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Schluss mit den Wartezelten: 10.000 Flüchtlinge sollen in Berlin künftig in Hotels leben.
Schluss mit den Wartezelten: 10.000 Flüchtlinge sollen in Berlin künftig in Hotels leben.(Foto: picture alliance / dpa)

50 Euro pro Flüchtling und Nacht : Berlin verhandelt über 10.000 Hotelbetten

Die Hauptstadt leidet unter chronischem Platzmangel: Schon jetzt sind viele Unterkünfte überfüllt - und täglich kommen weitere Flüchtlinge an. Der Berliner Senat will offenbar deshalb Tausende von ihnen in Hotels unterbringen. Ein teurer Notfallplan.

Der Berliner Senat verhandelt offenbar mit einer Hotelkette über eine mögliche längerfristige Anmietung von 10.000 Hotelplätzen für Flüchtlinge. Es gehe um 22 Hotels der Gesellschaft Grand City Hotels (GCH), berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Senatskreise. Das Unternehmen verlange für die Unterbringung einen Preis in Höhe von 50 Euro pro Bett und Nacht - ein Programm für die Betreuung und Integration sei "all inclusive".

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Pro Flüchtling fielen dann rund 1.500 Euro im Monat und 18.000 Euro im Jahr an - da der Senat eine mehrjährige Mietzeit anstrebe, könne das auf eine Belastung von mindestens 600 Millionen Euro hinauslaufen. Ein Senatsbeamter, den die Zeitung zitiert, sagte, er sehe vor allem die Höhe der Miete kritisch. Zu den Objekten, die für eine Anmietung infrage kämen, gehören vor allem Mittelklasse-Häuser - etwa das Hotel Berlin Mitte, das Berlin City East und das City West.

Wie es heißt, soll der Senat für die Hotels eine Auslastung von 95 Prozent in Aussicht gestellt haben. Zum Vergleich: Im normalen Betrieb liegt diese nach Brancheneinschätzung bei etwa 60 bis 65 Prozent. Dennoch scheinen die Verhandlungen nur stockend voranzukommen. Die Nachrichtenagentur dpa zitierte eine Senatssprecherin mit den Worten, es sei "offen, ob und wann es zu einem Ergebnis kommt".

Berlin hat ein Platzproblem

Sie verwies darauf, dass in Berlin weitere Unterkünfte für Flüchtlinge benötigt würden - einer Prognose des Senats zufolge sind es in diesem Jahr mindestens 30.000 Plätze. Deshalb werde mit Immobilieneigentümern verhandelt, und deshalb gebe es auch Sondierungen auf dem Hotelmarkt. Bereits jetzt werden Flüchtlinge in Berlin notgedrungen in Hotels oder Hostels einquartiert, weil es in der Stadt zu wenige Unterbringungsmöglichkeiten gibt. Zusätzlich hat der Senat 50 Turnhallen als Notunterkünfte beschlagnahmt.

Verantwortlich für die Unterbringung von Flüchtlingen ist in Berlin das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), das seit Monaten wegen der chaotischen Zustände vor dem Behördengebäude unter Beschuss steht. Zuletzt war auch Sozialsenator Mario Czaja wegen seines Umgangs mit der Flüchtlingsproblematik angezählt worden. Dem Bericht der "FAZ" zufolge soll er sich von dem Hotel-Deal aber einiges versprechen. Er habe den Leiter der Unterbringungstelle gebeten, das Angebot "prioritär" zu prüfen.

Quelle: n-tv.de

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