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Ein Flüchtling wartet in einem neuen Registrierungszentrum auf der griechischen Insel Lesbos.
Ein Flüchtling wartet in einem neuen Registrierungszentrum auf der griechischen Insel Lesbos.(Foto: dpa)

Massenflucht aus Syrien erwartet: Berlin schickt Athen Hilfe für Grenzschutz

Allen Verhandlungen zum Trotz eskalieren die Gefechte im Norden Syriens wieder. Die Türkei bereitet sich auf bis zu eine Million Flüchtlinge vor. Die Bundesregierung will indes deren Weiterreise in die EU verhindern und schickt Polizisten nach Griechenland.

Bei einem Treffen zur Flüchtlingskrise in Athen hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière Griechenland 100 weitere deutsche Polizisten und zwei Schnellboote zugesagt. Gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Bernard Cazeneuve forderte de Maizière am Vormittag in Athen, man müsse vereint und schnell handeln. "Sonst bricht innerhalb eines Jahres alles zusammen, was Europa sich innerhalb von Jahrzehnten mühsam erarbeitet hat", sagte der Innenminister mit Blick auf einen möglichen vorrübergehenden Ausschluss Griechenlands aus dem Schengen-Raum.

Die Gespräche mit dem griechischen Innenminister Panagiotis Kouroumblis seien sehr ergiebig gewesen, sagte de Maizière. Er lobte den großen Fortschritt bei der Errichtung der Registrierungszentren, der sogenannten Hotspots. Nun sei es nicht nur wichtig, die Flüchtlinge umfassend zu registrieren, sondern auch, die Zahl der Flüchtlinge, die nach Europa kommen, insgesamt zu reduzieren.

Thomas de Maizière mit seinen Amtskollegen Panagiotis Kouroumblis und Bernard Cazeneuve
Thomas de Maizière mit seinen Amtskollegen Panagiotis Kouroumblis und Bernard Cazeneuve(Foto: dpa)

Dazu sei auch die Türkei im Kampf gegen Schleuser gefordert, sagte de Maiziere. Neben Afghanen, Pakistanis und Irakern kommen vor allem Syrer über die Türkei nach Europa. Hunderte, wenn nicht Tausende sind bei der gefährlichen Überfahrt von der türkischen Küste ins EU-Land Griechenland gestorben.

Fast Hunderttausend auf dem Weg in die Türkei

Derweil bereitet sich die Türkei auf die Ankunft weiterer Flüchtlinge aus dem benachbarten Syrien vor, nachdem sich die Kämpfe in der Millionenstadt Aleppo wieder intensiviert haben. Wie türkische Medien berichteten, errichtete das Katastrophenschutzamt Afad ein neues Zeltlager zur Registrierung der erwarteten Flüchtlinge. Polizisten und Soldaten in der Gegend erhielten demnach eine Urlaubssperre.

Nach Angaben der syrischen Opposition öffnete die Türkei den Grenzübergang bisher aber noch nicht für Flüchtlinge. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte gestern gesagt, die Kämpfe um Aleppo hätten bereits rund 10.000 Menschen an die türkische Grenze getrieben. Weitere 70.000 Menschen seien auf dem Weg. Die Türkei, die nach Regierungsangaben bisher rund 2,5 Millionen Syrer aufgenommen hat, werde auch die neuen Flüchtlinge ins Land lassen.

Am Donnerstag stieg wieder Rauch auf über Aleppo
Am Donnerstag stieg wieder Rauch auf über Aleppo(Foto: REUTERS)

Die Zeitung "Hürriyet" zitierte einen ungenannten Kommandeur der sogenannten Freien Syrischen Armee (FSA) mit den Worten, bisher sei den Menschen an der Grenze der Zugang in die Türkei versperrt. Ankara solle zumindest Verwundete sowie Frauen und Kinder über die Grenze lassen, forderte er. Aleppo liegt nur etwa 60 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

Rebellen könnten eingekesselt werden

Aleppo wird teilweise von diversen Rebellengruppen beherrscht. Syrische Regierungstruppen hatten in den vergangenen Tagen jedoch mit Unterstützung durch russische Luftangriffe im Norden Aleppos wichtige Geländegewinne erzielt und die Versorgungsroute für die Rebellen aus der Türkei gekappt. Für den Fall, dass die Stadt an die Regierungstruppen fällt, rechnet die Türkei mit mehr als einer Million zusätzlicher Flüchtlinge.

Die regierungsnahe türkische Zeitung "Yeni Safak" berichtete, die Rebellen in Aleppo kontrollierten nun nur noch einen einzigen Grenzübergang in die Türkei. Dieser sei ebenfalls gefährdet, denn Damaskus wolle die Rebellen in Aleppo von allen Verbindungen ins Ausland abschneiden.

Nato kritisiert erneut Russland

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, die intensiven russischen Luftangriffe auf Seiten Assads hätten "vor allem Oppositionsgruppen in Syrien zum Ziel". Dadurch untergrabe Russland "die Bemühungen, eine politische Lösung in dem Konflikt zu finden".

In Genf hatte diese Woche unter UN-Vermittlung eine neue Runde von Friedensgesprächen zum Syrien-Konflikt stattgefunden. Sie wurden am Mittwoch jedoch bis zum 25. Februar ausgesetzt, weil es keine Fortschritte gegeben hatte. Der Westen warf der syrischen Regierung und Russland vor, die Unterbrechung durch eine Ausweitung des militärischen Vorgehens gegen die syrischen Rebellen verursacht zu haben.

Quelle: n-tv.de

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