Politik
Straßenszene im spanischen Benidorm, das in jedem Fall Teil der EU bleibt - auch wenn es in manchen Gegenden fest in britischer Hand ist.
Straßenszene im spanischen Benidorm, das in jedem Fall Teil der EU bleibt - auch wenn es in manchen Gegenden fest in britischer Hand ist.(Foto: dpa)
Dienstag, 21. Juni 2016

Letzte TV-Schlachten: Brexit-Befürworter legen wieder zu

Am Donnerstag gilt es: Tritt Großbritannien aus der EU aus? Neue Umfragen zeigen, dass die "Leave"-Kampagne wieder Boden gutmacht. Doch es bleibt knapp. Im Fernsehen mobilisieren beiden Seiten noch einmal letzte Kräfte.

Wenige Tage vor dem britischen Referendum über einen EU-Austritt lassen neue Umfragen den Ausgang völlig offen erscheinen. Eine am Montagabend veröffentlichte Erhebung des Instituts OBR für den "Daily Telegraph" sah die Befürworter eines EU-Verbleibs bei 49 Prozent und die Unterstützer eines Austritts bei 47 Prozent. Die Austrittsbefürworter legten damit im Vergleich zur Vorwoche um drei Punkte zu, während das Pro-EU-Lager stabil blieb.

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In einer YouGov-Umfrage für die "Times" hingegen überholten die EU-Gegner die Befürworter: Für einen Brexit sprachen sich 44 Prozent aus, das war ein Punkt mehr als in der vorangegangenen Umfrage. Die Unterstützung für einen Verbleib in der EU sank hingegen um zwei Punkte und erreichte nur noch 42 Prozent. Der Anteil der noch unentschlossenen Wähler ist hoch.

Nach der Kampagnenpause wegen des Mordes an der Labour-Abgeordneten Jo Cox haben Brexit-Befürworter und Gegner den Endspurt im Werben um Stimmen eingeläutet. Der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn trat im Fernsehen auf und riet den Briten zum Verbleib in der EU. Aber: "Ich bin kein Liebhaber der Europäischen Union", sagte er vor ausgewählten jungen Studio-Gästen. "Wenn wir in der EU bleiben, muss sie sich dramatisch ändern", erklärte er. "Sie muss viel demokratischer werden, viel mehr Rechenschaft ablegen."

Corbyn war während des Wahlkampfes vorgeworfen worden, er habe sich nicht ausreichend für die Sache der Brexit-Gegner eingesetzt. Zu selten habe man ihn auf Wahlkampfveranstaltungen gesehen - und nie zusammen mit Premierminister David Cameron. Kritiker meinten gar, der Labour-Chef täusche seine Unterstützung für einen Verbleib in der EU nur vor, hoffe aber in Wirklichkeit auf einen Brexit.

TV-Duell am Abend

Diesem Eindruck konnte der Labour-Chef im Fernsehstudio mit Café-Atmosphäre trotz deutlicher Kritik an der EU entgegenwirken. In der Flüchtlingskrise attestierte der Labour-Chef der EU großes Versagen. Nur Deutschland habe sich richtig verhalten. Kanzlerin Angela Merkel lobte er dabei ausdrücklich. "Ich habe sie noch nie getroffen", aber er würde sich darüber freuen, sagte er. Man könne Probleme wie den Klimawandel und die Flüchtlingskrise nicht als einzelner Staat angehen. Nur gemeinsam könne man Lösungen finden, so Corbyn.

Über die Frage, ob Großbritannien innerhalb oder außerhalb der EU "besser wegkomme", sprach Corbyn im Gegensatz zu anderen Politikern beider Lager überhaupt nicht. Stattdessen betonte er: "Wir müssen unseren Wohlstand teilen und die Lebensverhältnisse und Arbeitsverhältnisse auf dem ganzen Kontinent verbessern."

Wie man die Zuwanderung aus der EU begrenzen könne, wollte ein Zuschauer wissen. Corbyn entgegnete: Wer die Arbeitnehmerfreizügigkeit abschaffen wolle, begreife nicht, worum es im europäischen Binnenmarkt gehe.

Neben Corbyn trommelt auch der kürzlich zum Londoner Bürgermeister gewählte Labour-Politker Sadiq Khan gegen den Brexit. Er tritt am Dienstag in einem TV-Duell gegen seinen Amtsvorgänger Boris Johnson und andere Brexit-Befürworter an. Im TV-Duell am Abend ist Khan der prominenteste Fürsprecher einer weiteren EU-Mitgliedschaft.

Quelle: n-tv.de

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