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Eine der improvisierten Unterkünfte ging während der Räumung in Flammen auf.
Eine der improvisierten Unterkünfte ging während der Räumung in Flammen auf.(Foto: REUTERS)

Migranten protestieren gegen Abriss: Behörden lassen "Dschungel" räumen

Mit einem Großaufgebot der Polizei und mehreren Bulldozern beginnt im französischen Calais die Teilräumung des umstrittenen "Dschungels" - bisher ohne Zwischenfälle, wie es offiziell heißt. Doch die Bilder aus dem Flüchtlingslager sprechen eine andere Sprache.

Die französischen Behörden haben einen großen Teil des provisorischen Flüchtlingslagers bei Calais, dem sogenannten "Dschungel", geräumt. Im Fernsehen war zu sehen, wie die behelfsmäßigen Unterkünfte der Migranten auch mithilfe von zwei Bulldozern eingerissen wurden. Die Polizei war mit mehr als 30 Einsatzfahrzeugen vor Ort. Die Räumung verlief zunächst ohne größere Zwischenfälle, wie es von offizieller Stelle hieß.

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Bilder aus dem Lager zeigten dennoch brennende Hütten, die offenbar aus Protest gegen die Räumung angezündet wurden, und dichten schwarzen Rauch über dem Lager. Mehrere Hilfsorganisationen hatten zudem versucht, die Auflösung mit Protesten und Aktionen zu verhindern. Eine Aktivistin der Organisation No Border, die sich für die Abschaffung der Grenzen einsetzt, wurde festgenommen.

Derweil versuchten zahlreiche Behördenmitarbeiter erneut, die Flüchtlinge davon zu überzeugen, sich freiwillig in Aufnahmezentren in anderen Regionen Frankreichs bringen zu lassen. Die Polizisten vor Ort sollten auch deren Arbeit schützen, sagte die Präfektin des Départements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio. Erst in der vergangenen Woche hätten No-Border-Aktivisten die Behördenmitarbeiter "angegriffen und beleidigt".

Migranten werden auf Lager verteilt

Ein Gericht in Lille hatte die Anordnung zur Räumung zuvor für zulässig erklärt. Lediglich Gemeinschaftsbereiche wie etwa eine Schule oder ein Theater sollten erhalten bleiben. Die Präfektur rechnet damit, dass es mehrere Wochen dauern wird, bis der Abriss beendet ist. Nach früheren Angaben des französischen Innenministeriums sind etwa 800 bis 1000 Migranten von der Räumung betroffen. Unterstützer der Lagerbewohner sprechen jedoch von mindestens 3400 Menschen, darunter Frauen und kleine Kinder, die in dem Slum-ähnlichen Lager lebten.

Im Verlauf des vergangenen Jahres sind Tausende Menschen auf der Flucht vor Krieg und Armut im "Dschungel" von Calais gestrandet. Die meisten von ihnen versuchen, illegal mit Zügen oder in Lastwagen über den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Sie versprechen sich dort bessere Chancen und beantragen deswegen kein Asyl in Frankreich.

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Quelle: n-tv.de

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