Rache für KreuthAufstand gegen Beckstein
Erwin Huber ist gestürzt, doch nun folgt der Aufstand gegen Günther Beckstein. Die einzige Chance des Ministerpräsidenten: Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.
Erwin Huber ist gestürzt, doch nun folgt der Aufstand gegen Günther Beckstein. Zwei Tage nach dem historischen CSU-Wahldebakel in Bayern gab der entkräftete CSU-Vorsitzende Erwin Huber auf. Mit einem Jahr Verspätung geht Bundesagrarminister Horst Seehofer damit doch noch siegreich aus dem Duell um den CSU-Vorsitz hervor.
Zugleich wollen starke Kräfte im CSU-Bezirksverband Oberbayern wie in der Berliner Landesgruppe Ministerpräsident Beckstein loswerden. Sein Rückhalt schwindet dramatisch. Doch das könnte die CSU in einen offenen Machtkampf stürzen, der neuerliche tiefe Wunden reißen würde. Denn für den Ministerpräsidenten ist kein prädestinierter Nachfolger in Sicht.
"Gewaltiger Ausbruch"
Anders als von vielen erhofft hatte Huber bei der CSU-Vorstandssitzung am Vortag nicht seinen Rückzug angekündigt. Also halfen die Parteifreunde nach. Mehrere Bezirksverbände trafen sich anschließend zu Krisensitzungen. Einhellige Meinung im größten CSU-Bezirksverband Oberbayern: Huber muss gehen, Beckstein auch, und das möglichst schnell. "Einen Ministerpräsidenten auf Abruf können wir uns nicht erlauben", sagt ein Teilnehmer. Ein anderer berichtet von einem "gewaltigen Ausbruch" - gegen beide. Die finale Krisenrunde in der CSU-Landesleitung ergab: Huber und seine Generalsekretärin Christine Haderthauer gehen, Seehofer soll Nachfolger und CSU-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2009 werden.
Doch Huber ist am Dienstag in München schon nicht mehr das Hauptgesprächsthema. Jetzt geht es um Becksteins Kopf. Spitzenkandidat war nicht Huber, sondern der Ministerpräsident. Beide seien als Tandem angetreten, beide sollten auch als Tandem gehen, heißt es. Beckstein könne ohnehin keine volle Amtsperiode mehr absolvieren, sondern höchstens noch zwei Jahre den Übergang vorbereiten. Aber - wie mehrere aus der Partei an diesem Dienstag sagen - "die CSU ist in einer existenziellen Krise". Nächstes Jahr sind Europa- und Bundestagswahlen. Auch in der CSU-Landesgruppe in Berlin gibt es einen Ausbruch. Angeführt von jungen Abgeordneten hätten sich die Parlamentarier fast einhellig gegen Beckstein ausgesprochen, heißt es.
Kein Nachfolger in Sicht
Doch wer sollte Beckstein folgen? Viele Berliner CSU-Bundestagsabgeordnete favorisieren Seehofer. Doch der galt in der CSU-Landtagsfraktion bisher als Regierungschef nicht als mehrheitsfähig. Bleiben Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Fraktionschef Georg Schmid. Beide haben nach verbreiteter Einschätzung in der Fraktion derzeit ebenfalls keine Mehrheit hinter sich.
Dennoch hat Beckstein keinen großen Rückhalt mehr. Die Distanzierung geht weit über die Grenzen des größten und mächtigsten CSU-Bezirksverbands in Oberbayern hinaus, in dem viele Beckstein den Sturz seines Amtsvorgängers Edmund Stoiber nie verziehen haben. Die dramatische Entwicklung dieser Tage ist auch die Retourkutsche für Stoibers Sturz in Kreuth 2007, räumen manche CSU-ler ein.
Aber Beckstein will offenbar kämpfen. Auch er tritt am Dienstag vor die Kameras. Der Ministerpräsident will in dieser Woche die Sondierungsgespräche für eine Koalition mit der FDP aufnehmen.