Politik

Nur noch mit Abi in die Krankenpflege?: Berlin warnt vor EU-Plänen

Die EU-Kommission will die Zugangsbedingungen zu einigen Berufsgruppen überarbeiten. Dazu gehört, dass künftig nur noch Abiturienten in Pflegeberufen eingesetzt werden sollen. Das stößt hierzulande auf Kritik. Die Bundesregierung befürchtet einen Fachkräftemangel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bundesregierung hat sich in Brüssel gegen EU-Pläne stark gemacht, nach denen Krankenpfleger und Krankenschwestern künftig zwölf Jahre zur Schule gehen müssen. "Wir wollen erhalten, dass man in Deutschland nach zehn Schuljahren Pfleger werden kann", sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr in Brüssel. "Wir hätten sonst einen Notstand. Wir haben schon heute einen drohenden Fachkräftemangel in der Pflege." Der FDP-Politiker warb in Brüssel bei Treffen mit EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg und Europaabgeordneten für die deutsche Position.

Die EU-Kommission will im Zuge einer Aktualisierung der Richtlinie für Berufsqualifikationen festschreiben, dass zwölf Schuljahre die Mindestanforderung sind für die Ausbildung in dem Bereich. In Deutschland sind dafür bislang zehn Schuljahre vorgeschrieben, die EU-Pläne für ein "Pflegeabitur" stoßen daher auf breite Kritik. "Wir wollen daran festhalten, dass auch weiterhin Haupt- und Realschüler die Möglichkeit zum Zugang in die Pflege haben und hier weiterhin eine Berufsperspektive sehen", sagte Bahr.

Eine Änderung sei für Deutschland ein "erhebliches Problem", warnte der Gesundheitsminister vor der vorentscheidenden Abstimmung im zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments am 23. Januar. Gesundheitskommissar Borg zeigte sich Bahr zufolge verständnisvoll für die Bedenken Deutschlands und offen für einen Kompromiss. Der könne lauten, dass für Pfleger und Krankenschwestern eine Schulzeit von "mindestens" zehn Jahren festgeschrieben werde. "Das wäre, glaube ich, ein guter Weg", sagte Bahr.

Quelle: n-tv.de

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