Dienstag, 28. September 2010
"Raus aus Hinterhof-Moscheen": Bouffier fordert Islam-Unterricht
Integration ist seit dem Buch des früheren Bundesbankvorstands Sarrazin wieder ein politisches Thema. Hessens Ministerpräsident Bouffier will ein besseres Ankommen der Einwanderer auch mit Islamunterricht in deutscher Sprache erreichen.Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, an deutschen Schulen bundesweit Islam-Unterricht als ordentliches Religionsfach einzuführen. Integration sei "keine Einbahnstraße", sagte er der "Bild"-Zeitung.
"Kinder aus islamischen Familien müssen raus aus den Hinterhof-Moscheen." Der Islam-Unterricht müsse in deutscher Sprache erteilt werden und "von dafür speziell ausgebildeten Lehrern, die die Scharia nicht über unser Grundgesetz stellen", sagte Bouffier.
Nicht nur Muslime sehen
Zuvor hatte der Migrationsforscher Klaus Bade davor gewarnt, die Debatte über die Integration von Ausländern zu sehr auf Muslime zu konzentrieren. "Die Beschwörung einer durchweg muslimischen Problemzone" sei ein "Zerrspiegel der Realität", sagte Bade der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er wies darauf hin, dass beispielsweise bei Bildungserfolgen italienische Zuwanderer nach Deutschland etwas schlechter als türkische abschneiden würden "und Italiener sind bekanntlich selten Muslime". Umgekehrt seien iranische Migranten fast durchweg Muslime, doch handele es sich hier überwiegend um eine "Elitenzuwanderung" mit wenig Integrationsproblemen.
Generell wandte sich Bade dagegen, Integrationsprobleme zu überzeichnen. Problembeladene Ausnahmesituationen wie in Berlin-Neukölln bestätigten nur die Regel einer "meist friedvollen Integration im Alltag". Auch hätten Integrationsprobleme "weniger mit Herkunft oder gar Religion und viel mehr mit den Sozialmilieus zu tun". Beispielsweise nehme die Zahl deutscher Analphabeten wieder zu. Daher seien Sprachstandsmessungen für Kinder ohne Migrationshintergrund oft ebenso wichtig wie für Zuwandererkinder.
Seit den umstrittenen Thesen des scheidenden Bundesbank-Vorstandes und SPD-Politikers Thilo Sarrazin diskutiert Deutschland kontrovers über Zuwanderer und ihre Integration.
AFP/dpa
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