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Politik
Drei Jahre lang hatte sich Blair Kritik an seinem Nachfolger versagt, jetzt nimmt er kein Blatt vor den Mund.

Drei Jahre lang hatte sich Blair Kritik an seinem Nachfolger versagt, jetzt nimmt er kein Blatt vor den Mund.
(Foto: AP)

Mittwoch, 01. September 2010

Die Katastrophe Brown: Blair rechnet ab

Der ehemalige britische Premierminister Blair nutzt seine jetzt veröffentlichten Memoiren zur schonungslosen Abrechnung mit seinem Nachfolger Brown. Der frühere Schatzmeister konnte als Premier "niemals funktionieren", weil er "null emotionale Intelligenz" habe, meint Blair; Brown sei schlichtweg "unerträglich". Es sei von Anfang an "unklug" gewesen, dass ihn Brown als Premierminister ersetzt habe.

"Unerträglich", "schwierig", "null emotionale Intelligenz" - der frühere britische Premierminister Tony Blair hat in seinen Memoiren mit seinem Nachfolger und einstigen innerparteilichen Gegenspieler Gordon Brown abgerechnet. In dem mit Spannung erwarteten und nun endlich erschienenen Buch "A Journey" ("Eine Reise") schreibt Blair, Browns Zeit an der Regierungsspitze sei "eine Katastrophe" gewesen. Es sei ihm immer klar gewesen, dass Brown als Premier "niemals funktionieren" werde, da der frühere Schatzkanzler "null emotionale Intelligenz" habe.

Vor dem Erscheinen des Buches sickerte nichts aus dem Inhalt durch.

Vor dem Erscheinen des Buches sickerte nichts aus dem Inhalt durch.
(Foto: AP)

Über den Inhalt des Buches und mögliche brisante Enthüllungen war in Großbritannien seit Monaten diskutiert worden, da er streng geheim gehalten wurde. Die Beziehung zwischen ihm und seinem Parteikollegen sei "ehrlich gesagt schwer, bis hin zu unmöglich" gewesen, sagte Blair in einem Interview mit der BBC, aus dem der Sender unmittelbar vor dem Verkaufsstart Auszüge ausstrahlte. Es sei von Anfang an "unklug" gewesen, dass ihn Brown als Premierminister ersetzt habe: "Es konnte nicht funktionieren."

Brown übernahm im Jahr 2007 den Parteivorsitz und das Amt des Regierungschefs von seinem ewigen Rivalen Blair. Dieser hatte zuvor drei Parlamentswahlen in Folge gewonnen; Brown verlor im Mai dieses Jahres gleich seine erste. In der drei Jahre währenden Amtszeit Browns hatte Blair sich öffentliche Kritik an seinem Nachfolger verboten. In den Memoiren holt er dies nun nach: "Politisches Kalkül: ja. Politische Gefühle: nein. Analytische Intelligenz: absolut. Emotionale Intelligenz: null." Blair schreibt aber auch, er habe nie den Respekt vor der "Stärke, Fähigkeit und Brillanz" von Brown verloren.

Blair vor Stieg Larsson

In "A Journey" verteidigt Blair auch seine Entscheidung, 2003 gemeinsam mit den USA in den Krieg gegen den Irak zu ziehen. "Ich kann die Entscheidung nicht bedauern", schreibt er. Gleichwohl sei er "unendlich betrübt" über die vielen Toten des Krieges - britische Soldaten, Verbündete, irakische Zivilisten, Diplomaten. Die Zeit nach dem Einmarsch sei "furchtbar" gewesen, er habe aber nie den "Albtraum" erwartet, der sich ergeben habe. Die auf öffentlichen Unwahrheiten basierende Entscheidung für den Irak-Krieg ist in Großbritannien noch immer hoch umstritten.

Blair will alle Erlöse aus dem Verkauf seiner Biografie einer Hilfsorganisation spenden, die schwerverwundete Kriegsveteranen unterstützt. Medienberichten zufolge hat er bereits vor Veröffentlichung des Buches umgerechnet 5,6 Millionen Euro erhalten. Schon wenige Stunden nach seiner Veröffentlichung sprang "A Journey" beim Internetbuchhändler Amazon auf Platz zwei der britischen Verkaufsliste. Kurz danach verdrängte Blair auch den Krimi "Vergebung" von Stieg Larsson von der Spitze.

Labour wählt neuen Vorsitzenden

Gordon Brown hat auch ein Buch geschrieben - lesen will's keiner.

Gordon Brown hat auch ein Buch geschrieben - lesen will's keiner.
(Foto: dpa)

Zeitgleich mit der Buchpräsentation beginnt in der Labour-Party die Wahl eines neuen Vorsitzenden. Den Platz hatte Brown mit seinem Rückzug nach der Niederlage bei der Unterhaus-Wahl im Mai freigemacht. Um seine Nachfolge bewerben sich fünf Kandidaten. Die besten Chancen werden den rivalisierenden Brüdern David und Ed Miliband eingeräumt.

Das Wahl-Prozedere ist kompliziert. Das Votum der britischen Labour-Parlamentarier aus Großbritannien und dem Europa-Parlament trägt zu einem Drittel zum Wahlergebnis bei. Ein Drittel des Ergebnisses bestimmen die Parteimitglieder und ein weiteres Drittel die Mitglieder von Unterstützer-Organisationen - vor allem Gewerkschaften. Das Ergebnis wird am 25. September auf dem Labour-Parteitag in Manchester verkündet. Berichten zufolge steht Blair wie große Teile der Labour-Prominenz auf der Seite von David Miliband. Blair ist mittlerweile allerdings so unbeliebt, dass diese Unterstützung eher seinem weiter links stehenden Bruder Ed nutzen könnte.

"A Journey" im n-tv Shop bestellen.

AFP/dpa

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