzel DP, BHE oder DVU? Dies alles waren Parteien, die einmal in deutschen Landtagen vertreten waren, ohne bleibende Spuren zu hinterlassen.

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Nur den Grünen und den Linken ist es gelungen, sich als Partei-Neugründungen in der Bundesrepublik dauerhaft in den Parlamenten zu etablieren. Die AfD will es ihnen nun nachmachen. Nach ihrem Erfolg bei den drei Landtagswahlen sieht sie sich auf dem Weg zur Volkspartei. Die AfD ist nun in acht von 16 Landesparlamenten vertreten.

Am Montag reagierten die etablierten Parteien in Berlin schockiert auf die Ergebnisse der AfD. Der Meinungsforscher Manfred Güllner, Chef des Instituts Forsa, rät freilich zu Geduld. Die AfD sei "noch weit entfernt", sich als dauerhafte politische Kraft zu etablieren. Gerade in Zeiten starker Zuwanderung habe es in Deutschland immer wieder kurzzeitige Höhenflüge rechter Parteien gegeben, sagt Güllner.

Merkel fordert "argumentative" Auseinandersetzung mit AfD

Die Berliner Parteien wollen sich indes nicht darauf verlassen, dass sich die neue Konkurrenz von der AfD gleichsam von selbst erledigt. Es seien sich "alle einig, dass man sich argumentativ mit der AfD auseinandersetzen muss", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag. Insbesondere ihre CDU fordert es heraus, dass sich nun eine neue Partei am rechten Rand breitmacht. Schließlich wird in den eigenen Reihen immer wieder an den Satz von Franz Josef Strauß erinnert, dass es rechts von der Union keine Partei geben darf.

In der Union fühlen sich durch den AfD-Erfolg nun jene bestätigt, die der Merkel-Partei eine konservative Rückbesinnung verpassen wollen. CSU-Chef Horst Seehofer warnt schon seit längerem, dass die CDU durch Merkels liberale Flüchtlingspolitik und die Vernachlässigung des konservativen Profils einen Teil ihrer Kernwählerschaft an die AfD preisgeben könnte. Die Wahlergebnisse vom Sonntag gingen "an die Substanz der Union", resümierte Seehofer.

SPD ließ schon Wähler bei Grünen und Linken

Dass der dauerhafte Verlust wichtiger Wählerschichten zu anhaltender Schwächung führen kann, hat zuletzt die SPD schmerzhaft erleben müssen. In den 1970er Jahren fand das Friedens- und Ökomilieu bei den Grünen eine neue Heimat. Im vergangenen Jahrzehnt trieben die Hartz-Reformen einen Teil des linken SPD-Flügels zur Linkspartei. In Wahlen nehmen sich die drei Parteien im linken Spektrum nun gegenseitig Stimmen weg.

Besonders schmachvoll war es für die traditionsreiche Volkspartei SPD, dass sie am Sonntag in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt sogar hinter der AfD landete. "Man muss sich fragen, wer inzwischen die größere Volkspartei ist - die SPD oder die AfD", so AfD-Chefin Frauke Petry. Sie will die AfD nun als "Partei des sozialen Friedens" etablieren, ihr Stellvertreter Alexander Gauland sieht sie als "Partei der kleinen Leute". Geht es nach den Parteistrategen, soll die AfD nicht nur am rechten Rand wildern, sondern verstärkt auch am linken.

Quelle: n-tv.de

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