Politik
Ein B-2 Spirit Bomber wirft bei einer Übung eine B61-11 ab.
Ein B-2 Spirit Bomber wirft bei einer Übung eine B61-11 ab.

Leitwerk für B61: Boeing bekommt Bombenauftrag

Von Jochen Müter

Das US-Militär will in den nächsten Jahren seine B61-Atomwaffen modernisieren. Aus "dummen Bomben" sollen Präzisionsgeschosse werden - ein Milliardenaufwand. Flugzeugbauer Boeing ergattert den ersten lukrativen Auftrag für das Projekt. In Kürze kann auch Deutschland von der laut Kritikern "stillen Aufrüstung" betroffen sein. Denn das Land ist längst nicht atomwaffenfrei.

Das umstrittene "Life Extension Program" (LEP) für US-Atombomben nimmt konkrete Gestalt an. Wie die Rüstungsabteilung des US-Flugzeugherstellers Boeing bekannt gab, wird das Unternehmen im Auftrag der Air Force den Prototypen eines Leitwerks bauen, mit dem die auf Nato-Gebiet weit verbreitete Atombombe B61 ausgestattet wird.

Die USA planen, ihr mehrere tausend Stück umfassendes B61-Arsenal in den kommenden Jahren zu modernisieren. Kritiker sprechen dabei von einer heimlichen Aufrüstung. In Deutschland sorgen die Pläne für Sorge, weil im rheinland-pfälzischen Bundeswehrstützpunkt Büchel etwa 20 Exemplare der Bombe lagern, die wohl ebenfalls modernisiert würden.

Das LEP-Logo: Comic-Krieg.
Das LEP-Logo: Comic-Krieg.

Laut Boeing hat der Vertrag einen Umfang von 178 Millionen Dollar. Das Unternehmen rühmt sich in einer Erklärung seiner langen Erfahrung im Waffenbau für Kampfflugzeuge. "Wir werden unser erwiesenes Know-How einsetzen, um die abschreckende Wirkung der Waffe zu erhöhen", so Debbie Rub, Vizepräsidentin von Boeing. Der Umsatz für Boeing erscheint auf den ersten Blick gering. Allerdings: Die Umsetzung des gesamten Programms wird die USA annähernd zehn Milliarden Dollar kosten. Davon profitieren werden neben Boeing voraussichtlich drei weitere Rüstungsunternehmen.

"Es geht um Rüstung, nicht um Sicherheit"

"Die Atomwaffenpolitik in den USA hat mehr mit dem Gewinn für Rüstungsfirmen sowie Spenden für Entscheidungsträger zu tun, als mit irgendeinem Gewinn für die Sicherheit der Menschen", kritisiert Xanthe Hall, Atomwaffenexpertin der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) die Entwicklung. Seit 2009 hätten die vier Rüstungsunternehmen Millionen an die Republikaner überwiesen - nun würden sie eine Rendite erwarten, sagt Hall n-tv.de. Und in der Tat: Die Entscheidung zur Modernisierung der Waffen wurde Friedensnobelpreisträger Barack Obama vom politischen Gegner abgerungen. Und zwar ausgerechnet für Zugeständnisse beim Start-Abrüstungsabkommen mit Russland.

Boeing steht bei der Entwicklung des Bomben-Leitwerks vor einer Aufgabe, um die es im Kern Streit gibt. Die B61 gilt bislang als "dumme Bombe". Bei einem Abwurf gleitet sie an einem Fallschirm zu Boden, damit das abwerfende Flugzeug Zeit hat, sich aus dem Umfeld zu entfernen. Sie ist in Sachen Zielgenauigkeit schlecht. Präzisionstreffer, wie sie das Militär anstrebt, sind damit nicht möglich. Ein neues Leitwerk würde das ändern. Ausgestattet mit einer geringen nuklearen Sprengladung, wären gezielte Atomangriffe - etwa auf Chemiefabriken oder militärische Anlagen - möglich, ohne das gesamte Umfeld zu verseuchen.

Kosten für Deutsche

Während die US-Regierung trotz des Funktionswandels lediglich von einer "Lebensverlängerung" der bisherigen Bomben spricht, sehen Kritiker in der Modernisierung das Potenzial, die Bombe schneller zum Einsatz zu bringen. Die größere Präzision und der geringere nukleare Fallout könnten dabei als Legitimation dienen. Die Spezialisierung der Waffe widerspreche zudem dem Atomwaffensperrvertrag, der eine nukleare Aufrüstung verbietet.

Welche Folgen die Entscheidung zur Modernisierung der Bomben für Deutschland und speziell den Tornado-Standort Büchel hat, ist noch offen. Offiziell verfolgt die schwarz-gelbe Regierung das Ziel, das Land frei von Atomwaffen zu machen. Doch als das B61-Programm Thema bei der Nato war, hat das Außenministerium auf eine Reaktion verzichtet. Klar ist: Wenn die 20 Bomben in Büchel auch modernisiert werden, stehen Kosten für den deutschen Steuerzahler in Millionenhöhe an. Die Trägerflugzeuge, in diesem Fall deutsche Tornados, müssten für viel Geld modifiziert werden.

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Quelle: n-tv.de

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