Politik
(Foto: picture alliance / dpa)

Details aus dem Sektionsprotokoll: "Barschel-Tod war eindeutig Suizid"

Mord oder doch Selbstmord? Im Fall von Uwe Barschel streiten sich seit beinahe 30 Jahren die Experten, welche Todesursache sie für plausibler halten. Nun meldet sich der Mann zu Wort, der Barschel einst obduzierte.

Der Fall des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel war eine der spektakulärsten Polit-Affären der Bundesrepublik. Barschel stand 1987 im Verdacht, seinen SPD-Herausforderer Björn Engholm mit schmutzigen Tricks im Landtagswahlkampf verunglimpft zu haben. Trotz seines Ehrenworts, dass er unschuldig sei, muss Barschel zurücktreten und wird nur wenige Tage später tot in seinem Genfer Hotelzimmer aufgefunden.

Seitdem ist die Theorie, Barschel sei ermordet worden, nie verstummt. Werner Janssen, Professor für Pathologie und Rechtsmedizin, obduzierte Barschel damals gemeinsam mit seinem Leitenden Oberarzt Klaus Püschel und hat nun erstmals die Ergebnisse aus dem von ihm verfassten Sektionsprotokoll zum Todesfall Barschel veröffentlicht. "Es war Suizid", sagte Janssen der "Zeit", "für eine andere Annahme gab es keine Anhaltspunkte."

Janssen war 1987 Direktor des Hamburger Universitätsinstituts für Rechtsmedizin. Die Sektion habe sechs bis acht Stunden gedauert, erinnerte sich der inzwischen 91-Jährige: "Dreimal so lange wie üblich." Am Ende kamen er und Püschel gemeinsam mit dem Hamburger Toxikologieprofessor Achim Schmoldt zum selben Schluss: Suizid durch Medikamentenmissbrauch.

Alles andere unwahrscheinlich?

Im Protokoll der Rechtsmediziner heißt es dazu: "Eine versehentliche Überdosierung bei einem bewusstseinsklaren Menschen ist angesichts dieser Substanzmengen nicht denkbar; ebenso unwahrscheinlich ist die Möglichkeit einer unbemerkten Beibringung. Nach den vorliegenden Erkenntnissen gibt es keinen Anhalt für eine Beibringung der zum Tode führenden Substanzen unter äußerem Zwang."

Unter anderem hatte ein bei der Sektion entdecktes Hämatom im oberen linken Stirnbereich des Leichnams damals für Aufregung gesorgt. Fremdeinwirkung durch einen Schlag schlossen die Hamburger Ärzte jedoch aus. "Viel naheliegender war es, dass Barschel sich diese Unterblutung selbst zugezogen hatte, etwa am Türrahmen oder durch Aufstoß am Badewannenrand", erklärt Janssen: "Ich sage noch einmal, es war Suizid. Ich hoffe, man lässt Uwe Barschel jetzt endlich ruhen."

Dass dies tatsächlich eintritt, ist jedoch kaum zu erwarten. Zu den Vertretern der Mordtheorie gehört unter anderem der frühere Leitende Oberstaatsanwalt Heinrich Wille. Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst hat Wille ein Buch geschrieben, dessen Botschaft ist: Barschels Tod war Mord.

Quelle: n-tv.de

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