"Brutale Prügeleinsätze""Blockupy" klagt über Polizei

Schon am ersten Tag verbieten Gerichte die angemeldeten "Blockupy"-Aktionen in Frankfurt. Die angereisten Aktivisten sind empört und gehen trotzdem auf die Straße. Ihnen bleibt sonst nur eine Demo am Samstag. Die Polizei geht offenbar äußerst hart gegen die Protestierer vor.
Das "Blockupy"-Bündnis hat der Polizei bei den kapitalismuskritischen Protesten in Frankfurt überzogene Gewalttätigkeiten vorgeworfen. Es habe "brutale Prügeleinsätze" der Beamten gegeben, teilte die Gruppe mit. Kleingruppen seien willkürlich festgenommen und mit Kabelbindern gefesselt worden. Am Hauptbahnhof hätten Menschen allein wegen ihrer alternativen Kleidung Platzverweise erhalten. Die Polizei wies die Vorwürfe zurück.
Die Aktivisten setzten ihre Proteste trotz eines Verbots fort. Mit Wasserwerfern rückten Polizisten vor der Europäischen Zentralbank (EZB) an, wo Demonstranten nahe der Sperrzone protestierten. Etwa 400 Menschen wurden in Gewahrsam genommen. Das "Blockupy"-Bündnis sprach von rund 500.
Polizisten räumten Sitzblockaden, am Main und am Messegelände lösten sie Protestzüge mit bis zu 1000 Menschen auf. Eine Sprecherin nannte die Lage "recht ruhig". Rund 5000 Polizisten aus mehreren Bundesländern sind im Einsatz. Am Hauptbahnhof bewachten Beamte Eingänge, die Autobahn 648 wurde in Richtung Innenstadt vorübergehend gesperrt.
Bankenviertel teilweise blockiert
Viele Unternehmen hatten vor Beginn der Proteste am vergangenen Mittwoch ihren Mitarbeitern geraten, den Brückentag freizunehmen. Die Commerzbank hatte die Schließung von zwei Hochhäusern angeordnet. Trommelnd protestierten die Demonstranten im Bankenviertel, sie besetzten Straßenkreuzungen und zogen zu mehreren Plätzen. Ihr Ziel sahen sie erreicht: "Der geordnete Betrieb im Finanzdistrikt ist zum Erliegen gekommen", sagte ein Aktivist.
Sicherheitskräfte kesselten immer wieder Protestler ein. Sie erteilten Platzverweise und brachten festgesetzte Aktivisten zu Sammelstellen, unter anderem nach Wiesbaden und Gießen. Bereits am Donnerstag war der Rathausplatz Römerberg geräumt worden, wo 700 Aktivisten demonstrierten. Am Mittwoch war ein Protest-Camp vor der EZB aufgelöst worden.
Kirchen, Parteien und Gewerkschaften empört
Die evangelische Kirche, mehrere Parteien und die Gewerkschaft Verdi riefen zu friedlichen Protesten auf. Die Frankfurter Grünen kritisierten aber auch das Verbot vieler Veranstaltungen: "Es kann nicht sein, dass aus Angst vor Ausschreitungen das Demonstrationsrecht ausgehebelt wird."
Nach Klagen vor mehreren Gerichten ist nun lediglich noch eine Demonstration an diesem Samstag erlaubt. Wegen weitgehender Verbote auch der anderen Veranstaltungen rechnet das Bündnis inzwischen jedoch nur noch mit 10.000 bis 20.000 Teilnehmern. Ursprünglich hatten die Veranstalter bis zu 40.000 Teilnehmer erwartet, mehr noch als die Polizei.