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Blackwater-Söldner im Irak: Der privaten Sicherheitsfirma wurden nach dem Vorfall auf dem Nussir-Platz alle Verträge der US-Regierung entzogen.
Blackwater-Söldner im Irak: Der privaten Sicherheitsfirma wurden nach dem Vorfall auf dem Nussir-Platz alle Verträge der US-Regierung entzogen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Tödliches Massaker im Irak: Blackwater-Mitarbeiter schuldig gesprochen

"Warum schossen sie auf Frauen und Kinder, die unbewaffnet waren?", fragt Staatsanwalt Asuncion die Angeklagten. Es sind Sicherheitsleute der US-Firma Blackwater. 2007 sollen sie 14 irakische Zivilisten erschossen haben. Ein unprovoziertes Blutbad?

Vier ehemalige Angestellte der privaten Sicherheitsfirma Blackwater sind in den USA wegen der Tötung von Zivilisten im Irak im Jahr 2007 verurteilt worden. Ein Bundesgericht in Washington befand einen der Angeklagten des Mordes schuldig, während die drei anderen Männer sich wegen Totschlags und unerlaubter Waffennutzung verantworten müssen. Laut der US-Zeitung "New York Times" nahmen die Männer die Verlesung des langen Urteils ohne Regung zur Kenntnis.

Nicholas Slatten eröffnete nach Ansicht des Gerichtes als erster das Feuer. Er wurde wegen Mordes verurteilt.
Nicholas Slatten eröffnete nach Ansicht des Gerichtes als erster das Feuer. Er wurde wegen Mordes verurteilt.(Foto: AP)

Bei dem Vorfall auf dem belebten Nissur-Platz in Bagdad am 16. September 2007 kamen insgesamt 14 irakische Zivilisten ums Leben, als die Männer mit Maschinengewehren und Granatwerfern in eine Menschenmenge feuerten. Mehr als 20 Menschen wurden verletzt, einige davon schwer.

Durch die Tat, die in vielen Ländern antiamerikanische Proteste aufkommen ließ, kam der größte private US-Sicherheitsanbieter stark in Verruf und sah sich Vorwürfen der Unzurechnungsfähigkeit ausgesetzt. Dem Unternehmen, das vor allem mit dem Schutz von US-Botschaftsmitarbeitern beauftragt war, wurden daraufhin alle Verträge im Irak gekündigt.

"Warum schossen sie auf Kinder?"

Die früheren Blackwater-Söldner gaben an, dass sie auf dem Platz von Aufständischen angegriffen worden seien und dass die getöteten Zivilisten ein unbeabsichtigter Kollateralschaden bei ihrer Verteidigung gewesen seien.

Mohammed Hafiz zeigt ein seines zehnjährigen Sohnes Ali, der bei dem Angriff auf die Menschenmenge auf dem Nussir-Platz ums Leben kam.
Mohammed Hafiz zeigt ein seines zehnjährigen Sohnes Ali, der bei dem Angriff auf die Menschenmenge auf dem Nussir-Platz ums Leben kam.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Nicholas Slatten, der nach Ansicht des Gerichtes als erstes Schüsse in die Menge abgegeben hatte, wurde wegen Mordes verurteilt. Die anderen drei - Paul Slough, Evan Liberty und Dustin Heard - entgingen einer Verurteilung wegen Mordes, da die Staatsanwalt es versäumt hatte, rechtzeitig Anklage gegen sie zu erheben und die Frist für eine entsprechendes Verfahren damit verstrichen war.

Die über Monate laufende Verhandlung stellte sich als besonders kompliziert dar, da der Versuch unternommen wurde, die Verbindung zwischen jedem der vier Täter und 14 Opfer klarzustellen. Bei seinem Schlussplädoyer beschuldigte Staatsanwalt Anthony Asuncion die Angeklagten, auf unschuldige Zivilisten gefeuert zu haben. Diese seien unbewaffnet gewesen und hätten keinerlei Gefahr dargestellt. "Warum feuerten sie auf so viele unschuldige Menschen. Warum?", fragte der Vertreter der Anklage. "Warum schossen sie auf Frauen und Kinder, die unbewaffnet waren?"

Ähnlich wie die Vorfälle im Gefängnis von Abu Ghraib und das Massaker durch US-Marines an 24 Irakern gilt der Vorfall vom Nissur-Platz als einer der Tiefpunkte des US-Einsatzes im Irak. Blackwater, das sich mittlerweile in Academi umbenannt hat, wurde daraufhin international zum Symbol US-amerikanischer Rücksichtslosigkeit und entfachte eine Debatte über die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes privater Firmen für nationale Sicherheitsinteressen der USA.

Iraker misstrauten Verfahren

Im Irak wurde das rund sieben Jahre dauernde Verfahren mit großem Misstrauen betrachtet. Die irakische Regierung wollte den Männern zunächst im eigenen Land den Prozess machen, die USA lehnten dies jedoch ab. Es wurde bezweifelt, dass ein US-Gericht eigene Bürger wegen der Tötung von Irakern verurteilen würde, was sich durch zahlreiche Ermittlungspannen noch verstärkte.

So gab es Anzeichen, dass Behördenvertreter nach der Tat Patronenhülsen auf dem Platz einsammelten, um die Blackwater-Mitarbeiter zu schützen. Später gewährte das US-Außenministerium den Männern "begrenzte Immunität", wie die "New York Times" schreibt. 2009 stellte ein Richter das Verfahren vorübergehend ein, da er den Umgang des Ministeriums mit Beweismitteln bemängelte. Ein Berufungsgericht nahm es anschließend wieder auf.

Quelle: n-tv.de

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