Dienstag, 03. August 2010
RWE verschiebt Reststrommenge : Biblis B kann länger laufen
Nur wenige Tage nach einem Zwischenfall im Atomkraftwerk Biblis B überträgt der Energiekonzern RWE Strommengen des stillgelegten Kraftwerk Mülheim-Kärlich auf Biblis B. Damit kann eines der ältesten Atomkraftwerke Deutschlands länger am Netz bleiben.
Aufgrund seiner langen Laufzeit gehört der Meiler von Biblis zu den umstrittensten Atomkraftwerken Deutschlands.
(Foto: dpa)
Das Kernkraftwerk Biblis B in Südhessen kann nach Angaben des Betreibers RWE wie geplant länger am Netz bleiben. Auf Biblis B sei eine Reststrommenge von 8100 Gigawattstunden (GWh) vom stillgelegten Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich (KMK) übertragen worden, bestätigte RWE. Damit betrage die Reststrommenge zum 30. Juni 2010 nun rund 14.000 statt bisher rund 6000 Gigawattstunden.
Damit kann der Reaktor eines der ältesten Atomkraftwerke Deutschlands laut RWE fast ein Jahr länger laufen. Der Reaktor hätte ohne die Übertragung sonst im Januar 2011 abgeschaltet werden müssen. Die Übertragung der Reststrommenge hatte zuvor schon das Bundesamt für Strahlenschutz mitgeteilt.
Im Zuge des rot-grünen Atomkonsenses waren im Jahr 2002 Reststrommengen für alle Kraftwerke im Atomgesetz festgeschrieben worden. Die Atomkonzerne erhielten so die Möglichkeit, Strommengen ohne behördliche Zustimmung von älteren auf neuere Kernkraftwerke zu übertragen. Auf Biblis dürfen insgesamt 21.450 Gigawattstunden übertragen werden.
Zwischenfall am Freitag
Für das stillgelegte Kraftwerk Mülheim-Kärlich wurde laut RWE festgelegt, dass von einer Strommenge von gut 107.000 Gigawattstunden ohne behördliche Zustimmung knapp 21.500 auf Biblis B übertragen werden dürfen. Ein Zwischenfall in dem hessischen Kraftwerk hatte am Freitag die Behörden vorübergehend in Alarmbereitschaft versetzt: Durch Wartungsarbeiten im Block B wurde die Stromversorgung kurzzeitig unterbrochen, ein Teil des Notfallsystems für den Block war für etwa eine Minute spannungslos.
Koalition bereitet Energiekonzept vor
Die aktuelle schwarz-gelbe Koalition in Berlin bereitet gerade eine Regelung vor, nach der Atomkraftwerke grundsätzlich länger am Netz bleiben können. Im Herbst soll ein Energiekonzept vorliegen.
In München untermauerte Bayerns CSU/FDP-Regierung ihre Forderung nach längeren Laufzeiten der Atommeiler demonstrativ mit einem Kabinettsbeschluss. Eine Befristung der Atomlaufzeiten sieht das im Kabinett beschlossene bayerische Energiekonzept nicht vor.
Das unter Federführung von Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) ausgearbeitete Papier ist die offizielle bayerische Position für die Verhandlungen mit der Bundesregierung. Die Staatsregierung will außerdem die alternativen Energien ausbauen - bis 2030 sollen 40 Prozent der bayerischen Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen kommen.
dpa/AFP
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