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Selbstmordbomber waren Brüder: Belgische Medien nehmen Bericht über Ergreifung Laachraouis zurück

Verwirrung um den gesuchten Hauptverdächtigen von Brüssel: Nach großer Fahndung fasst die belgische Polizei angeblich den gesuchten dritten Attentäter vom Brüsseler Flughafen, Najim Laachraoui. Kurze Zeit später erweist sich das laut Medienberichten als verfrühte Erfolgsmeldung.

Der nach den Bombenanschlägen im Brüsseler Flughafen angeblich festgenommene Terrorist Najim Laachraoui ist offenbar doch nicht gefasst. Das berichten belgische Medien. Zuvor war gemeldet worden, Laachraoui sei den Ermittlern im Brüsseler Stadtteil Anderlecht ins Netz gegangen. Er soll laut Medienberichten einer der drei Männer sein, die auf einem Überwachungsvideo des Flughafens zu sehen sind. Mit Najim Laachraoui bestünde eine klare Verbindung zu den Attentätern von Paris.

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Die beiden anderen kamen vermutlich bei den Selbstmordanschlägen ums Leben. Unklar ist noch, ob beide sich im Flughafen in die Luft sprengten, oder ob einer ein Selbstmordattentat in der U-Bahn im EU-Viertel rund eine Stunde später verübte. Bei den Selbstmordattentätern waren Ermittlungen zufolge Brüder. Khalid und Ibrahim ("Brahim") al-Bakraoui waren demnach der Polizei bekannt. Vergangene Woche konnten sie fliehen, als die Polizei bei einer Razzia in Brüssel den Paris-Attentäter Mohamed Belkaid stellte und erschoss. Auch Laachraoui war bei dem Zugriff entkommen.

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Dieser Mann soll Najim Laachraoui sein.
Dieser Mann soll Najim Laachraoui sein.(Foto: AP)

Laachraoui hatte unter dem falschen Namen Soufiane Kayal ein Haus im Süden Belgiens angemietet. Dort waren die Anschläge von Paris vorbereitet worden. Laachraoui war am 9. September in einem Auto mit Salah Abdeslam und Mohamed Belkaid an der österreichisch-ungarischen Grenze kontrolliert worden. Adeslam war vergangenen Freitag in Brüssel Molenbeek festgenommen worden, was die belgische Polizei als großen Coup sah. Der IS hatte sich auch zu den Anschlägen auf den Flughafen und eine U-Bahn-Station in Brüssel mit 34 Toten und mehr als 230 Verletzten bekannt.

Der 24 Jahre alte Laachraoui hätte ebenfalls eine Bombe zünden sollen, floh aber kurz vor den Explosionen - ob aus Panik oder wegen einer Panne, ist unklar. Örtlichen Behörden zufolge zeigen Bilder der Videoüberwachung auch, wie er seinen Gepäckwagen in der Ankunftshalle plötzlich stehen lässt und wegläuft.

Taxifahrer gab entscheidenden Hinweis

Auf die Spur der Bakraoui-Brüder brachte die Ermittler Medien zufolge ein Taxifahrer. Spezialeinheiten der belgischen Polizei durchsuchten bis tief in die Nacht hinein Gebäude in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek. Der Fahrer habe dort drei Männer von einer Wohnung abgeholt und zum Flughafen gefahren, berichtete der Sender VRT. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die Fahrgäste sich nicht mit dem Gepäck helfen lassen wollten. Es handelte sich den Ermittlungen zufolge um ebenjene drei Männer, die später am Flughafen gefilmt wurden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden in einer Wohnung eine IS-Flagge sowie ein Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen gefunden. Erst am frühen Morgen hob die Polizei die in Schaerbeek eingerichtete Sicherheitszone auf, sodass Anwohner in ihre Wohnungen zurückkehren konnten.

Sondertreffen der EU-Innenminister

Der belgische Ministerpräsident Charles Michel sagte, die Sicherheitskräfte wappneten sich gegen weitere Bluttaten. Am Abend fuhren laut Nachrichtenagentur Belga Militärfahrzeuge mit schwerbewaffneten Soldaten am Flughafen vor, um das Areal zu sichern. Der Flugverkehr soll frühestens am Donnerstag wieder aufgenommen werden können.

Der Zugverkehr in der Region soll sich indes im Laufe des Tages wieder normalisieren. Sowohl die Thalys-Hochgeschwindigkeitszüge als auch die ICE der Deutschen Bahn steuern Brüssel von Deutschland aus wieder an. Ebenso sollen die Eurostar-Züge zwischen London und Brüssel wieder fahren.

Wie die niederländische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte, könnte es bereits an diesem Donnerstag ein Sondertreffen der für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister geben. Belgien habe um ein Treffen gebeten, erklärte der für Sicherheit und Justiz zuständige niederländische Minister Ard van der Steur. Ein ähnliches Treffen hatte es nach den Anschlägen von Paris vom November gegeben.

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Quelle: n-tv.de

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