Politik

"Historischer Zynismus"Böhm fordert Schuldenerlass

01.12.2007, 09:14 Uhr

Der Schauspieler fordert eine Streichung der Schulden für Afrika. "Das Geld, das die ehemaligen Kolonialmächte Afrika heute schulden würden, ist in Nullen überhaupt nicht auszudrücken."

Der Schauspieler Karlheinz Böhm hat vor dem EU-Afrika-Gipfeltreffen am nächsten Wochenende in Lissabon eine radikale Streichung sämtlicher Schulden für die afrikanischen Länder verlangt.

"Sie schulden uns kein Geld - nicht einen einzigen Euro", sagte Böhm der Deutschen Presse-Agentur. "Dass die afrikanischen Staaten an europäische Staaten in irgendeiner Form Schulden hätten, das finde ich einen der historischen Zynismen", sagte Böhm mit Blick auf eine jahrhundertelange Kolonialzeit. "Das Geld, das die ehemaligen Kolonialmächte Afrika heute schulden würden, ist in Nullen überhaupt nicht auszudrücken."

Europa müsse dringend die wirtschaftlichen Beziehungen zu Afrika ausbauen. "Das wäre nicht nur eine großherzige Tat gegenüber dem Kontinent Afrika, sondern es wäre vor allem eine absolute Notwendigkeit für die europäische Wirtschaft", sagte Böhm. "Europa kann ohne den Wirtschaftspartner Afrika nicht existieren." Er erhoffe sich von dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs am 8. und 9. Dezember in Lissabon Schritte hin zu einer stärkeren Zusammenarbeit.

Bei dem Streit um die Teilnahme des autoritär regierenden Präsidenten von Simbabwe, Robert Mugabe, sei es eine "Groteske", dass ausgerechnet die frühere Kolonialmacht Großbritannien deshalb den Gipfel boykottieren wolle. Großbritannien sei eine der destruktivsten Kolonialmächte gewesen. Derartige Gipfeltreffen müssten vielmehr institutionalisiert werden und in regelmäßigen Abständen stattfinden, die Wirtschaft müsse miteinbezogen werden.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Afrika könne für den Kontinent einen positiven Schub bringen. "Ich finde es sehr gut, dass es diese WM geben wird." Auch nach der Ermordung eines österreichischen Fußballprofis in Durban dürfe die Sicherheitsdebatte nicht die gesamte WM überschatten. "Gibt es in Europa nicht Mord und Totschlag? Wenn in Afrika so etwas passiert, wird das sofort als politisches Phänomen ausgestellt."