Politik
Das erste Schiff seiner Klasse: Der Lenkwaffenzerstörer "HMAS Hobart".
Das erste Schiff seiner Klasse: Der Lenkwaffenzerstörer "HMAS Hobart".(Foto: AWD Alliance)
Mittwoch, 30. August 2017

Reaktion auf Nordkorea: Australien bereitet Raketenabwehr vor

Der Flug einer nordkoreanischen Rakete über Japan zwingt Militärs zum Umdenken. Fast der gesamte asiatisch-pazifische Raum liegt in der Reichweite eines unberechenbaren Regimes. Australien sucht Wege, sich vor der neuen Bedrohung zu schützen.

Der jüngste Raketentest Nordkoreas hat Folgen: Die Regierung in Australien stellt sich auf die neue Lage ein und erwägt die Aufrüstung der australischen Seestreitkräfte. In Auftrag gegebene Zerstörer könnten mit zusätzlichen Fähigkeiten zur Raketenabwehr ausgestattet werden, um auf das "sehr unkorrekte Verhalten" Nordkoreas zu reagieren, sagte Verteidigungsminister Christopher Pyne.

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Eines der drei neuen Kriegsschiffe ist bereits gebaut, zwei weitere sollen 2018 fertiggestellt werden. Die Lenkwaffenzerstörer der Hobart-Klasse sind Teil eines 1,3 Milliarden Dollar (rund 860 Millionen Euro) teuren Verteidigungsprogramms. Die rund 147 Meter langen und bis zu 28 Knoten schnellen Einheiten sind als sogenannte Air Warfare Destroyer (AWD) auf Einsätze zur Luftabwehr ausgelegt. An dem Projekt wird in Australien bereits seit Jahren gearbeitet.

Für den Einsatz als Luftabwehrposten auf hoher See verfügen die AWD-Zerstörer unter anderem über weitreichende Radarsysteme, ein elektronisches Frühwarn- und Feuerleitsystem vom Typ Aegis sowie 48 Startbehältern für Luftabwehrraketen. Entwickelt und gebaut werden die Hightech-Zerstörer in Australien von einer eigens gegründeten Schiffbauallianz, an der der US-Rüstungskonzern Raytheon mit seiner Australien-Tochter beteiligt ist.

Die Aufrüstung mit zusätzlichen Waffensystemen zur Abwehr von ballistischen Raketen aus Nordkorea ist technisch machbar. Raytheon bietet verschiedene Komponenten zur Raketenabwehr an, darunter auch landgestützte Abwehrraketen vom Typ "Patriot", mit der Gefechtsköpfe in der Endphase des Fluges zerstört werden können. Erst Ende Mai gelang Raytheon-Technikern zudem auch ein erfolgreicher Abschuss einer Interkontinentalrakete außerhalb der Erdatmosphäre. Für den Abwehreinsatz auf hoher See hält Raytheon spezielle Abwehrraketen wie die SM-3 bereit, die aus Standardstartbehältern wie an Bord der Hobart gestartet werden können.

Militärische Option auf dem Tisch

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Das Risiko, dass Australien von nordkoreanischen Raketen getroffen werden könnte, ist nach Angaben von Außenministerin Julie Bishop gering. Die Regierung sei dennoch tief besorgt über das "sehr provokative" Handeln Nordkoreas, sagte Bishop dem Sender Sky News.

Eine militärische Lösung des Konflikts bleibe weiter eine Option, sagte Bishop. US-Außenminister Rex Tillerson habe ihr aber versichert, dass sämtliche politische und wirtschaftliche Lösungen ausgeschöpft sein müssten, bevor andere Maßnahmen unternommen würden. Es brauche Zeit, bis die jüngsten von den Vereinten Nationen verhängten Sanktionen gegen Nordkorea Wirkung zeigten.

Wie ein militärisches Vorgehen gegen Nordkorea aussehen könnte, demonstrierte die südkoreanische Luftwaffe unmittelbar nach dem nordkoreanischen Raketentest: Vier Kampfjets vom Typ F-15K warfen auf einem Testgelände in der Nähe der innerkoreanischen Grenze eine Reihe schwerer Bomben ab. Ziel der Übung sei ein simulierter Angriff auf die nordkoreanische Führung gewesen, hieß es.

Ballistische Flugbahn

Nordkoreas jüngster Raketentest wurde in Südkorea als Warnsignal gewertet, dass das Regime in Pjöngjang nicht bereit ist einzulenken. Der Test erfolgte während laufender Militärübungen der USA mit Südkorea. Es war zwar nicht das erste Mal, dass bei Raketentests ein nordkoreanisches Geschoss über Japan hinwegflog. Es sei aber das erste Mal, dass das unangekündigt geschehen sei, betonten Beobachter.

Bei der von Nordkorea eingesetzten Rakete dürfte es sich um eine Mittelstreckenrakete des Typs Hwasong-12 gehandelt haben. Das US-Verteidigungsministerium hatte in einer ersten Mitteilung zunächst davon gesprochen, Nordkorea habe beim Flug über Japan eine Interkontinentalrakete (ICBM) eingesetzt.

Reichweiten verschiedener nordkoreanischer Raketensysteme (vereinfachte Darstellung).
Reichweiten verschiedener nordkoreanischer Raketensysteme (vereinfachte Darstellung).(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Quelle: n-tv.de

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