Sonntag, 14. Juni 2009
Demos und Universitäts-Besetzungen: Bildungsstreik startet
Mit Demonstrationen, Vorlesungs-Boykott und Universitäts-Besetzungen wollen Studenten und Schüler von Montag an in mehr als 70 Städten gegen Missstände im Bildungssystem kämpfen. Das Bündnis "Bildungsstreik 2009" fordert deutliche Veränderungen bei den Bachelor- und Masterstudiengängen, die mit der vor zehn Jahren verabredeten Bologna-Reform eingeführt worden waren. Die Reform sollte die Studienstruktur in den EU-Mitgliedsstaaten vereinfachen. Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, warf den Uni-Kritikern Rufschädigung vor.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Die Studenten kritisieren, dass die neuen Studiengänge keine Zeit für vertiefende Studien mehr lassen. Sie fordern außerdem die Abschaffung der Studiengebühren. Die Proteste der Schüler richten sich unter anderem gegen eine "überhastet eingeführte Schulzeitverkürzung" sowie gegen ein aus ihrer Sicht überholtes Notensystem. "Wir wollen Aufsehen erregen, Druck machen und eine andere Bildungspolitik einfordern", hatten die Sprecher der Studenten-Bündnisse und der Schülerorganisationen angekündigt.
"Geist der Destruktion"
Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Wintermantel, schrieb in einem Beitrag für die Berliner "Tageszeitung" (taz): "Es ist schwer nachzuvollziehen, wie manche Studierende und Professoren derzeit die eigene Hochschulbildung schlecht reden." Es sei "schädlich und dumm", die Universitäten als "Verdummungsanstalten zu diffamieren". Der CDU-Bildungspolitiker Michael Kretschmer warnte vor gewaltsamen Schüler- und Studentenunruhen mit brennenden Barrikaden wie in Frankreich und Griechenland. "Diese Veranstaltung trägt den Geist der Destruktion in sich", sagte er.
Die Organisatoren des "Bildungsstreiks" werden zum Teil auch von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt. Verdi-Chef Frank Bsirske hatte erklärt, der Protest der Schüler und Studierenden sei "gut und überfällig". Deutschland rangiere mit seinen Bildungsausgaben im weltweiten Vergleich der Industrienationen in allen Bereichen auf den hinteren Plätzen. Deshalb sei der Veränderungsbedarf des deutschen Bildungssystems "auf allen Ebenen offensichtlich".
dpa
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