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Kerzen für ein Hirngespinst: Viele Menschen hatten die Geschichte des Lageso-Helfers geglaubt.
Kerzen für ein Hirngespinst: Viele Menschen hatten die Geschichte des Lageso-Helfers geglaubt.(Foto: dpa)

Ärger um erfundenen Lageso-Toten: Berliner Senator fordert rechtliche Folgen

Ein Flüchtlingshelfer aus Berlin erfindet den Tod eines jungen Syrers - und sorgt damit landesweit für Entrüstung. Innensenator Frank Henkel fordert nun, die "miese" Lüge müsse rechtliche Konsequenzen haben. Und er will Entschuldigungen.

Nach dem erfundenen Tod eines Flüchtlings in Berlin fordert Innensenator Frank Henkel jetzt rechtliche Konsequenzen für den Helfer am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), der sich die Geschichte ausgedacht hat. "Das ist eine der miesesten und perfidesten Aktionen, die ich jemals erlebt habe", sagte Henkel dem "Tagesspiegel". "Berlins Behörden mussten über Stunden mit hohem Aufwand nach einem erfundenen 'Lageso-Toten' suchen." Geschadet habe er auch den vielen Ehrenamtlichen, die in der Stadt "jeden Tag wichtige Arbeit leisten".

Berlins Innensenator Frank Henkel.
Berlins Innensenator Frank Henkel.(Foto: imago/Markus Heine)

Ein Ehrenamtlicher der Initiative "Moabit hilft" hatte am Mittwoch behauptet, dass ein 24-jähriger Syrer in der Nacht an einem Herzstillstand gestorben sei. Er habe zuvor tagelang vor der Behörde angestanden, um einen Termin zu bekommen, und sich dabei erkältet. Der Helfer schrieb bei Facebook, er habe den stark fiebernden Mann am Vorabend zu sich geholt, weil er nicht gut ausgesehen habe. Als sich sein Zustand verschlechterte, habe er einen Krankenwagen gerufen - auf dem Weg in eine Klinik sei er dann gestorben.

Die Nachricht hatte in der Hauptstadt für Empörung gesorgt. Die Sprecherin von "Moabit hilft", Diana Henniges, forderte lautstark den Rücktritt von Sozialsenator Mario Czaja. Auch gegen sie richtet sich Henkels Kritik. "Verantwortung tragen auch diejenigen, die den erfundenen Fall ohne jegliche Grundlage bestätigt haben", sagte der CDU-Politiker. "Wer solche Gerüchte streut und ungeprüft weiterverbreitet, legt es bewusst darauf an, die Stimmung in unserer Stadt zu vergiften."

Henkel fordert Entschuldigungen

Auch von einigen Politikern erwarte Henkel Entschuldigungen. So hatte etwa die Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop nach Bekanntwerden des Falles Zweifel daran geäußert, ob Senator Czaja noch zu halten sei, sollte sich der Tod des Flüchtlings bestätigen. "Er ist nicht schuldig, aber verantwortlich", hatte sie gesagt. Und: "Wir haben es alle kommen sehen."

Zu diesem Zeitpunkt war der Helfer, der die Todesnachricht verbreitet hatte, schon in seiner Wohnung untergetaucht. Am Abend gestand er der Polizei schließlich, alles nur erfunden zu haben. Was ihn dazu trieb, ist bisher nicht bekannt. Sein Facebook-Profil hat er gelöscht. Bis auf die Polizei war er für niemanden zu erreichen – auch nicht für die Initiatoren von "Moabit hilft".

Trotz allem verteidigte der Verein den Mann in einer Stellungnahme - und damit auch die eigene Vorgehensweise. Man habe den Helfer "als verlässlichen und integren Unterstützer" kennengelernt, "der sich auf unterschiedlichste Weise für viele geflüchtete Menschen engagiert" habe. "wir sind kein Unternehmen mit ausgefeilten Compliance Regeln", hieß es weiter. "Wir wollen, können und müssen uns auf diese Menschen verlassen und vertrauen ihnen."

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Quelle: n-tv.de

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