Politik

Anklage gegen Shahzad formuliertBomber erwartet Lebenslang

05.05.2010, 14:13 Uhr

Der sogenannte Times-Square-Bomber soll unter anderem wegen Terrorismus und des versuchten Einsatzes einer Massenvernichtungswaffe vor Gericht gestellt werden. Wird er verurteilt, droht ihm lebenslange Haft.

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Shahzad soll die Tat bereits gestanden haben. (Foto: Reuters)

Dem gescheiterten Bombenleger vom New Yorker Times Square droht lebenslange Haft. Sollte der 30-Jährige in allen fünf Anklagepunkten schuldig gesprochen werden, müsse er den Rest seines Lebens in einem Bundesgefängnis verbringen, berichteten US-Medien. Der Pakistaner Faisal Shahzad, der seit einem Jahr amerikanischer Staatsbürger ist, soll unter anderem wegen Terrorismus und des versuchten Einsatzes einer - wie es die Anklageschrift formuliert - Massenvernichtungswaffe vor Gericht gestellt werden. Shahzad war in der Nacht zum Dienstag festgenommen worden, als er schon in einem Flugzeug saß, das ihn über Dubai nach Islamabad bringen sollte

Inzwischen äußerte die pakistanische Armee Zweifel, dass tatsächlich die Taliban Urheber des gescheiterten Anschlags sind. Es sei fraglich, ob die islamistische Gruppe die Kapazität habe, Anschläge in den USA oder Europa zu organisieren. "Wir haben durch unsere jüngsten Aktionen ihre Verstecke, Trainingslager und Rekrutierungspunkte zerstört. Ich glaube nicht, dass sie derzeit in der Lage sind, Ziele in Amerika oder sonstwo in der Welt anzugreifen", sagte Generalmajor Athar Abbas. Drei Tage zuvor hatte sich eine Talibangruppe zu dem Anschlag bekannt. Der jetzt festgenommene Shahzad ist laut "Times" der Sohn eines hohen pakistanischen Luftwaffenoffiziers.

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Ermittler durchsuchten das Haus des Festgenommenen. (Foto: Reuters)

Der Angriff auf den Times Square, das berühmteste und belebteste Stück des New Yorker Broadways, war misslungen, weil die amateurhaft konstruierte Bombe nicht gezündet hatte. Shahzad hatte zugegeben, am Samstagabend einen Geländewagen mit Gasflaschen und Benzinkanistern auf dem Platz im Herzen New Yorks abgestellt zu haben. Ein Straßenhändler entdeckte ein qualmendes Paket im Wagen, die Polizei sperrte daraufhin den sonst von Zehntausenden bevölkerten Platz ab und entschärfte die Bombe. Shahzad wurde zwei Tage später festgenommen.

Fahndungspanne wird untersucht

Derweil ermittelt die Polizei, weshalb Shahzad hatte fest entkommen können. Nach Angaben der "New York Times" hatten die Ermittler die Spur des bereits Identifizierten für einige Zeit verloren. Die US-Regierung will jetzt wissen, wie der Mann trotz eines Flugverbots in eine Maschine der Fluggesellschaft Emirates gelangen konnte. Die Ermittler selbst sprachen von einem Zugriff in buchstäblich letzter Minute.

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Im Koferraum eines Autos hatte Shahzad die selbstgebaute Bombe untergebracht. (Foto: AP)

New Yorks Polizeichef Raymond Kelly sagte nach der Festnahme, die Stadt könne "heute etwas beruhigter" sein. "Aber New York ist Amerika. Und sie werden wiederkommen und versuchen, uns zu töten."

"Wir haben von ihm nützliche Informationen bekommen", sagte US-Justizminister Eric Holder. "Es war klar ein Terrorangriff, um Amerikaner zu töten. An einem der belebtesten Plätze sollten so viele unschuldige Touristen und Theaterbesucher wie mögliche ermordet werden", sagte Holder. "Er wollte Tod und Zerstörung in das Herz Manhattans bringen." In dem am Flughafen geparkten Auto des Terrorverdächtigen fand die Polizei eine Pistole und Munition. Der 30-Jährige beteuerte im Verhör, allein gehandelt zu haben. Shahzad war am 3. Juli vergangenen Jahres nach Karachi und am 3. August zurück in die USA geflogen.

Festnahmen in Pakistan

In Pakistan hat die Polizei nach dem Anschlagsversuch mindestens drei Menschen festgenommen oder verhört. Als Hauptverdächtiger gilt der Schwager Shahzads, wie die pakistanischen Behörden mitteilten. Zudem seien seine in Karachi lebende Mutter und der Schwiegervater verhört worden. Dort leben auch die Frau und die beiden Kinder Shahzads. Kurz vor ihrer Festnahme hatte die Mutter Shahzads Reportern berichtet, dass ihr Sohn bei einem Besuch im Sommer 2009 zusammen mit einem Freund in den Nordwesten Pakistans gereist sei. Die Region gilt als Hochburg islamischer Rebellen und als Rückzugsgebiet der Taliban aus dem benachbarten Afghanistan.

Shahzad ist einer von einem Dutzend Ausländern mit US-Pass oder Greencard, die in den vergangenen zwei Jahren wegen Terrorverdachts festgenommen wurden. Unter ihnen ist der Pakistaner Daood Gilani, der in Chicago den Namen David Coleman Headley annahm und mit einem geplanten Anschlag auf eine dänische Zeitung in Verbindung gebracht wird, sowie der Busfahrer Najibullah Zazi aus Denver, der sich im Februar zu einem geplanten Attentat auf die New Yorker U-Bahn bekannte.

Quelle: dpa/rts/AFP