Politik

Äußerungen eines Gestressten: Berlusconi hält Rom in Atem

Dass Silvio Berlusconi für eine Überraschung gut ist, ist bekannt. Nun kündigt der 76-Jährige an, dass sein politischer Ziehsohn Alfano Regierungschef werden solle. Aber auch Monti könnte bleiben, wenn er als Führer aller "gemäßigten Kräfte" antrete.

Silvio Berlusconi sorgt weiter für Unruhe.
Silvio Berlusconi sorgt weiter für Unruhe.(Foto: AP)

Silvio Berlusconi stürzt seine Mitte-Rechts-Partei PdL immer mehr in die Konfusion. Parteichef Angelino Alfano sei in der "Pole Position" für das Amt des italienischen Regierungschefs, sagte ein gestresst wirkender "Cavaliere" in Rom. Vier Tage zuvor hatte er noch erklärt, selbst bei den im Februar anstehenden Parlamentswahlen wieder antreten zu wollen.

Berlusconi sagte auch, er könnte auf seine Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten verzichten, falls Mario Monti als Führer aller "gemäßigten Kräfte" antreten sollte. Dabei müsse aber auch die rechtspopulistische Lega Nord, die jahrelang Berlusconis Regierungspartner war, eingeschlossen sein.

Ministerpräsident Monti hatte am Wochenende erklärt, demnächst zurücktreten zu wollen, weil seinem Kabinett der "Technokraten" von Berlusconis PdL im Parlament die Unterstützung entzogen wurde.

Falls Monti eine Koalition aller Gemäßigten führen werde, kümmere er sich um seine Partei, sagte Berlusconi. Er hatte mit seiner Erklärung vom Samstag, wieder zu kandidieren, eine Welle der Ablehnung bei europäischen Partnern Italiens ausgelöst.

Der 76-jährige Medienzar und Milliardär hatte jedoch bereits vor Monaten auch gesagt, nicht gegen Monti in das Rennen gehen zu wollen. Sofort nach der Entscheidung vom Samstag spekulierten Medien, ob Berlusconi wohl diesmal bei seinem Wort bleibe. Monti hat sich bisher noch nicht zu seinen Zukunftsplänen geäußert.

Schwingen der deutschen Keule

Berlusconi hatte dem Technokraten-Kabinett des parteilosen Monti in der vergangenen Woche das Vertrauen entzogen und ihn einer "deutschen Sparpolitik" zum Schaden Italiens beschuldigt. Deshalb wird die Parlamentswahl vom Frühjahr auf den Februar 2013 vorgezogen.

Erst an diesem Dienstag hatte er mit Kritik an Monti und Deutschland den Wahlkampf eingeleitet. Monti habe eine "zu deutschlandzentrierte Politik betrieben", sagte der 76-Jährige zu seinem Medienimperium gehörenden Sender Canale 5. Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in Berlin umgehend ihre Unterstützung für die Reformen Montis.

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Quelle: n-tv.de

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