Politik
Das Schicksal des saudischen Bloggers sorgt bis heute weltweit für Proteste.
Das Schicksal des saudischen Bloggers sorgt bis heute weltweit für Proteste.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 29. Oktober 2015

"Brutale Folter" in Saudi-Arabien: Blogger Badawi erhält Sacharow-Preis

Nelson Mandela, Malala - und nun Raif Badawi. Der saudische Blogger reiht sich in die Liste prominenter Preisträger des Sacharow-Preises ein. Persönlich wird er die Auszeichnung allerdings nicht annehmen können. Seine Ehefrau schöpft jedoch Hoffnung.

Der inhaftierte saudische Blogger Raif Badawi erhält den Sacharow-Preis des EU-Parlaments "für die geistige Freiheit". Die Fraktionsvorsitzenden des Parlaments einigten sich auf den 31-jährigen Wirtschaftswissenschaftler. Parlamentspräsident Martin Schulz würdigte Badawi als "mutigen und vorbildlichen Mann". Die 1000 Stockhiebe, zu denen Badawi wegen angeblicher Beleidigung des Islams verurteilt worden ist, nannte Schulz "brutale Folter". Der Parlamentspräsident forderte den saudischen König auf, "Badawi unverzüglich zu begnadigen und freizulassen, damit er den Preis entgegennehmen kann".

Badawi wurde 2014 zu zehn Jahren Haft und 1000 Stockhieben verurteilt. Auf seinem Blog hatte er die Trennung von Staat und Religion vorgeschlagen - eine schwere Provokation im streng religiösen Königreich. Vergeben werden soll die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung am 16. Dezember in Straßburg.

Für den Parlaments-Vizepräsidenten und Vorsitzenden der FDP im Parlament, Alexander Graf Lambsdorff, ist "Meinungsfreiheit so wichtig wie die Luft zum Atmen". "Raif Badawis Engagement für dieses grundlegende Menschenrecht, trotz hoher Risiken, ist uns allen ein leuchtendes Beispiel". Der Fall Badawi hat weltweit Proteste ausgelöst. Westliche Regierungen mahnten die Saudis, auf die Strafe zu verzichten.

Badawi "in keiner guten Verfassung"

Badawis Ehefrau, Ensaf Haidar, die mit ihren Kindern in Kanada lebt, sprach die Hoffnung aus, dass der Preis ein positives Signal für die Freilassung ihres Ehemannes aussenden würde. "Ich hoffe, der Preis wird ihn aufheitern. Als ich vor sechs Tagen mit ihm telefonierte, war er in keiner besonders guten Verfassung".

Mitbewerber Badawis um den Preis waren die demokratische Opposition in Venezuela und der im Februar ermordete russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow. Der Sacharow-Preis ist eine der wichtigsten Auszeichnungen, die die EU-Abgeordneten im Einsatz für die Menschenrechte zu vergeben haben. Damit werden seit 1988 Menschen gewürdigt, die sich auf außergewöhnliche Art und Weise für Grundrechte, Meinungsfreiheit und gegen Unterdrückung einsetzen.

2013 ging er an die damals 16-jährige Pakistanerin Malala Yousafzai, die in ihrer Heimat für das Recht auf Bildung kämpft und 2012 von den Taliban gezielt niedergeschossen wurde. 2014 erhielt sie auch den Friedensnobelpreis. Frühere Preisträger waren der erste schwarze Präsident Südafrikas, Nelson Mandela (1988), bevor er Präsident wurde, und der chinesische Bürgerrechtler Hu Jia (2008).

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen