Politik

Reaktion von Islamisten erwartet: BKA verstärkt Überwachung

"Al-Kaida wird jetzt beweisen wollen, dass es als Netzwerk weiter funktioniert", sagt BKA-Chef Ziercke nach der Tötung von Bin Laden. Deshalb verstärke die Behörde die Maßnahmen. Gefährder würden verstärkt überwacht. Die USA gehen derweil davon aus, dass der Terrorchef bis zuletzt aktiv an Planung und Durchführung von Anschlägen beteiligt war.

Die Sicherheitskräfte verstärken ihre Maßnahmen.
Die Sicherheitskräfte verstärken ihre Maßnahmen.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach der Tötung von Osama Bin Laden rechnen die deutschen Sicherheitsbehörden mit Reaktionen radikaler Islamisten. "Al-Kaida wird jetzt beweisen wollen, dass es als Netzwerk weiter funktioniert", sagte Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), der "Welt am Sonntag". Möglicherweise könnten Anschlagspläne, die seit Langem in der Schublade liegen, jetzt vorgezogen werden.

"Wir haben unsere Sensoren ausgefahren", sagte Ziercke. "Die Sicherheitsbehörden haben an vereinzelten Brennpunkten die Sicherheitsmaßnahmen erhöht und die Überwachung der Gefährder verstärkt." Über laufende Ermittlungsverfahren habe man einen guten Einblick in die Szene und bekomme mit, "wenn das berühmte Grundrauschen lauter werden sollte". In den nächsten 14 Tagen werde man wissen, wie es weitergeht, sagte Ziercke.

Keine Spur von Sawahiri

Beschlagnahmte Videos des getöteten Al-Kaida-Chefs belegen derweil nach Meinung der US-Regierung, dass der Topterrorist bis zuletzt eine starke Rolle im Netzwerk gespielt hat. Das Haus, in dem Bin Laden erschossen wurde, sei eine aktive Kommandozentrale und ein Kontrollzentrum gewesen, sagte ein Mitarbeiter des US-Geheimdienstes, der anonym bleiben wollte. "Er war aktiv an der Planung und an taktischen Entscheidungen beteiligt." Bin Laden habe bis zuletzt Anschläge der Terrororganisation und ihrer verbündeten Gruppen im Jemen und in Somalia geplant und dirigiert.

Unter Hochdruck werten die US-Experten die gefundenen Videos aus.
Unter Hochdruck werten die US-Experten die gefundenen Videos aus.(Foto: REUTERS)

Was die Ermittler zu diesem Schluss bringt, ist allerdings unklar, zumal die Öffentlichkeit das, was in den Filmen Bin Ladens gesagte wird, nicht erfahren soll. Die Videos gäben keinen Aufschluss über den Verbleib von Bin Ladens Stellvertreter und möglichem Nachfolger Aiman al-Sawahiri, hieß es.

Die von der US-Regierung freigegebenen Aufnahmen, die am Samstag über mehrere amerikanische TV-Kanäle flimmerten, seien bei dem Übergriff auf das Versteck Bin Ladens im pakistanischen Abbottabad sichergestellt worden. Auf den Bildern ist ein Bin Laden zu sehen, wie ihn die Öffentlichkeit bislang nicht kannte.

Zu rund 70 Personen konkrete Hinweise

Mögliche Attentate erwartet der BKA-Chef am ehesten in Pakistan. "Im Übrigen dürfen wir nicht vergessen, dass Deutschland seit geraumer Zeit Teil eines weltweiten Gefahrenraums ist." Nach Erkenntnissen des BKA wachse die Zahl der Personen mit einem Bezug zu Deutschland, die in Ausbildungslagern im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet eine terroristische Ausbildung erhalten hätten. "Uns liegen Informationen zu rund 250 Personen vor, die seit Beginn der neunziger Jahre eine paramilitärische Ausbildung erhalten haben sollen oder eine solche beabsichtigen", sagte Ziercke.

Bin Laden zappt durch die Programme auf der Suche nach einem Bild von sich selbst.
Bin Laden zappt durch die Programme auf der Suche nach einem Bild von sich selbst.(Foto: dpa)

Aktuell existierten zu rund 70 dieser Personen konkrete Hinweise, die für eine absolvierte Ausbildung in einem Terrorcamp sprechen würden. Die Zahl der Gefährder bezifferte Ziercke auf 130: "Ein Gefährder ist eine Person, von der wir begründet annehmen, dass sie politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung begehen könnte."

Terrornetzwerk fehlt die Identifikationsfigur

Die Tötung Osama Bin Ladens nannte Ziercke "einen bedeutenden Schlag gegen Al-Kaida". Keiner seiner Stellvertreter werde die Rolle einer Identifikationsfigur des globalen Dschihad je wieder ausfüllen können. "Die Geldgeber Al-Kaidas waren auf seine Person fixiert, die Kämpfer haben ihren Eid auf ihn abgelegt. Kurz- und mittelfristig sehe ich also eine Schwächung."

Der BKA-Präsident wies allerdings darauf hin, dass der operative Einfluss Bin Ladens zuletzt eher gering gewesen sei. Der Terrorführer habe kaum noch selbst Aufträge erteilt, kleine Gruppen oder Einzeltäter agierten zunehmend selbstständig. "Aus meiner Sicht geht von fanatisierten Einzeltätern ein besonderes Bedrohungspotenzial aus." Weil diese sich sehr schnell radikalisierten, sei die Planungsphase, in der die Sicherheitsbehörden eingreifen könnten, mitunter sehr kurz.

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Quelle: n-tv.de

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