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In Brüssel ist die Polizei in ständiger Alarmbereitschaft.
In Brüssel ist die Polizei in ständiger Alarmbereitschaft.(Foto: REUTERS)
Samstag, 18. Juni 2016

Konzentriert IS sich auf Europa?: Belgiens Terrornetz liegt noch im Dunkeln

Mit einem großen Antiterror-Einsatz hat Belgien mutmaßlich einen neuen Anschlag verhindert. Trotz regelmäßiger Fahnungserfolge geht Terrorexperte Tophoven davon aus, dass es weiter ein großes intaktes Terrornetzwerk in dem Land gibt.

Nach Einschätzung des Terrorexperten Rolf Tophoven sind die Netzwerke rund um die Anschläge von Brüssel und Paris noch längst nicht vollständig offengelegt. Die jüngsten Anti-Terror-Aktionen in Belgien zeigten, dass es wohl noch weitere Mitwisser und Operateure gebe, sagte Tophoven.

Über Jahre hat sich in Belgien eine militant-islamistische Szene entwickelt. Da ist ein sehr fruchtbarer Boden für den Islamismus entstanden", sagte er. Es gebe aber auch eine große Nähe zu terroristischen "Nestern" in Frankreich und eine Art "Terrorschiene" zwischen beiden Staaten.

Hinzu kämen enge Verbindungen zwischen europäischen Rückkehrern aus Dschihad-Gebieten, sagte Tophoven. "Die kennen sich zum Teil, sind einander zum Beispiel in Ausbildungslagern begegnet." Es sei deshalb davon auszugehen, dass es in Europa länderübergreifende Netzwerke von Dschihad-Rückkehrern gebe. "Und da ist längst nicht alles erkannt und aufgespürt."

In der Nacht hatten die Behörden bei 40 Durchsuchungen im Land ein Dutzend Verdächtige festgenommen. Medienberichten zufolge soll damit ein Anschlag auf eine Public-Viewing-Veranstaltung zur Fußball-EM verhindert worden sein. 

Druck in Syrien lässt IS nach Europa ausweichen

Bei einem großen Anti-Terror-Einsatz in der Nacht auf Samstag durchsuchten belgische Sicherheitskräfte dann Dutzende Garagen und Häuser in 16 Gemeinden - darunter auch in der als Islamisten-Hochburg bekannten Brüsseler Stadtgemeinde Molenbeek, wo einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Pariser Anschläge vom November gefasst worden war. Ermittler hatten einige Verbindungen zwischen den Attentaten von Brüssel und Paris gefunden, die auf ein größeres Terror-Netzwerk hindeuten.

Die Tageszeitung "La Dernière Heure" und andere Blätter hatten zuletzt berichtet, dass Dschihadisten Syrien verlassen hätten, um in Belgien und Frankreich Attentate zu verüben. Tophoven sagte, dies sei nicht auszuschließen. Es sei durchaus zu befürchten, dass sich der Islamische Staat angesichts ihrer ungünstigen Lage in Syrien und im Irak zunehmend auf Aktionen in Europa konzentriere. "Der IS verliert in seinen Kampfgebieten Territorium."

Je stärker die Terrormiliz dort unter Druck gerate, umso stärker könne sie darauf setzen, eigene Leute nach Europa zu schicken, Zellen in Europa zu aktivieren oder auch Einzeltäter zu Anschlägen aufzurufen. Tophoven betonte, möglich sei aber auch, dass der IS - gerade angesichts der Rückschläge in Syrien und im Irak - selbst Informationen streue, dass sich in großer Zahl Kämpfer Richtung Belgien und Frankreich aufgemacht hätten – "als psychologische Kriegsführung, die mit Angst und Schrecken operiert."

Quelle: n-tv.de

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