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Wer wenig Erfahrungen mit dem deutschen Bildungssystem hat, meidet die Kita.
Wer wenig Erfahrungen mit dem deutschen Bildungssystem hat, meidet die Kita.(Foto: dpa)

Kita-Besuch von Zuwandererkindern: Bildungsgrad der Eltern entscheidet

Familien mit Migrationshintergrund unterscheiden sich in manchem kaum noch von deutschen. Bei der Entscheidung, ob ihr Kind eine Kita besucht beispielsweise, sind sich bildungsnahe Elternhäuser über Nationalitätengrenzen hinaus einig: Hat ein Elternteil Abi, geht das Kind in den Kindergarten.

Auch in Zuwandererfamilien ist die Schulbildung der Eltern oft entscheidend dafür, ob ihre Kinder bereits im Alter von ein oder zwei Jahren eine Kinderkrippe besuchen. Fast die Hälfte (48,6 Prozent) der Familien der zweiten Zuwanderergeneration und der binationalen Familien schickt ihr Kind in eine Kita, wenn ein Elternteil Abitur hat, wie aus einer Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen (SVR) für Integration und Migration hervorgeht. Bei den Familien ohne Migrationshintergrund ist der Anteil mit 51,3 Prozent etwa genauso hoch.

"Ob sich Eltern mit Migrationshintergrund für eine Kindertagesbetreuung entscheiden, hängt maßgeblich von ihrem Bildungsstatus ab", erklärte der Leiter des SVR-Forschungsbereichs, Jan Schneider. Damit zeige sich in diesem Bereich das gleiche Muster wie bei Schulen: "Die Bildung der Eltern wirkt sich massiv auf die Startchancen von Kindern aus."

Generationen unterscheiden sich

Bei Familien mit Migrationshintergrund gibt es laut der in Kooperation mit der Vodafone-Stiftung entstandenen Untersuchung einen großen Unterschied zwischen den Zuwanderer-Generationen. Nur Eltern der ersten Generation, die selbst nach Deutschland zugewandert seien und vergleichsweise wenig Erfahrung mit dem hiesigen Bildungssystem hätten, betreuten ihre Kinder meist zuhause, heißt es in der Studie. Bei Eltern der zweiten Generation oder Eltern in einer binationalen Partnerschaft hänge die Entscheidung für oder gegen einen Krippenbesuch von ihrer Schulbildung ab.

Mehr als ein Drittel der Eltern, die ihr Kind zuhause erziehen, wird laut SVR von den Kosten der Kinderbetreuung abgeschreckt. Dies trifft demnach vor allem auf Familien mit niedrigem Bildungsniveau zu. Kritisch sehen die Forscher vor diesem Hintergrund das geplante Betreuungsgeld, das ab August jene Eltern erhalten sollen, die ihre Kinder im Alter bis zu drei Jahren nicht in eine staatlich geförderte Kita geben. "Es spricht vieles dafür, dass sich diese Eltern in Abwägung von Kosten und Nutzen noch eher für eine Betreuung ihres Kindes zuhause entscheiden", erklärte SVR-Forscher Schneider.

"Solange die Zugangshürden zur Kindertagesbetreuung nicht beseitigt werden, gibt es keine echte Wahlfreiheit zwischen einem Krippenplatz und einer ausschließlichen Betreuung in der Familie", zeigte sich Schneider überzeugt. Dabei profitieren nach Ansicht der SVR-Forscher gerade Kinder aus Zuwanderer- und bildungsfernen Familien etwa beim Spracherwerb vom Besuch einer Kita.

Quelle: n-tv.de

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