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Guido Wolfs Vater starb eine Woche vor der Wahl.
Guido Wolfs Vater starb eine Woche vor der Wahl.(Foto: picture alliance / dpa)

Interview mit Guido Wolf: Beten Sie auch für die Kanzlerin?

In Baden-Württemberg steht die CDU vor einer historischen Wahlschlappe. Spitzenkandidat Guido Wolf verrät im Interview, wie er Ministerpräsident Kretschmann noch schlagen will. Dabei setzt er vor allem auf die Deutschland-Koalition.

n-tv.de: Ihr Vater ist am Wochenende gestorben, eine Woche vor dem Wahltag. Denkt man in so einer Situation darüber nach, alles hinzuwerfen?

Guido Wolf: Nein, aber man spürt, dass es im Leben Wichtigeres gibt als die Politik. Ich fühle mich spontan veranlasst, erst einmal zur Ruhe zu kommen und mir eine gewisse Auszeit zu geben. Das haben wir im Familienkreis am Sonntag gemacht.

Kanzlerin Angela Merkel freut sich über die Unterstützung von Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Wählen sollen die Menschen im Ländle aber Guido Wolf (r.) und die CDU.
Kanzlerin Angela Merkel freut sich über die Unterstützung von Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Wählen sollen die Menschen im Ländle aber Guido Wolf (r.) und die CDU.(Foto: dpa)

Sie haben vor einigen Monaten noch das Wahlziel 40plus ausgegeben. In Umfragen stehen Sie bei 30 Prozent. Was ist schiefgelaufen?

Wir sind in einer schwierigen Situation, aber die politischen Rahmenbedingungen haben sich verändert. Vor ein paar Monaten konnte niemand davon ausgehen, dass sich die AfD möglicherweise im zweistelligen Bereich im Landtag wiederfinden würde. Das wirbelt die Stimmanteile der Parteien durcheinander.

Wie motivieren Sie sich in dieser schwierigen Situation?

Die Zahlen für die CDU können uns ganz sicher nicht gefallen. Aber bis zur Stunde gibt es keine Mehrheit für Grün-Rot in einer Umfrage. Unser Ziel bleibt es daher, Teil der nächsten Regierung zu werden und den Ministerpräsidenten zu stellen. Eine Umfrage jagt die nächste. Auch so kurz vor der Wahl müssen wir für unsere politischen Konzepte werben und mobilisieren.

Das klingt, als würden Sie sich darüber ärgern, dass es so viele Umfragen gibt.

Ich kann mich nicht erinnern, dass es früher kurz vor Wahlen in dieser Dichte Umfragen gegeben hat. Natürlich freue ich mich nicht über schlechte Umfragen für mich persönlich. Aber ich finde es auch gefährlich, wenn Umfragen alle paar Tage aufzeigen, dass eine Partei wie die AfD hochprozentig in den Landtag kommen könnte.

Vor einigen Wochen haben Sie gemeinsam mit Julia Klöckner eine restriktivere Flüchtlingspolitik und unter anderem die Einführung von Tageskontingenten gefordert. Dies stieß in der eigenen Partei auch auf Kritik. War das rückblickend falsch?

Ich verstehe die Aufregung darüber nicht. Selbstverständlich unterstützen wir die Kanzlerin auf ihrem Weg zu einer europäischen Lösung. Aber dennoch müssen wir darauf achten, dass die Unterbringungskapazitäten der Kommunen nicht überfordert werden. Auf dem Weg zu einer europäischen Lösung müssen Zwischenschritte gegangen werden, um das Ziel zu erreichen.

Nervt es Sie, dass die Flüchtlingspolitik diesen Wahlkampf so dominiert?

Als Wahlkämpfer kann man sich die Themen nicht immer aussuchen. Mir war schon vor Monaten klar, dass die Flüchtlingskrise auf der Agenda bleibt. Wir müssen mit den Menschen darüber diskutieren. Am 13. März geht es aber auch um Landespolitik, um Bildung und Innere Sicherheit.

Beten Sie eigentlich für Angela Merkel?

Ich bete, ich sage in der Öffentlichkeit aber nicht, für wen.

Ministerpräsident Kretschmann hat kürzlich in einem Interview gesagt, dass er für Merkel beten würde. Ärgern Sie sich darüber, dass Kretschmann so viel Nähe zur Kanzlerin demonstriert?

Ich wundere mich sehr darüber, dass er einerseits Nähe zur Kanzlerin vorgibt und andererseits konkrete Unterstützung vermissen lässt. Unterstützen setzt immer auch aktives Tun voraus. Unterstützen hieße auch, dafür zu sorgen, dass die Grünen im Bundesrat das Asylpaket II nicht komplett blockieren. Wir hätten Marokko, Algerien und Tunesien schon für sicher erklären können, wenn Grün-Rot in Baden-Württemberg und Rot-Grün in Rheinland-Pfalz das nicht verhindert hätten. Kretschmanns vorgetäuschte Nähe passt nicht mit seiner tatsächlichen Politik zusammen.

Frau Merkel hat bei Anne Will gesagt, dass sie sich über die Unterstützung Kretschmanns freut. Hätten Sie sich gewünscht, dass sie stärker auf Distanz geht zu ihm?

Frau Merkel hat bei Anne Will auch gesagt: Wer meinen Kurs unterstützt, der muss in Baden-Württemberg CDU wählen. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Kretschmann liegt in Direktwahl-Umfragen deutlich vor Ihnen. Ist er einfach zu beliebt, um ihn schlagen zu können?

Es ist nicht neu, dass amtierende Ministerpräsidenten beliebter sind als Herausforderer. Doch am Ende wird immer auch über Inhalte entschieden. Bei vielen Wahlen hat nicht die Beliebtheit eines Kandidaten, sondern die Unzufriedenheit der Menschen entschieden. Das wird am 13. März auch so sein.

Muss die CDU nach dem 13. März - wenn es nicht anders geht - Grün-Schwarz eingehen, also eine Koalition als Juniorpartner eines grünen Ministerpräsidenten?

Die Umsetzung von Inhalten und ein Politikwechsel für Baden-Württemberg sind uns wichtiger als eine Regierungsbeteiligung. In einer grün-schwarzen Koalition wird dieser von uns angestrebte Politikwechsel derzeit nicht möglich. Ein grüner Ministerpräsident, der die Richtlinien der Politik bestimmt, würde CDU-Inhalte ausbremsen.

Die sogenannte Deutschland-Koalition, die schon der frühere CDU-Ministerpräsident Oettinger ins Gespräch gebracht hat …

Ich könnte dem etwas abgewinnen. Bei historisch derart großen Herausforderungen erwarten die Menschen, parteiübergreifende Schulterschlüsse. Aber wir legen uns nicht fest. Wir werden nach der Wahl mit Grünen, SPD und FDP über alle möglichen Formen einer Zusammenarbeit sprechen - unter Führung der CDU.

Heißt das Grün-Schwarz gibt es nur mit Ihnen nicht oder generell nicht?

Grün-Schwarz ist für die CDU keine Perspektive, weil wir am Wahlabend vorne liegen werden.

Mit Guido Wolf sprach Christian Rothenberg

Quelle: n-tv.de

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