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Bundeskanzlerin Merkel  während der Eröffnung der Ausstellung "GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung" vor einem historischen Foto.
Bundeskanzlerin Merkel während der Eröffnung der Ausstellung "GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung" vor einem historischen Foto.(Foto: dpa)

Merkel macht "GrenzErfahrungen": Bewegendes im Berliner "Tränenpalast"

Was Berlin für Besucher unter anderem so spannend macht, ist ihre spezielle Geschichte, die Teilung einer ganzen Stadt. Diese Teilung kann man jetzt in einer neuen Ausstellung an historischem Ort nacherleben: im "Tränenpalast" am Bahnhof Friedrichstraße, der zwischen 1962 und 1989 die Abfertigungshalle für Ausreisende aus der DDR war.

Im "Tränenpalast" am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin-Mitte wird jetzt mit einer Ausstellung an die deutsche Teilung erinnert. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kulturstaatsminister Bernd Neumann nahmen bei der Eröffnung am 14. September 2011 am ersten Rundgang durch das Gebäude teil, das zwischen 1962 und 1989 als Abfertigungshalle für Ausreisende aus der DDR gedient hatte.

Merkel hat im Tränenpalast selbst "sehr, sehr traurige" Momente erlebt.
Merkel hat im Tränenpalast selbst "sehr, sehr traurige" Momente erlebt.(Foto: dpa)

Der authentische Ort sei eine Mahnung, auch immer wieder für Freiheit einzutreten - auch wenn Meinungs- und Reisefreiheit selbstverständlich geworden seien, sagte Merkel. Sie habe selbst mit den Eltern oft hier gestanden, um ihre Großmutter zu verabschieden, sagte die im Osten aufgewachsene Kanzlerin. "Siehst du sie wieder? Gibt es überhaupt ein Wiedersehen im nächsten Jahr? Das war schon sehr, sehr traurig", sagte Merkel nach einem Rundgang durch die Ausstellung.

Schau lebt von originalen Objekten

"Der Tränenpalast erinnert wie kaum ein anderer historischer Ort an die Teilung Deutschlands und die damit verbundenen Schicksale", erklärte Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, anlässlich der Eröffnung. Die Stiftung präsentiert im Tränenpalast die Ausstellung "GrenzErfahrungen".

In der früheren Abfertigungshalle für Ausreisen nach West-Berlin werden originale Schilder, Fotos und Dokumente gezeigt.
In der früheren Abfertigungshalle für Ausreisen nach West-Berlin werden originale Schilder, Fotos und Dokumente gezeigt.(Foto: dpa)

Auf 550 Quadratmetern führt sie in die Realität der zwei deutschen Staaten zurück. Zu sehen sind unter anderem eine originale Grenzaberfertigungskabine und ein zwei mal zwei Meter großes Modell der Grenzabfertigungsanlagen. Außerdem können die Besucher Videoberichte von Zeitzeugen, geschmuggelte Bücher, zahlreiche historische Dokumente und Fotos sehen.

Name vom Volksmund geprägt

Der trapezförmige Pavillon, der im Volksmund wegen der vielen traurigen Abschiedsszenen dort schnell als "Tränenpalast" bekannt wurde, wurde nach dem Mauerbau errichtet. Jeder, der die DDR auf dem Schienenweg verlassen wollte, musste ihn durchqueren.

Naumann, Merkel und Hütter am Modell von Bahnhof Friedrichstraße und Tränenpalast.
Naumann, Merkel und Hütter am Modell von Bahnhof Friedrichstraße und Tränenpalast.(Foto: dpa)

An dem Grenzübergang starben nach Angaben des Hauses der Geschichte von 1962 bis 1990 mehr als 200 Menschen. Gerade ältere Ostdeutsche hätten die psychischen und körperlichen Belastungen bei den Kontrollen nicht verkraftet.

Langer Leerstand

Nach dem Mauerfall war der Tränenpalast zunächst für Rockkonzerte genutzt worden. 2003 stellte das Land ihn unter Denkmalschutz. Seit 2006 stand er leer, nachdem das Land Berlin das Gelände mit dem Palast an einen Investor verkauft hatte. Dieser ließ dort das wegen seiner massiven Architektur umstrittene Bürohaus "Spreedreieck" errichten. Seit Januar 2010 ist der Bund Mieter im Tränenpalast.

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Quelle: n-tv.de

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