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Weltweit wird gegen das russische Gesetz protestiert.
Weltweit wird gegen das russische Gesetz protestiert.(Foto: AP)

Olympia und Schwulenrechte in Russland: Boykott ist keine Option

In den 1970er und 80er Jahren galt der Boykott Olympischer Spiele als legitimes Mittel, politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. So verzichteten nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan die USA und zahlreiche westliche Länder auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen von Moskau 1980. Die Einschränkung der Rechte Homosexueller wird wohl kaum so harte Konsequenzen haben.

US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron lehnen einen Boykott der Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi im kommenden Jahr wegen der Verfolgung von Homosexuellen in dem Land ab.

Obama sagte bei einer Pressekonferenz am Freitag, er halte das nicht für angemessen. Er würde es lieber sehen, dass die US-Sportler mit Medaillengewinnen kontern. "Wir haben viele Amerikaner, die hart trainieren, die alles tun, um Erfolg zu haben", sagte Obama. "Ich würde mich freuen, wenn einige schwule und lesbische Athleten Gold nach Hause brächten." Falls Russland keine Schwule oder Lesben bei den Spielen im kommenden Jahr antreten ließe, würde das sein Team wahrscheinlich schlechter machen, sagte Obama.

Auch Cameron erklärte, es sei besser, an den Spielen teilzunehmen und damit gegen die homosexuellenfeindliche Politik Russlands zu demonstrieren. "Ich bin der Meinung, dass wir Vorurteile besser infrage stellen können, wenn wir teilnehmen, anstatt die Winderspiele zu boykottieren", schrieb Cameron bei Twitter.

Er antwortete damit direkt auf einen offenen Brief des britischen Schauspielers und Autors Stephen Fry, der nach einem umstrittenen Gesetzes-Erlass gegen Homosexualität in Russland zum Boykott aufgerufen hatte. Die olympische Bewegung werde beschmutzt, falls die Spiele in Russland stattfinden dürften, schrieb Fry ("Blackadder"). Cameron müsse sich dafür einsetzen, dass diese Russland entzogen würden.

"Homosexuellen-Propaganda"

Kremlchef Wladimir Putin hatte ein Gesetz erlassen, das Äußerung über Homosexualität im Beisein von Jugendlichen unter 18 mit teils hohen Geldstrafen belegt. Der Sprecher des für die Spiele verantwortlichen Vize-Regierungschefs Dmitri Kosak hatte jedoch angekündigt, dass Russland das Anti-Homosexuellen-Gesetz bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi nicht anwenden will.

In den 1970er und 80er Jahren galt der Boykott Olympischer Spiele als legitimes Mittel, politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. So verzichteten nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan die USA und zahlreiche westliche Länder auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen von Moskau 1980. Vier Jahre später kam es zum Gegenboykott der Sommerspiele in  Los Angeles. Die Niederlande, Spanien und die Schweiz waren als Reaktion auf den Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes bereits 1956 den Sommerspielen in Melbourne fern geblieben.

Quelle: n-tv.de

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