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Gefährlicher Auftrag: Einheiten der regulären irakischen Streitkräfte in einem "Abrams"-Kampfpanzer aus den USA (Archivbild).
Gefährlicher Auftrag: Einheiten der regulären irakischen Streitkräfte in einem "Abrams"-Kampfpanzer aus den USA (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Neuer Sturmlauf auf Mossul: Bagdad bereitet Offensive vor

Im Irak laufen Vorbereitungen auf einen militärischen Gegenschlag: Truppen der Regierung in Bagdad sollen Mossul, die Millionenmetropole im Norden des Landes, aus den Händen des "Islamischen Staates" befreien.

Die große Frühjahrsoffensive muss auf den Überraschungsmoment verzichten: Die irakische Armee verlegt offiziellen Angaben aus Bagdad zufolge Tausende Soldaten auf einen Stützpunkt nahe Mossul, um die von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) besetzte Stadt im Nordirak zu befreien. Ein Brigadegeneral, der nicht namentlich genannt werden wollte, erklärte, erste Armeeeinheiten seien bereits auf der Basis bei Machmur eingetroffen. Derzeit befänden sich dort drei Brigaden, nach und nach solle die Zahl der Soldaten bis auf 4500 erhöht werden. Machmur liegt etwa 70 Kilometer südöstlich von Mossul.

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Erstes Ziel des Einsatzes ist es dem General zufolge, die IS-Nachschubwege zwischen Mossul und weiter südlich gelegenen Gebieten abzuschneiden. Wann der Großangriff beginnen soll, ließ der irakische Befehlshaber offen. Unklar blieb, wieso er überhaupt vor einer solchen Offensive Details bekanntgab. Andere Quellen in Bagdad bestätigten jedoch seine Darstellung: Die Soldaten werden nach Angaben eines Ministeriumssprechers der autonomen Kurdenregion im Nordirak mit Zustimmung der dortigen Präsidentschaft und Regierung stationiert.

Den Kurden kommt in der Region aufgrund ihrer militärischen Stärke eine Schlüsselrolle zu. Bei den meisten Soldaten handele es sich um ethnische Kurden innerhalb der irakischen Armee, sagte Halgurd Hekmat vom Ministerium für die kurdischen Einheiten. Zusätzlich zu den Soldaten werden auf dem Stützpunkt nach seinen Worten auch Militärflugzeuge stationiert. Angaben zu Anzahl und Typ der eingesetzten Einheiten lagen zunächst nicht vor.

Angriff wie im Vorjahr?

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Für die Regierung in Bagdad wäre ein Großangriff auf Mossul nicht der erste Versuch, die Großstadt zurückzuerobern. Im vergangenen Sommer war eine umfangreich vorbereitete Offensive auf Mossul kläglich gescheitert - trotz Unterstützung durch iranische Militärberater - die den schiitischen Stammeskämpfern des Irak nahestehen - sowie der militärischen Hilfe aus den USA, die irakische Einheiten mit Geheimdienstinformationen, Aufklärungsflügen, Waffenlieferungen und Luftschlägen zur Seite standen.

US-Militärs hatten nach dem gescheiterten Vorstoß unter anderem Moral und Kampfgeist der irakischen Soldaten bemängelt und sich auch verwundert darüber gezeigt, dass irakische Offizielle vorab Details über Angriffsplanung und Truppenstärke offenlegten. Erschwert worden war der Angriff des vergangenen Sommers auch durch die multiethnische Zusammensetzung der irakischen Armee, die zeitweise zu massiven Rivalitäten und Problemen in der Koordination führt.

Häuserkampf in einer Millionenstadt

Die IS-Miliz hatte im Sommer 2014 große Gebiete in Syrien und im benachbarten Irak erobert. Mossul befindet sich seit Juni 2014 fest in der Hand der Dschihadisten und gilt als die wichtigste Machtbasis der sunnitisch geprägten Terrororganisation im Nordirak. Obwohl Tausende Anwohner aus der Stadt flohen, könnte eine Rückeroberung in dem dicht bebauten Gelände des Stadtgebiets schnell in einen zähen, blutigen Häuserkampf führen.

Zur strategisch bedeutsamen Lage der Stadt kommt die symbolische Bedeutung Mossuls: Die Einnahme war für den "Islamischen Stadt" der Beginn eines Vormarsches, mit dem die IS-Anhänger zeitweise rund ein Drittel der Fläche des Irak unter Kontrolle bringen konnten. Kurz nach der Eroberung feierten die IS-Ideologen den Erfolg dadurch, dass sie das sogenannte Kalifat ausriefen.

Die Zeit für eine Rückeroberung scheint günstig: In jüngster Zeit erlitten die Dschihadisten empfindliche Rückschläge. Die irakische Armee und die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Nordirak werden dabei durch Luftangriffe der von den USA angeführten Militärallianz unterstützt. Der IS sieht sich zudem in seinen Rückzugsgebieten im westlich gelegenen Syrien ständiger Gefahr aus der Luft ausgesetzt.

Quelle: n-tv.de

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