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Ein verwundeter Palästinenser wird getragen, nachdem israelische Sicherheitskräfte nahe der Grenze zum Gaza Streifen auf ihn geschossen haben.
Ein verwundeter Palästinenser wird getragen, nachdem israelische Sicherheitskräfte nahe der Grenze zum Gaza Streifen auf ihn geschossen haben.(Foto: REUTERS)

Nach tödlichen Attentaten: Ban wirft Israel "exzessive Gewalt" vor

Israel erlebt den bisher blutigsten Tag seit Beginn der neuen Gewaltwelle vor zwei Wochen. Mindestens fünf Menschen sterben bei Attentaten oder werden von der Polizei erschossen. UN-Generalsekretär Ban fürchtet eine weitere Eskalation.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat das israelische Vorgehen gegen radikale Palästinenser im Ostteil Jerusalems und im Westjordanland kritisiert. Ban sei angesichts des "offenbar exzessiven Gewalteinsatzes" durch israelische Soldaten "beunruhigt", erklärte sein Sprecher. Der UN-Generalsekretär fordere Israel auf, das Vorgehen seiner Sicherheitskräfte "ernsthaft zu überprüfen". Es bestehe die Gefahr, zu einer Eskalation der Lage beizutragen.

Eine Attacke an einer Bushaltestelle in Jerusalem.
Eine Attacke an einer Bushaltestelle in Jerusalem.(Foto: AP)

Vor dem Hintergrund anhaltender Gewalt in Ostjerusalem und im Westjordanland hatte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu angekündigt, Palästinenserangriffe "mit allen Mitteln" zu beenden. Seine Regierung werde "zusätzliche Maßnahmen zum harten Durchgreifen" beschließen, sagte er. Einzelheiten nannte Netanjahu bisher nicht. Zudem machte er vor dem israelischen Parlament Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verantwortlich, sollte sich die Sicherheitslage weiter verschlechtern. Der palästinensische Außenminister Rijad al-Malki wiederum warf Israel in Genf "außergerichtliche Hinrichtungen" von Palästinensern vor.

Die seit Monaten andauernden Spannungen zwischen Palästinensern und Israelis hatten sich zugespitzt, nachdem am 1. Oktober im israelisch besetzten Westjordanland ein jüdisches Siedlerpaar getötet worden war. Die israelischen Behörden beschuldigen die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas der Tat.

Tote und Verletzte

Am Erez-Übergang kam es zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei.
Am Erez-Übergang kam es zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei.(Foto: imago/ZUMA Press)

Jerusalem erlebte nach Polizeiangaben den tödlichsten Tag seit der neuen Gewalteskalation zu Beginn des Monats. Bei einem Angriff in einem Linienbus in einem jüdischen Viertel des arabischen Ostteils Jerusalems waren zwei Fahrgäste getötet und drei weitere verletzt worden. Die Polizei sagte, an dem Angriff im Viertel Armon Hanatziv seien zwei Männer beteiligt gewesen. Die Polizei erschoss einen von ihnen, der andere wurde verletzt.

Wenig später raste ein Palästinenser in einem von ultraorthodoxen Juden bewohnten Viertel Westjerusalems mit einem Rammfahrzeug in eine Gruppe Wartender an einer Bushaltestelle. Dabei gab es einen Toten und einen Verletzten. Der Fahrer stieg danach aus seinem Fahrzeug und verletzte mehrere Menschen an der Bushaltestelle durch Messerstiche, bevor er selbst durch Schüsse verletzt wurde.

Kurz zuvor hatte ein Palästinenser in der Stadt Raanana nördlich von Tel Aviv einen Passanten in der Nähe einer Bushaltestelle mit einem Messer angegriffen. Umstehende stürzten sich auf den Angreifer und überwältigten ihn, bevor die Polizei eintraf. Das Opfer und der Angreifer wurden verletzt.

Neue Unruhen

In Bethlehem im besetzten Westjordanland töteten israelische Soldaten bei gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Palästinensern einen Palästinenser. Dieser hatte nach Armeeangaben gerade eine Brandbombe gegen ein Militärfahrzeug werfen wollen. Mit dem Tod des 28-jährigen Moatas Sawahra aus einem Flüchtlingslager in Bethlehem erhöhte sich die Zahl der seit Beginn des Monats getöteten Palästinenser auf fast 30. Auf israelischer Seite wurden sieben Menschen getötet.

Gewalttätige Zusammenstöße zwischen israelischen Soldaten und Steine werfenden Palästinensern gab es im Westjordanland auch in Bet El bei Ramallah und in Kalandija. Im Gazastreifen bewarfen etwa tausend jugendliche Palästinenser am Erez-Übergang israelische Soldaten mit Steinen und Brandflaschen.

Quelle: n-tv.de

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